La Rochelle – Saint-Jean-de-Luz

Montag, den 12.08.2019 – Dienstag, den 13.08.2019
SW-W-NW-S-N-E-S-NW 1-5 Bft – 184 sm – 35h 46 min – Ø 5,1kn – gesamt: 1.230 sm

La Rochelle – Saint-Jean-de-Luz

Wir haben uns für’s Segeln entschieden –  und sind jetzt in Saint-Jean-de-Luz an der französisch-spanischen Küste in der süd-östlichsten Ecke der Biskaya im französischen Baskenland!

Leicht gefallen ist uns die Entscheidung nicht, aber das habe ich ja gestern schon geschrieben 😉 . Wir haben bis spät in den Abend immer wieder die Wettervorhersage gecheckt und passenden Wind förmlich herbeigeredet 😉 . Die Wetterlage ist überhaupt nicht stabil, drehende Winde von schwach und nicht segelbar bis frische Brise zum flotten Vorankommen. Und die Wettervorhersage ändert sich ständig 🙁  – nicht mal für drei Tage bekommen wir eine annähernd verlässliche Vorhersage.

Die aktuelle Wettervorhersage von heute morgen 06:00 Uhr sagt uns für heute voraus: Wind aus W 4-5 Bft, später aus NW 4-5 Bft, ab Dienstag Nacht 01:00 Uhr kaum Wind aus S und Nord und ab Dienstag Morgen wenig Wind aus Ost, später dann wieder aus NW. Tolle Aussichten für unseren Kurs nach Süd 😉 . Trotzdem fahren wir los, wollen so weit wie möglich segeln, solange der Wind passend weht und später so viel Geduld wie möglich mit dem nicht vorhandenen Wind haben und trotzdem möglichst ohne viel Motoreinsatz zum Ziel zu kommen. Die Gironde-Mündung wollen wir nicht anlaufen und das Becken von Arcachon werden wir vermutlich im Dunkeln passieren, so dass wir auch hier nicht reinsegeln werden.

Um kurz nach sieben – ich muss vorher noch zum Bäcker die nötige Verpflegung kaufen und der öffnet erst um 07:00 Uhr 😉  – sind wir unterwegs. Wir haben ablaufendes Wasser im Fahrwasser von La Rochelle, nur noch gut zwei Stunden sind es bis Niedrigwasser. Die geringste Tiefe, die unser Lot anzeigt, sind 3,20 Meter – nicht viel, aber genug 😉 . Als wir im tiefen Wasser sind, setzten wir die Segel und unser langer Schlag nach Saint-Jean-de-Luz kann beginnen – zumindest das Wetter ist optimal – warm und sonnig 🙂 .

Vier Kreuzschläge brauchen wir, bis wir den Norden der Île d’Oleron an Backbord liegen lassen und auf Kurs Süd gehen können. Der Wind weht wie vorhergesagt aus West, wir trimmen die Segel und gehen zum gemütlichen Teil über – frühstücken, relaxen, lesen 🙂 . Da nur eine dänische X-Yacht mit uns in die gleiche Richtung segelt, keine anderen Segelboote weit und breit zu sehen sind und auch keine Gefahren im Wasser lauern, geht das gut. Unmerklich nehmen Wind, Dünung und Welle immer mehr zu – schnell sind wir bei 17-20kn, das sind 5 Bft. Wir rauschen nur so durch die Wellen – Fahrt durchs Wasser machen wir meistens um die 8-8,5 kn, über Grund etwas weniger, da die Strömung noch gegenan kommt. Einmal in Fahrt gekommen, läuft unsere Ruby Tuesday richtig gut. Wir haben aber auch einen guten Windwinkel – 70 Grad, manchmal 80 Grad – das passt prima. Als der Wind mehr und mehr zunimmt, setzen wir unser Großsegel nach Lee, zum Reffen ist es noch zu früh und rollen die Genua ein bisschen ein. So sausen wir durch den Tag, später dann durch die Nacht. Bis auf den Dänen sehen wir keine anderen Boote und auch den lassen wir mehr und mehr in unserem Kielwasser. Bevor es dunkel wird, nehmen wir unser Großsegel noch rein – der Wind kommt jetzt mehr raum und soll später ganz von hinten kommen, da segelt unsere Ruby Tuesday viel besser nur mit der Genua. Und die ist mit 140 Prozent nicht gerade klein 😉 .

