Samstag, 20.04.2013 – Dienstag, 30.04.2013
169,2 sm, Wind überwiegend aus W oder SW, 3 – 7 Bft, gesamt: 442,7 sm
Wir verbringen richtig schöne Tage im Limfjord. Hier hat die Saison noch nicht begonnen. Alles ist ruhig und friedlich, andere Segler sind noch nicht unterwegs.
Die Häfen sind leer, Hafengebühren müssen wir nicht zahlen, da wir keine Hafenmeister antreffen. Bezahlautomaten gibt es hier nicht. Leider sind auch die sanitären Anlagen meistens geschlossen. Aber es gibt Strom und Wasser an den Stegen.
Das Wetter ist gut, der Wind weht meistens moderat aus SE oder SW, ideal für uns, um von Süd nach Nord, wieder von Nord nach Süd oder eben auch von West nach Ost zu kommen.
Wir haben viel Zeit hier im Limfjord, da die Eisenbahnbrücke bei Aalborg wegen eines Schadens noch bis zum 28.04.2013 gesperrt sein soll. Erst später hören wir von Lyngby Radio, dass die Brücke wieder zweitweise öffnet. Das ändert aber nichts an unseren Plänen, ausgiebig im Limfjord zu segeln.
Nach drei sehr stürmischen, aber trotzdem schönen und entspannenden Tagen in Thyboron ist endlich wieder Segelwetter. Die Sonne scheint von einem strahlend blauen Himmel und der Wind bläst moderat aus NNW mit 4 – 5 Bft.
Wir haben die Tage in Thyboron mit Werkeln am Schiff, lesen, spazieren gehen und netten Stunden mit Celine und Jan von der SY Ten point Ten verbracht.
Thyboron ist als Städtchen nicht wirklich schön. Vielleicht liegt es auch noch an dem kalten Wetter, dass dort so wenig los ist. Man sieht kaum Leute in den Straßen oder an dem wunderschönen Sandstrand. Kommt bestimmt alles noch!
Wir liegen dort auf jeden Fall gut und sicher bei diesem Sturm. Wir haben Strom und Wasser, nur leider keine Duschen. Tja, man kann im Leben eben nicht alles haben.
Für die nächsten Tage ist schöner Segelwind angesagt, den wir gerne nutzen. Zunächst unter Motor, da noch drei Knoten Strom gegenan stehen, später nur unter Genua segeln wir Richtung Südost. Wir wollen heute nicht weit, es ist trotz der Sonne immer noch ganz schön kalt. Die 13 sm nach Lemvig reichen uns.
Der Hafen von Lemvig ist nur durch Fahrwasser zu erreichen, die allerdings nicht wirklich gut betonnt sind. Es sind kaum sichtbare Tönnchen, manchmal nur kleine Spieren, die kaum aus dem Wasser gucken. Mit 7,2 kn rauschen wir dahin und finden dann in dem leeren Hafen an der Gästebrücke einen schönen Liegeplatz, mit Strom und Wasser und Duschen, juchu!!
Nach einem gemeinsamen Rundgang mit Peter bin ich heute zum ersten mal nach ziemlich langer Zeit wieder gelaufen. Tja, an meiner Kondition muss ich aber dann doch noch kräftig arbeiten. Wie schnell das geht, wenn man nicht regelmäßig läuft.
- Lemvig
- Lemvig
Von Lemvig segeln wir durch den Oddesund vorbei an der Insel Veno, die ich gerne besuchen möchte. Der Hafen scheint aber doch recht klein zu sein. So segeln wir weiter nach Struer, um dort das Heimatmuseum mit der Bang & Olufsen Ausstellung zu besuchen. Sehr lohnenswert!
Da der Hafen von Struer nicht sehr gemütlich ist, segeln wir doch zurück nach Veno und laufen in den winzigen Hafen ein. Hier liegen wir gut, aber auf geringer Wassertiefe.
Die Insel ist Natur pur. Hier leben nur ca. 200 Menschen. Es gibt einige Ferienhäuser und einen Campingplatz. Außerdem gibt es eine sehr kleine Kirche mit nur 23 Sitzplätzen, die für Hochzeiten besonders beliebt ist. Sonst nur Wiesen, Wälder, Felder und am nördlichen Ende eine schöne Lagune. Ein sehr idyllisches Fleckchen Erde.
Beim Joggen sehe ich am frühen Morgen Rinder, Fasane und viele Rehe. Auch die ersten Osterglocken, Schneeglöckchen und Krokusse finde ich am Wegrand. Balsam für die Augen, ist hier doch noch nicht ein Hauch von Grün an Hecken oder Bäumen zu entdecken.
Nach einer aufregenden Ausfahrt aus dem Hafen mit einigen Grundberührungen – der Wasserstand ist noch gesunken – segeln wir nur unter Genua durch schmale Fahrwasser nach Thisted, ganz im Norden des Limfjordes. Der Frühling scheint näher zu kommen, können wir heute doch in Jeans und ohne Ölzeug segeln!
