Moulin Huet Bay – Île de Bréhat

Montag, den 20.05.2019
NW 2-4 Bft – 41 sm – 7h 55min – Ø 5,1kn – gesamt: 440 sm

Moulin Huet Bay – Île de Bréhat

In der Nacht hat der Schwell zum Glück nachgelassen und wir haben gut geschlafen. Und auch das Abendessen ist auf den Tellern geblieben 😉 .

Wir starten heute Morgen bei Sonnenschein und leichter Bewölkung. So richtig warm ist es nicht, unser Thermometer zeigt nur 13°C an. Und der Wind macht auch gerade mal Pause. 2 Bft reichen nicht wirklich, um zügig zu segeln.

Blick zurück in die Moulin Huet Bay

Als wir aus der Abdeckung von Guernsey raus sind, nimmt der Wind ein bisschen zu – immerhin 3 Bft . Wir segeln mit Großsegel und Genua in einer leichten Dünung Richtung Südwesten zur Île de Bréhat. Mal schiebt die Strömung, mal setzt sie quer und wir müssen richtig viel vorhalten, um unseren Kurs beizubehalten und zeitweise kommt sie uns auch entgegen. Zwischen den Kanalinseln und auch rundherum läuft die Strömung nicht eindeutig von Ost nach West oder umgekehrt, sondern sie dreht im Uhrzeigersinn oder auch entgegen. Ist schon ein bisschen tricky 😉 . Wir kommen trotzdem an der Île de Bréhat an 😉  – schnell sind wir nicht, aber es ist ein schöner gemütlicher Schlag von Guernsey hierher.

Ile de Brehat – Leuchtturm Paon auf rosa Granitklippen

Ganz gespannt sind wir, wo wir ankern oder an einer Mooring festmachen können. Ankern ist hier eher schwierig, da im Moment der Tidenhub 9,50 Meter beträgt. Wir brauchen mindestens 2,50 Meter Wasser unter dem Kiel bei Niedrigwasser, das heißt, bei Hochwasser haben wir eine Wassertiefe von 12 Metern. Dafür reicht unsere Kettenlänge von 60 Metern eigentlich nicht aus, will man das 6-fache der Wassertiefe stecken. Außerdem finden wir in der Karte keine Stelle, an der der Schwojenkreis dafür ausreichend ist 🙁 . Wir wissen aber von einem kurzen Zwischenstopp hier vor 7 Jahren, dass in den beiden Buchten La Corderie und La Chambre Moorings ausgelegt sind. Damals waren wir im Hochsommer hier – es war alles rappel voll. Wir haben nur deshalb eine Mooring in ausreichender Wassertiefe bekommen, weil diese keinen Ring zum Befestigen eines Tampens hatte. Aber mit einem gekonnten Lassowurf hat Peter damals die Mooring eingefangen und wir waren fest 😉 .

Auf eine Mooring in ausreichender Wassertiefe hoffen wir auch diesmal – da ja noch kein Hochsommer ist, dürfte die La Corderie eigentlich nicht wegen Überfüllung geschlossen sein 😉 .

Ansteuerung La Corderie

Als wir um die letzten Felsen gucken können, sehen wir, dass reichlich Platz ist. Wir nehmen die äußerste Mooring auf und sind erst mal fest. Bei inzwischen 4 Bft auflandigem Wind und 2kn Strom ein gutes Gefühl. Schnell erkennen wir, dass an dieser Mooring die Wassertiefe bei Niedrigwasser nicht ausreicht – hier fallen wir trocken 🙁 . Das geht natürlich nicht – mit unserer Ruby Tuesday lägen wir da platt auf der Seite, eher unbequem zum Essen und zum Schlafen 😉 . Ankern fällt hier aus, also ist guter Rat teuer. Wir fragen ein französisches Paar, das in einem kleine Fischerboot vorbeikommt , welche Möglichkeiten es hier sonst noch gibt. Sie zeigen uns ein paar Meter weiter im tiefen Wasser eine Mooring, meinten die sei tief genug und halten würde sie bestimmt auch. Dieses Gebilde haben wir gar nicht als Mooring identifiziert 😉 . Wir verlegen uns und machen an den dicken Tampen der Mooring unsere Ruby Tuesday fest.

Die Mooring sollte halten

Hier müsste die Wassertiefe passen – hoffentlich. Einen Schrecken bekommen wir zwei Stunden später – es macht den Anschein, als wenn wir mit der Mooring vertreiben. Das war aber glücklicherweise nur eine optische Täuschung – laut GPS und Radar liegen wir noch an der gleichen Stelle 🙂 .

Von Bord gehen wir heute nicht mehr, obwohl es noch gar nicht so spät ist und wir noch einen kleinen Rundgang über die Insel machen könnten. Aber das Mooring-Manöver war doch ganz schön nervenaufreibend und wir wollen erst mal schauen, ob wir hier auch wirklich gut liegen.

Blick von unserem Platz an der Mooring

Abendstimmung

Morgen werden wir uns dann die Île de Bréhat anschauen – wir müssen nur noch den richtigen Zeitpunkt ausgucken, wann wir genügend Wasser in der Bucht haben, um mit dem Dinghi an Land zu fahren und wann wir wieder zurück sein müssen, damit auch immer noch Wasser in der Bucht steht oder vielleicht ja auch schon wieder 😉 . Denn Laufen und unser Dinghi tragen wollen wir eigentlich nicht. So oder so – das Segeln in der Ostsee ohne Tidenhub war auf jeden Fall einfacher 🙂 .