Schlagartig um 01:00 Uhr lässt der Wind nach – wir versuchen weiter zu segeln, aber das funktioniert überhaupt nicht. Die Dünung und die Wellen sind hoch, aber ohne Wind schlagen die Segel ohne Ende. Unter Deck hört es sich an, als wenn es unsere Ruby Tuesday zerreißt. Während der Nacht dreht der Wind von NW auf S und wieder auf N, nimmt auf 1 Bft ab, dann wieder auf 2 Bft zu. Immer wenn es möglich ist, segeln wir, drei mal aber muss der Motor für ein paar Stunden helfen, trotz aller Geduld geht nichts mehr – 1 Bft von hinten reicht einfach nicht zum Segeln. Erst morgens gegen 10:00 Uhr pendelt sich der Wind auf 3 Bft aus Ost ein – Groß und Genua bringen uns eine ganze Zeit zügig weiter nach Süden.

Sonnenaufgang unterwegs

Aus heiterem Himmel werden wir über Funk von der Französischen Marine angesprochen. Es ist nirgendwo ein Schiff zu sehen, aber im Funk ist die Marine gut zu hören. Ein bisschen Herzklopfen bekommen wir, denn wir befinden uns mitten in einem riesigen Schießgebiet. Bevor wir in das Schießgebiet eingelaufen sind, hab ich versucht, bei der in unserem Törnführer angegebenen Telefonnummer zu erfragen, ob das Schießgebiet im Moment aktiv ist. Es wollte aber niemand mit mir sprechen – nur der Anrufbeantworter 😉 . Und den hab ich leider nicht verstanden 😉 . In gutem Glauben, dass uns schon niemand abschießen wird oder dass Patrouillenboote unterwegs sind und uns retten, segeln wir ab der Gironde-Mündung durch das Schießgebiet. Das reicht übrigens bis zur spanischen Grenze und ist ca. 35 sm breit – kann man also nicht so leicht umfahren. Nur direkt unter der Küste ist ein Korridor von ca. 1 sm, in dem man segeln kann, wenn im Schießgebiet tatsächlich geschossen wird. Wir fühlen uns von der französischen Marine irgendwie erwischt 😉 . Die haben aber nur ein paar Fragen an uns und wollen wissen, woher wir kommen, wohin wir wollen, welche Nationalität wir haben, wie viel Personen an Bord sind und wann wir vermutlich in Saint-Jean-de-Luz ankommen. Zum Schluss fragen sie noch, ob bei uns an Bord alles o.k. ist und wünschen uns einen schönen Trip – wieder mal super freundlich, die Franzosen und in einem sehr gut verständlichen Englisch lief der Funkverkehr ab 🙂 .

Wieder dreht der Wind, diesmal auf N, dann auf NW und ist mit 2 Bft auch nicht zu stark 😉 . Am Horizont im Dunst können wir Berge sehen – richtige Berge 🙂 . Die französische Küste ist von der Gironde-Mündung bis zum ersten Hafen im französischen Baskenland – Capbreton – bewaldet, flach und besteht fast nur aus Sandstränden – ziemlich eintönig. Die einzige Abwechslung ist das Becken von Arcachon mit der riesigen Sanddüne – die wir aber nicht sehen, da es dunkel ist, als wir dort vorbeikommen. Ab Capbreton wird die Küste bergiger – im Hinterland beginnen die französischen Pyrenäen. Der elitäre Badeort Biarritz zeichnet sich mit den weißen Hotelhochhäusern gut sichtbar am Horizont ab.

Biarritz

Auch die spanische Küste ist bergig – wir freuen uns auf die im Vergleich zur Bretagne jetzt wieder schroffere Landschaft 🙂 .

