Dublin

Donnerstag, den 19.07.2018 – Samstag, den 21.07.2018

Donnerstag, den 19.07.2018

Früh sind wir heute unterwegs – es wird wieder warm. Bevor wir um 11:30 Uhr unsere online Tickets beim „Book of Kells“ einlösen, laufen wir durch den nördlichen Teil von Dublin. Das alte Postgebäude, in dem 1916 die Irische Republik ausgerufen wurde und das ehemalige Custom House, das Zollhaus, sind imposante Gebäude mit wuchtigen Säulen vor dem Eingang. Faszinierend ist die Ausstattung des alten Postgebäudes – in einer großen Halle mit antiken Schaltern und antiken Briefkästen findet das normale Tagesgeschäft statt.

Post – auch hier sind viele Busse unterwegs

Schalterhalle

Antiker Schalter – hier gibt´s Briefmarken

Im Custom House ist heute das Umweltministerium untergebracht, in der Eingangshalle und einigen Räumen gibt es eine Ausstellung über den Bau des Hauses. Alles ist frei zugänglich – ziemlich nüchtern ist der Baustil nach der Renovierung, als durch die Unruhen bei der Ausrufung der Republik viel im Custom House zerstört wurde.

Custom House

Ebenso wie in Dublin sind die alten Docks, die nicht mehr gebraucht werden, zu Quartieren mit moderner Bebauung entwickelt worden – die Docklands. Ausgefallene Bauwerke sind überall zu bestaunen, viel befindet sich noch im Bau.

Pünktlich sind wir am Trinity College – die Schlange vor dem Ticketschalter ist noch länger als gestern.

Alle wollen das Book of Kells und den Long Room sehen

Am Eingang für die online Tickets stehen nur zwei Personen 🙂 . Schön – wir sind schnell in der Ausstellung, aber im Inneren ist es brechend voll 🙁 . Wir schieben uns mit den anderen Besuchern an den Plakaten vorbei, um dann einen Blick auf „The Book of Kells“ zu erwischen. Das Book of Kells enthält eine reich verzierte Abschrift des lateinischen Textes der vier Evangelien. Es wurde ca. 800 von Mönchen auf der schottischen Insel Iona gefertigt und gelang ca. 1650 nach Dublin. Eine schöne Ausstellung und faszinierend, dass ein so altes Schriftstück überlebt hat. Nur leider viel zu voll 🙁 .

Plakat in der Ausstellung – das echte Book of Kells darf nicht fotografiert werden

Nicht viel anders ist es im Long Room, einem 65 Meter langen, zweigeschossigen Raum mit ca. 200.000 alten Büchern, 38 Marmorbüsten berühmter Männer und der am längsten erhaltenen Harfe Irlands. Trotz des Gedränges ist der Long Romm absolut beeindruckend – den muss man einfach gesehen haben 🙂 .

Long Room

Treppe zur Galerie

Marmorbüste von Newton

Die älteste Harfe Irlands

Im Bewley´s Oriental Cafe´ in der Fußgängerzone erholen wir uns bei Cappuccino und Kuchen erst mal ein bisschen.

Fußgängerzone

Regenschirm Himmel – hier wird niemand nass

Bewley´s Oriental Cafe´

Bewley´s Oriental Cafe´

Dann geht´s weiter zum National Museum of Ireland, das die wichtigste historische Sammlung beherbergt. Uns interessieren vor allem die antiken Goldschmiedearbeiten 🙂 .

National Museum of Ireland

Cross of Cong – perlenbesetzt und mit Email verziert

Boot aus hauchdünnem Gold

Silberschale

Brosche von Tara

Vorläufer des auch heute von einigen jungen Leuten gerne genommenen Ohrschmucks

Ohr- und Halsschmuck

Im St. Stephen´s Green, der grünen Lunge Dublins, ist jede Menge los – es ist wohl gerade Mittagspause, denn auf alle Grünflächen liegen die Menschen und genießen das schöne Wetter.

St. Stephen´s Green

Auf dem Weg zur St. Patrick´s Cathedral laufen wir über die Harcourt Street mit den prächtigen Häusern aus der georgianischen Zeit und deren typisch geschwungenen Türeingängen. Farbige Türen und viele prächtige Blumen, wie überall in Dublin, bestimmen das Bild.

Reichlich geschafft setzen wir uns in der St. Patricks Cathedral in die Bänke und hören dem Kirchenchor bei der Probe zu 🙂 . Natürlich besichtigen wir auch die Cathedral und sind einmal mehr fasziniert von der Baukunst der alten Baumeister.

St. Patrick´s Cathedral

 

Freitag, den 20.07.2018

So schön, wie das Wetter gestern war, so schlecht ist es für heute vorhergesagt. Der Tag beginnt mit Regen – es schüttet. Wir bleiben erst mal auf unserer Ruby Tuesday und beschäftigen uns mit Kleinkram.