Der Wind nimmt zu, das Segeln ist einfach traumhaft schön. Bei inzwischen 7 Bft machen wir dann aber doch gerne in Thisted im Hafen fest und bleiben dort auch einen Tag, weil der Wind einfach mal wieder nicht weniger wird.
- Fußgängerzone in Thisted
- Am Hafen von Thisted
Bei SW – Wind segeln wir weiter Richtung Osten und fegen raumschots durch den Feggesund. Ein sehr schmales Fahrwasser, rechts und links flach, aber in bezaubernder Natur. Die Klippen vom Feggeklit kann man fast berühren. Im Sund pendelt eine Fähre von Ufer zu Ufer.
- Feggeklit
- Fähre im Feggesund
Weiter geht es dann hoch am Wind bei 5 – 6 Bft Richtung Fursund. Aus reinem Spaß am Segeln fahren wir Umwege und runden die Insel Fur südlich. Auch hier gibt es wieder tolle Klippen zu bestaunen. Die Klippen bestehen aus Molererde, die es nur hier im Limfjord gibt. Molererde besteht aus versteinerten Pflanzen und Tieren, hauptsächlich Insekten, deren Panzer mit weißem Ton zusammengebacken sind. Die helle Erde ist mit dunklen Streifen durchzogen, die von Vulkanausbrüchen stammen.
Beschaulich ist es hier. Viele Wiesen und Felder, oft Wälder, aber wenig Bebauung an den Ufern. Richtig schön.
Bei Regen und inzwischen 6 Bft machen wir in Hvalpsund, einem kleinen Ort im Hvalpsund fest. Gemütlich ist es an Bord, wenn es draußen pfeift und schüttet!
Weiter geht es nach Süden nach Skive. Hier ist das Schönste am Törn das Segeln durch wunderschöne Landschaft im Hvalpsund- und Skivefjord. Die Ufer sind steil und bewaldet, manchmal Klippen oder Abbrüche und Wiesen. Nur ganz wenig Bebauung, ab und zu mal ein einzelner Bauernhof oder ein Haus. Wir segeln hoch am Wind mit 7 kn und das ohne Welle. Segelspaß pur.
- Im Limfjord
- Hafen von Skive
Und dann geht es zurück Richtung Norden zur schönsten Insel des Limfjordes – Livo! Wieder segeln wir hoch am Wind, der Wind hat auf NW gedreht. Bei 3 – 4 Bft zischen wir mit 7 – 8 kn und mehr durchs Wasser. Toll! Und dann erst die Insel. Da hat der Törnführer nicht zu viel versprochen. Ein winziger Hafen, fast nicht mehr als ein Schleusenbecken, aber tief genug. Wir finden längsseits an einer dänischen Bavaria 42 einen Platz.
- Insel Livo
- Hafen auf Livo
Ruhig ist es hier, kein Verkehr, kein Geschrei – Natur pur. Wir machen eine ausgiebige Wanderung rund um die Insel und sehen Kühe mit Kälbern, Rehe, zwei junge Füchse, Fasane und immer wieder Wald, Felder und Meer. Es ist schon fast unwirklich, so schön ist es hier.
Unser nächstes Ziel ist Logstor, die Muschelhauptstadt des Limfjords. Muscheln und Austern gibt’s noch nicht, aber dafür einen schönen Liegeplatz im Hafenkanal mit Blick auf das alte Gebäude des Limfjordmuseums.
Das Limfjordmuseum besuchen wir und dann geht es schon weiter nach Nibe, der Limfjordmetropole. Dorthin kommt man nur durch einen ca 20 Meter breiten Kanal, der auf 2,50 Meter Tiefe ausgebaggert ist. Rechts und links ist die Wassertiefe nur 0,50 Meter. Adrenalin pur bei 6 Bft von der Seite. Und kurz vorm Hafen arbeitet auch noch der Bagger und sorgt für die richtige Wassertiefe. Ganz schön eng! Wir sind froh, als wir endlich in Nibe fest sind.
- Liegeplatz in Nibe, der Hafen mit dem flachen Fahrwasser
- Kirche in Nibe
Im Hafen von Nibe liegen wir zwei Tag fest, weil der Wind nicht nachläßt und der Wasserstand noch gesunken ist.
Nibe ist eine schöne kleine Stadt mit zum Teil ziemlich alten Häusern und schönen Gassen. Wir nutzen die Zeit, mal ein paar Aufräumarbeiten an Bord durchzuführen und Wäsche zu waschen. Leider regnet es am nächsten Morgen, so dass wir im Schiff trocknen musssten.
Am zweiten Tag in Nibe machen wir einen Busausflug nach Aalborg. Aalborg ist die viertgrößte Stadt von Dänemark und hier ist mächtig was los. Hier wird der Aalborg Akvavit produziert und viele Studenten beleben die Altstadt. Aber wir finden auch hier urige Gassen mit schönen Häusern.
- Aalborg Akvavit
- Aalborg
Die Eisenbahnbrücke über den Limjford öffnet seit gestern auch wieder zu jeder vollen Stunde, so dass unserem Abschied aus dem Limfjord nichts mehr im Wege steht. Morgen früh wollen wir zur Insel Anholt im Kattegat aufbrechen.