Socoa-Fort-Ruine mit Wellenbrechern, die die Bucht von Saint-Jean-de-Luz schützen

Küste vor Saint-Jean-de-Luz

Nach fast 36 Stunden lassen wir unseren Anker vor dem Badestrand von Saint-Jean-de-Luz fallen. Die Bucht ist durch einen künstlichen Wellenbrecher ganz gut gegen Schwell geschützt. Direkt westlich des Wellenbrechers unterhalb der Socoa-Fort-Ruine liegt der kleine trockenfallende Hafen Socoa und auch die dort ausliegenden Moorings sind für uns zu flach.

In der Bucht ist Badebetrieb angesagt – ein riesiger abgesperrter Badestrand mit Bewachung, Sprungtürmen und ganz vielen Sommergästen 🙂 . Saint-Jean-de-Luz ist nicht nur ein ursprünglicher, kleiner Fischerhafen im französichen Baskenland, sondern auch ein quirliger Badeort. Die Bebauung entlang der Badebucht unterscheidet sich sehr von den bretonischen Häusern und ebenso von den weißen Häusern mit der tollen Blumenpracht, die wir südlich der Bretagne gesehen haben. Im östlichen Teil der Badebucht stehen ähnlich wie in Biarritz weiße mehretagige Hotels, im westlichen Teil die typischen baskischen Fachwerkhäuser. Und im Hintergrund kann man die Pyrenäen sehen 🙂 . Ganz anders ist es hier – aber sehr schön!

Hafenansteuerung – aber da wollen wir erst Morgen rein

Sonnenuntergang mit Vollmond in der Bucht vor Saint-Jean-de-Luz

Socoa-Fort im Sonnenuntergang

Wir lassen den Abend gemütlich in der Bucht ausklingen und verlegen uns am Mittwoch Morgen in die kleine Marina von Saint-Jean-de-Luz, nicht ohne vorher beim Hafenmeister nach einem freien Liegeplatz zu fragen. Die kleine Marina hat nur 8 Gästeplätze und viel Raum zum Manövrieren ist dort nicht. Eigentlich dürften wir hier nur zwei Nächte bleiben – weiß der Teufel, warum – aber irgendwie gelingt es mir, dem Hafenmeister drei Übernachtungen abzuschwatzen 😉 . Das reicht, um heute Mittag mit dem Zug nach La Rochelle zu fahren und von dort über Land mit unserem Auto hierher zurück 🙂 .

Auf dem Weg in die Marina

Unser Liegeplatz für die nächsten drei Nächte

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Île de Ré – La Rochelle

Freitag, den 10.08.2019
W 4-5 Bft – 14 sm – 2h 18 min – Ø 5,1kn – gesamt: 1.046 sm

Île de Ré – La Rochelle

Zwei Stunden vor Hochwasser öffnen das Schleusentor und die Brücke und die Päckchen im Schleusenhafen können sich auflösen. Zuvor verlassen aber erst mal die einheimischen Segler den Hafen – es ist wohl eine Regatta angesagt. Da lassen wir denen natürlich gerne den Vortritt. Unsere zwei Nachbarboote machen sich fertig und auch wir sind bereit 😉 . Es ist einfach ziemlich eng hier und mit 11kn im Hafen auch etwas windig. Wir liegen mit unserm Päckchen direkt gegenüber der Schleusenausfahrt.

Schleuse kurz vor der Öffnung

In der Ausfahrt liegen eine dicke Motoryacht und ein nicht gerade kleines Segelboot. Da muss das Ablegemanöver schon passen, sonst liegt man schneller als man möchte bei der Motoryacht längsseits 😉 . Die Hafenmeister sind sehr hilfsbereit, sie schubsen die Boote mit ihrem fenderbestückten Plastikboot gerne in die richtige Richtung – das machen sie auch mit unserem Nachbarn – wir haben alle Mühe, das Heck des französischen Bootes von unserem Rumpf freizuhalten 🙁 . Wir sind dann als nächstes an der Reihe – Eindampfen in die Spring, der Bug schwingt Richtung Schleusentor und dann will der Hafenmeister uns mit seinem Boot auch anschubsen. Vollkommen unnötig und ich bitte ziemlich nachdrücklich darum, dass er das doch ruhig lassen möge. Er hört auf mich, entschuldigt sich und schon sind wir durch die Schleuse durch. Von der Crew der großen Motoryacht, die den Weg durch die Schleuse so beengt, werden wir mit „Goodbye, Ruby Tuesday“ verabschiedet 🙂 . Scheinbar haben wir das Ablegemanöver ganz entspannt hinbekommen – zum Glück kann niemand meinen Puls fühlen 😉 .