Gegen Mittag hört es auf zu regnen, sogar die Sonne kämpft sich ein bisschen durch die Wolken 🙂 . Da gibt´s kein Halten mehr – zumindest für mich nicht. Ich mache mich heute mal alleine auf den Weg zum City Center – es gibt da doch noch ein oder zwei Museen, die ich mir gerne ansehen möchte.

Heute laufe ich den Weg zur Stadt – da eröffnen sich noch mal ganz andere Perspektiven, als vom Bus aus. Faszinierend sind immer wieder die Docklands 🙂 . Durch das Einkaufsviertel laufe ich zur Ausstellung Dublinia – ein historischer Abriss über die Entstehung Dublins. Der Schwerpunkt liegt auf der Zeit der Wikinger und der Geschichte Dublins im Mittelalter. Sehr anschaulich gemacht – und nicht voll 😉 .

Im großen Bogen laufe ich noch mal zum alten Postgebäude – auch da gibt´s eine Ausstellung über Irlands Erklärung zur Republik. Aber eigentlich bin ich zu geschafft, um noch mal Stunden durch´s Museum zu laufen. Stattdessen setzte ich mich in einen Pub und erhole mich zwischen Einheimischen und Touristen – bei einem Mineralwasser 😉 .

Magilan´s Pub

Magilan´s Pub

Auch für den Rückweg nehme ich nicht den Bus, sondern laufe am Liffey entlang, durch die Docklands bis zur Poolbeg Marina.

Samuel Becket Bridge

Docklands

Fotos gibt´s heute nur ein paar vom Smartphone – wegen des unbeständigen Wetters habe ich keinen Fotoapparat mitgenommen 🙁 .

Samstag, den 21.07.2018

Ein bisschen Zeit haben wir noch, bis wir nach Arklow aufbrechen wollen – die Gelegenheit für einen Ausflug in die Wicklow Mountains. Die erstrecken sich südlich von Dublin, sind teilweise Nationalpark und werden auch als „Garten Dublins“ bezeichnet. Naherholungsgebiet, Wandergebiet und auch historische Stätte – alles zusammen gibt´s in Glendalough.

Nur, wie kommt man dahin, wenn man nicht gerade einen Leihwagen zur Verfügung hat. So ganz in der Nachbarschaft von Dublin sind die Wicklow Mountains nun auch wieder nicht. 50 km muss man schon irgendwie zurücklegen. In der Tourismus-Info werden Tagesausflüge mit dem Reisebus angeboten – komplett durchstrukturiert mit Fotostopp an besonders sehenswerten Stellen. Bestimmt keine schlechte Alternative, sieht man da auf jeden Fall viel von den Wicklow Mountains und den kleinen Dörfern. Mir fehlt da Zeit, um auch ein bisschen durch die schönen Berge zu wandern. Mit Bus und Bahn kommt man nicht dorthin, wo man wandern könnte – also Fehlanzeige.

Wie immer – Mr. Google weiß alles.  Nach ein bisschen Recherche im Internet habe ich den „St. Kevin´s Bus“ nach Glendalough gefunden. Kein ÖPNV, sondern eine privat betriebene Buslinie, die morgens um 11:30 Uhr von Dublin nach Glendalough fährt und nachmittags um 17:30 Uhr wieder zurück nach Dublin. Viereinhalb Stunden Aufenthalt vor Ort zur freien Verfügung – das passt gut 🙂 . Mr. Google weiß natürlich auch, dass es in Glendalough 9 verschiedene Wanderungen gibt – für jeden Geschmack ist etwas dabei 🙂 . Die Wanderkarte hat Mr. Google auch zum download – da kann ja nichts mehr schiefgehen 😉 .

Früh mache ich mich auf den Weg nach Dublin – Peter bleibt auch heute lieber an Bord. Früh deshalb, weil es mir die bunten Türen an Dublin´s Häusern so angetan haben. Einige der schönen, farbenfrohen Türen haben wir ja schon gesehn :- ) . Die Häuser in Dublin sind sehr ähnlich, fast gleich im Baustil und erhalten nur durch die ausgefallenen, bunten Türen mit georgianischen Bögen und Säulen ein bisschen Individualität.

Eine eigentlich triste Häuserzeile am Merrion Square, die durch die farbigen Haustüren sehr gewinnt

 

Auf dem Weg zur Bushaltestelle am St. Stephen´s Green gibt´s am Merrion Square ein ganzes Viertel mit hohen Häusern und den schönen, farbenfrohen Haustüren. In einem dieser Häuser lebte Oskar Wilde, jetzt fläzt er sich auf einem Felsen im Madison Park gegenüber seines Hauses 😉 .

Haus von Oskar Wilde

 

Jetzt entspannt er sich hier

Die Haustüren sind ebenso wie die Häuser in ganz unterschiedlichem Zustand. Einige besonders schöne Exemplare mit Blumen vor der Haustüre gibt´s natürlich auch. Streift man durch Dublin, stellt man schnell fest, dass es diese bunten Haustüren nicht nur hier gibt, sondern in ganz Dublin 🙂 .

