Donnerstag, den 14.07.2016
NE-E 3 Bft – 21sm – 05h 43min – Ø 3,6kn – gesamt: 2.165sm
Eigentlich haben wir gedacht, wir wären hier ganz alleine in unberührter Natur. Falsch gedacht – als ich die Kuchenbude zusammenlege, sehe ich in der anderen Bucht am Ufer einen Kajakfahrer. Der ist bestimmt ebenso überrascht, wie wir. Es dauert nicht lange, dann dreht er um und paddelt wieder aus dem Lónafjördur.
Heute ist ein richtiger Sommertag – wir haben schon um 08:30 Uhr 23°C in der Sonne. Kaum zu glauben 😉 . Nach dem Frühstück – natürlich in der Sonne im Cockpit 😉 – fahren wir mit dem Dinghi an Land. Wir wollen zum Wasserfall – nicht zum Duschen, nur zum Gucken 😉 . Gar nicht ganz so einfach, immer wieder sind Bäche im Weg. Mal durch das Wasser, mal über die Steine erreichen wir dann auch den Wasserfall.
Dann laufen wir bergauf, am Bach entlang, dann über die Hänge – Wanderwege gibt es hier nicht. Hier blühen wieder die schönen sattgelben Butterblumen, Wiesenschaumkraut an den feuchten Stellen am Hang und lila Blumen. Die Wiese ist mit Blaubeerbüschen überzogen, Farnkraut sehen wir immer mal wieder und flach auf dem Boden wuchernde Birkenzweige. Hier ist wirklich noch unberührte Natur. Wunderschön 🙂 .
Eigentlich könnten wir hier bleiben, so gut gefällt uns dieser Fjord. Aber es gibt ja noch mehr zu sehen und so starten wir mittags. Die Fahrt aus dem Fjord ist nicht mehr ganz so aufregend – wir fahren genau auf dem Track, auf dem wir auch reingekommen sind. Am Fjordausgang liegt noch eine Sandbank im Weg, dann sind wir wieder in vermessenem Wasser des Jökulfjirði:-) .
Wir segeln mit Wind aus E-NE nur mit Genua an dem verlassenen Hof Kvíar vorbei. Bewohnt ist er nicht mehr, aber hier endet eine geführte Wandertour. Die Wanderer werden dort von einer kleinen Fähre abgeholt. Verschiedene Anbieter organisieren hier geführte Touren – eintägig, oder auch Sail and Hike mehrtägig. Das würde mir auch gefallen – Peter segelt unsere Ruby Tuesday von einem Fjord zum nächsten und ich wandere über die Berge 😉 .
Der nächste Fjord Richtung Westen ist der Seiðileysufjörður. Hier segeln wir rein, drehen aber am Ende des Fjordes wieder um. Er ist zu ungeschützt zum Ankern und so wirklich gefällt uns die Landschaft hier nicht. Wir werden langsam anspruchsvoll, aber ich glaube, nach der Ádalvik mit dem tollen Sandstrand und dem Lónafjördur, in dem wir gestern geankert haben, finden wir keine schöneren Ankerplätze mehr 😉 .
Einen Versuch machen wir noch 😉 – der Hesteyrarfjörður ist nicht weit entfernt.
Am Eingang des Hesteyrarfjörður liegt das kleine um 1950 aufgegeben Dorf Hesteyri. Heute gibt´s dort einen Campingplatz für Wanderer, einige Sommerhäuser und ein kleines Cafe´im alten Doktorhaus. Auch hier hält die kleine Fähre, um Wanderer abzusetzen, die für einen oder mehrere Tage im Hornstrandir verschwinden. Etwas weiter im Fjord kann man die verrosteten Reste einer Walfangstation von 1894 sehen. Mit Schließung der Walfangstation verließen auch die Bewohner ihr Dorf.
Wir segeln noch ein Stück weiter und finden am Ende des Fjordes einen schönen Ankerplatz. Nicht so schön wie gestern, aber trotzdem schön 😉 . Gut geschützt gegen Winde aus allen Richtungen, nur nicht gegen die Fallböen, die immer mal wieder von den hohen Bergen um uns herum runterfegen, liegen wir hier. Am Ufer sehen wir, wie auch heute morgen im Lónafjördur, ein Schwanenpaar mit einem gut getarnten Jungen. Polarfüchse soll es im Hornstrandir auch jede Menge geben. In der Ankerbucht Ádalvik haben wir morgens am Strand einen Polarfuchs gesehen, jetzt hoffen wir, dass wir vielleicht auch hier noch mal einen vor die Linse bekommen 😉 .
Die Fallböen werden immer heftiger, manche fegen mit 25kn über uns weg. Unsere Ruby Tuesday tanzt im 3/4-Takt an der Ankerkette. Mal 45° nach rechts, dann wieder 45° nach links. Den Anker haben wir wie immer gut eingefahren, er hält auch diesmal. Trotzdem macht ankern bei wenig oder keinem Wind mehr Spaß 😉 . Irgendwann nachts kehrt dann Ruhe ein, auch der Wind ist wohl eingeschlafen.