Im Vorhafen steht noch viel Schwell, die Boote am Warteponton werden ganz schön durchgeschüttelt und immer wieder an den Ponton gedrückt. Schnell sind wir in tiefem Wasser, setzten unsere Genua und nehmen Kurs auf La Rochelle. Es ist fast Hochwasser, so können wir ein bisschen den Kurs schnibbeln und über Stellen segeln, die normalerweise für uns zu flach wären 😉 . Schnell sind wir an der Brücke, die La Rochelle und die Île de Ré miteinander verbindet.

Brücke von La Rochelle zur Île de Ré

Immer wieder spannend sind die Brückendurchfahrten – auch wenn die Brückenhöhe mit 30 Metern angegeben ist und wir mit unserer Masthöhe von knapp 19 Metern da locker durch passen, halten wir bei der Durchfahrt den Atem.

Passt 🙂

La Rochelle kann man nicht zu jeder Zeit anlaufen. Bei Niedrigwasser stehen nur 50cm Wasser im Fahrwasser – für so einen großen Hafen eigentlich ungewöhnlich. Aber da es nur ein Sportboothafen und kein Industriehafen ist, gibt es wohl keine Notwendigkeit, das Fahrwasser auszubaggern. Wir laufen zu Hochwasser in La Rochelle ein, passieren die riesige Marina Minimes und versuchen unser Glück im Vieux Port.

Marina Minimes

Marina Minimes

Die Ansteuerung ist schon ein Genuss – ein sehr schmales Fahrwasser, gut betonnt und immer mit dem Blick auf die drei markanten Türme von La Rochelle 🙂 .

Die drei Türme von La Rochelle

Tour de la Chaine und Tour St. Nicolas

Erst als wir den Tour de la Chaine und den Tour St. Nicolas passiert haben, können wir einen Blick in den Hafen werfen. Alle Plätze am Besucherponton sind belegt, aber wir können an einer 36ft großen englischen Rustler längsseits festmachen. Etwas später verlegen wir uns direkt an den Steg – das Motorboot, das dort gelegen hatte, macht den Platz frei für uns 🙂 .

Beim Hafenmeister melden wir uns im Bureau de Port an – wir dürfen liegen bleiben. Selten haben wir einen so freundlichen Hafenmeister getroffen, der neben fließend englisch auch noch fließend deutsch spricht und versteht. Wir bezahlen für zwei Nächte, dürfen aber drei Nächte bleiben. Die beiden anderen Nächte können wir auch im Port Minimes liegen – es ist alles eine Hafengesellschaft.

Vieux Port mit dem Uhrenturm

In La Rochelle waren wir ja schon, als wir unser Auto hierher gebracht haben
(29.07. und 30.07.2019). Dennoch bummeln wir wieder mit viel Freude durch diese schöne Stadt – nur lassen wir diesmal den Fotoapparat an Bord 😉 .

Immer wieder gerne – Cidre

Unserem Auto geht’s auch gut – das steht immer noch vor dem Hotel, in dem wir übernachtet haben.

Abends erleben wir die Altstadt von La Rochelle in voller Beleuchtung. Es ist viel los und je später es wird, um so mehr Musik von Alleinunterhaltern und Straßenkünstlern ist zu hören. Von allen Seiten werden wir beschallt 😉 . Als es uns zu viel wird, verziehen wir uns unter Deck in unsere Kojen – Ruhe 🙂 .