Der „St. Kevin´s Bus“ ist pünktlich und gut nachgefragt. Das Wetter ist heute auch wesentlich besser, als gestern – trocken, teils bedeckt, teils aufgelockert und warm. Da hab nicht nur ich die Idee, einen Ausflug in die Berge zu machen 😉 . Die eineinhalb stündige Fahrt vergeht schnell, die Landschaft ist schon vom Bus aus sehenswert. Nördlich von Dublin war die Küste flach, südlich von Dublin erstrecken sich die Wicklow Mountains bis an die Küste – keine schroffe Steilküste, sondern sanft geschwungene Berge mit grünen Wiesen, gelben Feldern und Wäldern 🙂 . Ich freue mich richtig auf die Wanderung 🙂 .

Die Ernüchterung kommt in Glendalough – hier tobt der Bär 🙁 . Hier kann man nicht nur wandern, sondern hier ist eben auch Naherholungsgebiet an zwei Seen mit viel Grünfläche drumherum. In Dublin sind uns schon die vielen Jugendgruppen aufgefallen – hier sind sie auch wieder, vermutlich Sprachschüler, hauptsächlich aus Frankreich und Italien. Gut zu erkennen sind sie an den gleichen Rucksäcken oder an gleichen T-Shirts.

Viel Betrieb in Glendalough

Dachte ich bisher, dass unsere türkischen Mitbürger im Sommer gerne auf den öffentlichen Grünflächen grillen und feiern, weiß ich jetzt, dass auch Asiaten richtige Gelage abhalten können – mit Getto-Blaster, Grill und unzähligen Kühlboxen und Plastiktüten 😉 .

Ich mache mich mit unzähligen anderen Wanderern auf den Weg, immer noch in der Hoffnung, dass sich die Menge verläuft, je weiter wir uns vom Visitor-Center und Parkplatz entfernen – wieder eine Fehlanzeige 🙁 . Einige Besucher schwenken nach rechts in die Monastic City – hier hat der heilige St. Kevin um 618 gelebt und im Laufe der folgenden Jahre ist hier eine richtige Klosterstadt entstanden.

Monastic City – aus der Entfernung

Einige gut erhalten Ruinen kann man hier besichtigen – ich möchte mich lieber erst bewegen und zum Schluss, wenn noch Zeit bis zur Abfahrt des Busses ist, dann auch die Monastic City besuchen.

Es ist viel los auf dem Wanderweg, der hier zum Schutz des Bodens fast ausschließlich über Eisenbahnbohlen führt.

Wanderweg aus Eisenbahnbohlen

Zwei Bohlen nebeneinander – das ist nicht gerade viel Platz, wenn Wanderer entgegen kommen. Mit ein bisschen Rücksichtsnahme sollte es ja eigentlich klappen, dass man aneinander vorbei gehen kann. Ich bin eher unangenehm überrascht, wie vielen Menschen – egal, ob jung oder alt, dieses bisschen Rücksichtsnahme komplett abgeht. Die meisten Wanderer weichen weder aus, noch bedanken sie sich für´s Platz machen oder grüßen auch nur. Besonders tun sich da die italienischen Jugendgruppen hervor – frei nach dem Motto: „Platz da jetzt komm ich“  🙁 .

Von dem Betrieb auf den Wanderwegen abgesehen, ist es eine schöne Wanderung mit tollen Ausblicken in die Wicklow Mountains.

Wicklow Mountains

Blick auf Glendalough

Wicklow Mountains

 

Wanderweg zur alten Mine

Gerne wäre ich noch länger gewandert, aber der Bus wartet nicht, er fährt auch ohne mich 😉 . Ein bisschen Zeit ist noch für die Monastic City über – ich schlendere über den uralten Friedhof mit seinen teilweise windschiefen Kreuzen und versuche die Inschriften zu entziffern, bestaune den gut erhaltenen Rundturm, in dem sich die Mönche bei Belagerungen flüchten konnten – die Eingangstreppe befand sich in der zweiten Etage und konnte bei Gefahr hochgezogen werden – ganz schön clever – und versuche, das eine oder andere Foto ohne Menschenmengen zu machen 😉 .

Rundturm

St. Kevin´s Kreuz

Ein bisschen chaotisch wird es noch mal, als es an die Rückfahrt geht – so viele Menschen warten auf den Bus, dass das niemals mit einem oder zwei Bussen reichen wird. Als der erste Bus kommt, entsteht ein Gedränge, als wenn es etwas umsonst gibt – da bleibt die britische Höflichkeit und das geübte Schlange stehen vollkommen auf der Strecke – aber wir sind ja hier auch in Irland und nicht in England, da gelten die britischen Umgangsformen wohl nicht mehr 😉 . Es kommen insgesamt vier Busse und jeder findet einen Platz für die Rückfahrt nach Dublin 🙂 .

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