Dienstag, den 21.05.2019

Île de Bréhat zu Fuß

Die Nacht haben wir gut verbracht – ohne Grundberührung 😉 . Als wir morgens aus dem Schiff schauen, sehen wir – nichts. Es ist so nebelig, dass wir nicht mal die rote Spiere, die nur ein paar Meer von uns entfernt ist, erkennen können. Das haben wir so aber nicht bestellt und ist auch bei Wetteronline nicht so vorhergesagt – eigentlich soll heute den ganzen Tag die Sonne scheinen 🙂 .

Gegen 10:30 Uhr verzieht sich der Nebel so langsam. Wir fahren mit dem Dinghi in die Bucht La Corderie und machen das Dinghi an einem langen Quai aus Granit und mit Badeleitern fest. Hier können wir aus dem Dinghi aussteigen, ohne gleich nasse Füße zu bekommen 😉 . Es ist jetzt zwei Stunden nach Hochwasser, wir haben Zeit für die Inselwanderung bis ca. 4 Stunden vor dem nächsten Hochwasser – erst dann ist wieder so viel Wasser in der Bucht und am Quai, dass wir mit dem Dinghi zu unserer  Ruby Tuesday zurück fahren können – Zeit genug, ausgiebig über die Insel zu wandern 🙂 .

La Corderie

Ruby Tuesday weit draußen an der Mooring

Seezeichen vor der La Corderie – an der grünen Spiere kann man sehen. wie stark es strömt

Zwei Dinge möchte ich auf dieser Reise in die Bretagne unbedingt sehen – na ja, es könnten auch drei oder vier sein 😉 . Dazu gehört auf jeden Fall die Île de Bréhat und die Glénans, ein Inselarchipel im Atlantik vor Concarneau. Auf den Glenans und an vielen anderen Orten in der Bretagne spielen die 7 Bretagne-Krimis mit Kommissar Dupin von Jean-Luc Bannalec – ich bin gespannt, wie zutreffend die Landschaften und Städte in den Krimis geschildert werden.

Die Île de Bréhat haben wir ja nun erreicht – kann Nummer eins von der Liste ja gestrichen werden 😉 . Sie ist nicht groß, nur 3,5km lang und 1,5 km breit und gilt wegen ihrer Blumenpracht und der typisch bretonischen Häuser aus rosa Granit als die schönste Insel in der Bretagne. Hier leben nur 350 Insulaner ganzjährig, im Sommer, im Juli und August verachtfach sich die Bewohnerzahl durch Feriengäste oder Franzosen, die hier ihr Ferienhäuschen haben. So treffen wir auf unsere Wanderung kaum Insulaner, aber doch schon eine ganze Menge Tagesausflügler, die mit den Fähren vom Festland zur Île de Bréhat kommen. Teilweise schon in Prozessionen laufen sie den Rundwanderweg zu den Sehenswürdigkeiten der Île de Bréhat.

Am Hafen Port Clos

Dorfstraße

Wir wandern zuerst über die blumenreiche Südinsel mit ihren beeindruckenden Häusern. Ganz schön groß sind die Häuser und die meist sehr schönen Gärten noch viel größer 🙂 .

Die meisten Häuser auf der Südinsel sind noch nicht bewohnt, sie haben noch die Schlagläden vom Winter vor den Fenstern und Türen. Hier hat die Saison noch nicht begonnen.

Historische Gezeitenmühle

Croix de Maudez – das Kreuz der Seefahrer

Mindestens so beeindruckend wie die Blumen und Häuser sind die Buchten Port Clos und La Chambre. In Port Clos legen die Fähren vom Festland an – an drei verschiedenen Quais, je nach Wasserstand.

Port Clos

La Chambre ist ebenso wie La Corderie eine Bucht mit Moorings – aber auch diese Bucht fällt fast komplett trocken. Es gibt einige Moorings, die scheinbar in tiefem Wasser sind, das können wir von Land aber nicht wirklich beurteilen.

La Chambre

Auf jeden Fall kann man vor La Chambre und der benachbarten Badebucht Guerzido besser ankern, als vor La Corderie. Hier ist es nicht ganz so tief und vor allem ist hier die Strömung nicht so stark – und wenn der Anker mal nicht halten sollte, ist mehr Platz bis zu den nächsten Felsen im Wasser 😉 .

Blumen auf der Île de Bréhat:

Die Nordinsel – beide Inseln sind durch eine schmale Landzunge verbunden – ist weniger bebaut und viel schroffer, als die Südinsel. Hier kann man den rosa Granit auf einer Wanderung zum nordöstlichen Leuchtturm Phare du Paon in all seinen Formen und Farbschattierungen bewundern.

Phare du Paon

Rosa Granitklippen

An der nordöstlichen Ecke der Ile de Brehat

Und noch mehr rosa Granit:

Im „Le Paradis Rose“, einer Gartenkneipe, lassen wir uns Crêpes mit Karamelsauce schmecken, bevor wir gemütlich zum Quai wieder zurückwandern.

Le Paradis Rose

Auf der Nordinsel

Plötzlich kommt der Nebel zurück

Obwohl wir uns schon sehr viel Zeit auf unserer Wanderung gelassen haben, sind wir noch zu früh. Unser Dinghi liegt noch auf dem Trockenen. Wir tragen es fast bis zum Wasser und warten, bis es um 18.30 Uhr  wieder schwimmt.

Bald schwimmt unser Dinghi wieder

Wir sind begeistert von der Île de Bréhat mit den beiden unterschiedlichen Inseln und den schönen Wandermöglichkeiten. Das liegt sicherlich auch an dem warmen und sonnigen Wetter – der Nebel hat sich am Vormittag ganz verzogen und kommt nur zwischendurch mit ein paar Schwaden noch mal zurück 😉 .

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