Wir warten jetzt auf ein passendes Wetterfenster, um die ca. 180 sm nach St. Jean de Luz an der französisch-spanischen Küste zu segeln. Wie immer, gibt es mehrere Optionen – nur einen wirklich guten Hafen auf halber Strecke, um dort einen Zwischenstopp einzulegen, gibt es nicht 🙁 . Das Becken von Arcachon wollen wir nicht unbedingt anlaufen, wenn es auch anders geht. Bestimmt ist es dort sehr schön, aber auch sehr flach 🙁 . Die Einfahrt gilt als gefährlich, wenn nicht alle Bedingungen optimal sind. Selbst bei einem Schwell von nur 1 Meter – und das ist nicht viel – sollte man besser nicht einlaufen. Kommen wir bei wenig Wind dort an, können wir sicherlich gefahrlos in die Lagune fahren. Wenn wir aber bei genügend Wind zum Weitersegeln die Lagune wieder verlassen wollen, sind die Bedingungen unter Umständen nicht optimal oder eben gefährlich. Und in die Lagune sollte man nur kurz vor Hochwasser mit auflaufendem Wasser einfahren – bei ca. 90 sm Strecke muss man das erst mal genau abpassen 😉 . Es geht bestimmt alles – nur wirklich gut ist es nicht. Eine andere Option wäre, erst mal nur bis in die Gironde-Mündung nach Royan oder Port Médoc zu segeln – das sind immerhin schon 50 sm, da zu ankern und warten, wie sich das Wetter weiter entwickelt. Von dort sind es dann nur noch knapp 140 sm nach St. Jean de Luz.

Nur leider sehen die Windvorhersagen nicht wirklich gut aus – entweder nur einen Tag passender Wind und dann Flaute oder Wind von Süd oder Ende nächster Woche vielleicht viel zu viel Wind 🙁 . Brauchen wir alles nicht – deshalb überlegen wir hin und her, wie es jetzt weiter gehen könnte. Vielleicht ist es wieder mal Zeit, für einen Landausflug mit unserem Auto – Bordeaux steht auf unserem Plan, die Düne Pilat, Europas größte Düne an der Einfahrt zum Becken von Arcachon und auf diesem Weg können wir unser Auto ja auch gleich nach St. Jean de Luz bringen 😉 . Mal schauen, uns wird schon noch was passendes einfallen. Erst mal verlegen wir uns jetzt in die Marina Minimes, um dort Diesel und Wasser zu tanken und alle Facilities einer großen Marina zu nutzen – auch die Wäsche muss dringend mal wieder gewaschen werden 😉 .

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Île d’Yeu – Île de Ré

Mittwoch, den 07.08.2019
NW – SW 2-3 Bft – 51 sm – 11h 43 min – Ø 4,4kn – gesamt: 1.032 sm

Île d’Yeu – Île de Ré

Der Motor brummt und brummt und brummt … so vor sich hin 🙁 .

Eigentlich ist segelbarer Wind vorhergesagt, der offensichtlich erst mal noch auf sich warten lässt. Wir starten, sobald es hell ist, um genügend Zeit für die 50 Seemeilen zur Île de Ré zu haben – auf die Tide nehmen wir heute mal keine Rücksicht. Bei mindestens 10 Stunden Fahrt kommt die Strömung auf jeden Fall irgendwann entgegen 😉 .

Leuchtturm Phare de Corbeaux auf der Île d’Yeu

Das Wetter ist wieder schön, sonnig, blauer Himmel – man gewöhnt sich schnell daran, morgens aufzustehen und im Sonnenschein zu frühstücken. Nur fehlt heute eben noch der versprochene Wind. Erst nach dem wir schon 30 Seemeilen zurückgelegt haben, dreht der wenige Wind von hinten auf etwas vorlicher und wird auch etwas mehr. Wir setzen die Segel und dümpeln mit 2,5 – 3,5kn gegen die Strömung Richtung Südosten. Egal, alles ist besser, als das ewige Gebrumme des Motors 😉 . Und der Wind ist stark genug, dass die Segel nicht schlagen. Es dauert dann auch nicht mehr lange, bis der Wind auf 3 Bft zunimmt und auf Südwest dreht. So macht das Segeln dann auch wieder Spaß und wir genießen die letzten 20 Seemeilen unter Segeln 🙂 . Anspruchsvoll ist die Navigation hier nicht – das Wasser ist überall tief genug, keine Hindernisse sind im Weg. Erst als wir uns der Île de Ré nähern, wird’s wieder flach und felsig.

Wir erreichen Saint-Martin-de-Île-de-Ré zwei Stunden nach Niedrigwasser. Um die Île de Ré fallen weite Flächen trocken, auch die Zufahrten zu den drei Häfen der Insel. Der Hafen Ars-en-Ré kommt für uns gar nicht in Frage, da die mit knapp 4 Seemeilen ziemlich lange Zufahrt bis zu 3,50 Meter trocken fällt und wir bei Nippzeit, die wir jetzt haben, nur 5,60 Meter Hochwasser haben – das macht gerade mal eine Wassertiefe von 2,10 Metern. Reicht nicht für unseren Tiefgang von 1,90 Meter 😉 .

Stadthafen in Ars-en-Ré

Fahrwasser zum Hafen – hier bei Hochwasser

Wir haben schon öfter festgestellt, dass wir für die Bretagne und jetzt auch die Südwestküste das falsche Boot haben – etwas weniger Tiefgang, oder vielleicht ein Boot zum Trockenfallen, wären hier schon vorteilhaft 😉 . In La Flotte gibt’s auch einen Hafen, der fällt allerdings zu großen Teilen trocken. Es könnte sein, dass es dort einige Liegeplätze gibt, die tief genug ausgebaggert sind – aber was tun, wenn die gerade besetzt sind? Auf so ein Abenteuer lassen wir uns dann doch lieber nicht ein 😉 .

Stadthafen in La Flotte

Vorhafen vom Stadthafen in La Flotte

Etwas besser sieht es in Saint-Martin-en-Ré, dem größten Hafen, aus. Hier ist die Zufahrt ziemlich kurz und fällt auch nur 1,30 Meter trocken. Also, kurz vor Hochwasser sollten wir problemlos in den Hafen fahren können – das dauert aber noch so ungefähr drei Stunden.

Wir lassen erst mal den Anker in der Nähe der Hafeneinfahrt fallen und beobachten das Treiben. Wenig Segler kommen abends noch aus dem Hafen raus, aber mindestens 10 oder auch 15 Segelboote nehmen Kurs auf die Hafeneinfahrt, als das Wasser wieder hoch genug ist. Mal schauen, was Morgen hier so passiert – vielleicht machen ja doch noch ein paar Boote Platz. Wir bleiben für die Nacht erst mal hier vor Anker liegen.

Eigentlich sind wir schon so weit, dass wir von unserem Ankerplatz mal mit dem Dinghi in den Hafen fahren wollen, um uns die Situation dort anzusehen. Das Hafenbecken wird mit einem Schleusentor verschlossen, damit die Schiffe auch bei Niedrigwasser schwimmen 😉 . Unklar ist, ob wir mit unserem Dinghi auch vor dem Schleusentor festmachen können – Wasser ist ja da und für’s Dinghi auch tief genug. Dann entscheiden wir uns doch anders – der Wetterbericht sagt für die Nacht von Freitag auf Samstag viel Wind und Wellen auch hier in der geschützten Lage hinter der Île de Ré voraus. Bei den Bedingungen zu ankern haben wir nicht wirklich Lust, schon gar nicht, wenn’s auch anders geht 😉 . Bevor wir möglicherweise Freitag keinen Platz in dem Schleusenhafen von Saint-Martin-en-Ré bekommen, weil bei den ungemütlichen Bedingungen alle im Hafen bleiben, fahren wir heute mit unserer Ruby Tuesday in den Hafen. Ein echtes Abenteuer!

Direkt hinter der Zufahrt zum Hafen, schon im geschützten Bereich der Hafenmauern, gibt es einen Warteponton für Segelboote. Das Fahrwasser ist hier auf 2 Meter ausgebaggert. Links vom Warteponton wird’s dann aber ganz schnell ganz flach 😉 . Der Warteponton für die Segelboote ist voll von kleinen Motorbooten belegt – es bleibt uns nichts anderes übrig, als weiter in den Vorhafen zu fahren, und dort zu warten, bis wir in den Schleusenhafen einlaufen dürfen.

Warteponton für Segelboote

Einfahrt in den Vorhafen

Saint-Martin-en-Ré

Die Fähre kommt und am Warteponton wird’s immer voller

Dort machen wir erst mal längsseits an einem Segler fest, der auch schon an einem Ausflugsdampfer liegt. Jedes mal, wenn der Hafenmeister von Segelbooten angesprochen wird, die einlaufen wollen, vertröstet er die, dass es in 10 Minuten losgehe. Das werden ganz schön lange 10 Minuten 😉 . Bevor es losgeht, müssen sich die Päckchen im Hafenbecken erst auflösen und neu sortieren – das dauert! Gut, dass wir an dem Segler längsseits liegen und nicht wie einige andere Segler, rumdümpeln. Aus dem Schleusenhafen kommen Segelboote raus, die nur Platz machen müssen, und dann auch wieder reinfahren wollen. Es ist auf jeden Fall ziemlich eng, aber alles geht entspannt ab, da kaum Wind ist.

Rechts geht’s in den Schleusenhafen – da kommt gerade ein Segelboot rückwärts raus

Als alle Boote, die raus wollen, auch tatsächlich ausgelaufen sind, dürfen die Neuen in das Hafenbecken reinfahren.

Zufahrt zum Schleusenhafen

Wir sind das dritte Boot, das einläuft und liegen dann gleich mal als viertes Boot in einem Päckchen, das sich gerade bildet 😉 . Eine Nauticat 42 liegt schon am Steg, dann kommen wir drei neuen. Wir haben Wind und Strömung von hinten – unser ganzes Päckchen wird auf das vor uns liegende Päckchen getrieben. Ich lasse vorsichtshalber mal den Rückwärtsgang drin, bis alle richtig fest sind. Keiner kommt auf die Idee, eine Landleine zu legen, der Franzose, an dem wir fest sind, hat nicht mal Springs ausgebracht – aber alle haben schon ihre Stromkabel in der Steckdose am Steg 😉 . Wir lassen den Rückwärtsgang drin und legen hinten und vorne Landleinen, verpassen dem Franzosen Springs und hoffen, dass auch die anderen Päckchen vor und hinter uns Landleinen ausgebracht haben. Es soll ja windig werden heute Nacht! Dann gehen wir zum Hafenkino über, denn es kommen noch jede Menge weitere Boote in den Hafen. Wir bekommen noch zwei Nachbarn – 4 junge Franzosen, die sich per Handschlag vorstellen und ein englisches Paar. Der Hafen füllt sich und alle kommen erst zur Ruhe, als das Schleusentor geschlossen wird. Wir haben Glück, die Nauticat, die ganz innen liegt, will erst am Samstag auslaufen – wir auch. Das wäre morgen eine ganz schöne Nummer geworden, wenn die Nauticat hätte ablegen wollen – 5 Boote, die Platz machen müssten 😉 .

Die Atmosphäre im Stadthafen von Saint-Martin-en-Ré ist gemütlich und schön – wann liegt man schon mal mitten in der Stadt. Es erinnert an die besten Zeiten im Six-Hafen in Amsterdam. Nur noch Boote zu sehen, kein Wasser mehr 😉 .

Eng wie im Sixhafen in Amsterdam

Aber es ist auch ungewohnt für uns, nach dem vielen Ankern so direkte Nachbarn zu haben. Es ist ja nicht mal ein Steg zwischen den Booten. Immer wieder läuft einer der Nachbarn über das Vorschiff, hält ein Quätschchen mit uns, wir hören von den anderen Booten die Gespräche. Nach dem Duschen einfach mal so ausziehen und noch eincremen geht nicht, die Nachbarn können in’s Boot gucken. Klar, kennen wir alles von den vielen Nächten, die wir in den Stadthäfen im Ijsselmeer verbracht haben – aber da war es meistens nicht so warm, dass alle Luken und Fenster geöffnet waren 😉 .

Trotzdem ist es schön hier – das muss man einfach auch mal erlebt haben 🙂 . Es gibt ein paar Häfen, die muss man trotz des Rummels einfach anlaufen – sonst lernt man die Besondere Atmosphäre der einzelnen Länder nie wirklich kennen 😉 . Wirklich gut gefallen haben uns London – St. Cathrin’s Dock, Amsterdam – Sixhafen, Norwegen – Stavanger, Oslo und Bergen, St. Peter Port auf den Kanalinseln mit dem mediterranen Flair und in Frankreich natürlich Honfleur und jetzt auch Saint-Martin-en-Ré. Auch La Rochell gehört mit dem Vieux Port mitten in der Stadt sicherlich dazu – wir hoffen, auch dort einen Liegeplatz zu bekommen, um die besondere Atmosphäre des von den beiden Türmen, Tour de la Chaine und Tour St. Nicolas bewachten Hafens, zu erleben 🙂 .

Obwohl es heute wieder ziemlich heiß ist, gucken wir uns Saint-Martin-en-Ré an, nachdem im Hafen Ruhe eingekehrt ist und jeder einen Liegplatz gefunden hat. Ein toller, alter Ort mit weißen Häusern, Stockrosen, Oleander in verschiedenen Farben, engen kopfsteingepflasterten Gassen und vielen Restaurants, Cafés und Bars. Rund um den Hafen und in den Gassen ist richtige Ferienstimmung.

Saint-Martin-en-Ré

Mit dem Bus fahren wir am Donnerstag nach Ars-en-Ré. Der Weg über die Insel führt an vielen Weinreben vorbei – hier wird aktiv Weinanbau betrieben. Passt gut zu den Austern, die hier auch angebaut werden 😉 . Schon von weitem können wir den charakteristischen Kirchturm von Ars-en-Ré mit der schwarzen Spitze sehen. Der dient auch den Booten zur Ansteuerung des Hafens.

Kirchturm von Ars-en-Ré

Ars-en-Ré ist viel kleiner als Saint-Martin-en-Ré, auch der Hafen ist weder von der Lage noch vom Betrieb mit dem in Saint-Martin-en-Ré zu vergleichen. In den Salzwiesen gibt es noch einen Schleusenhafen – sehr ruhig gelegen, mitten in der Natur. Wir sind mit unserer Wahl Saint-Martin-en-Ré sehr zufrieden 🙂 .

Salzwiesen in Ars-en-Ré

Weiter geht’s mit dem Bus nach La Flotte – der Ort hat schon viel mehr Ähnlichkeit mit Saint-Martin-en-Ré. Der Hafen liegt ebenfalls direkt in der Stadt, fällt aber zum großen Teil trocken.

Gartencafé in La Flotte

Zurück in Saint-Martin-en-Ré genießen wir noch mal den Trubel – an der Eisdiele müssen wir für das wirklich leckere Eis ziemlich lange anstehen 😉 . Auch abends ist hier immer noch viel los, ohne dass es laut wäre. Die beleuchtete Kulisse ist schon schön 🙂 . Der Visitor-Ponton mit den vielen Päckchen liegt weit hinten im Hafen, direkt beim Schleusentor, nicht ganz so nah an der Promenade, so dass man von den vielen Touristen nicht’s mitbekommt.

Nach dem vielen Ankern ein willkommener Ausflug in eine andere Welt 😉 .

Unterwegs auf der Île de Ré

Veröffentlicht unter 2019 - Biskaya | Kommentare deaktiviert für Île d’Yeu – Île de Ré

Île de Noirmoutier – Île d’Yeu

Sonntag den 04.08.2019
NW 3-4 Bft – 26 sm – 5h 31 min – Ø 4,6kn – gesamt: 981 sm

Île de Noirmoutier – Île d’Yeu

Wir haben genug von dem unruhigen Ankerfeld und beschließen, statt noch einen oder zwei Tage hier zu bleiben, lieber weiter zur Île d’Yeu zu segeln. Das passt heute vom Wind auch ganz gut – noch kommt er aus NW, morgen soll er auf SW drehen – wenn denn die Wettervorhersage stimmt 😉 .

Noch einen Blick zurück auf die jetzt ruhige Boi de Chaise mit den schönen Segelbooten, Häusern und Stränden, dann gucken wir nach vorne und sind gespannt, was uns auf der Île d’Yeu erwartet.

Klassiker in der Boi de la Chaise

Wir haben unseren Ankerball gekennzeichnet, nachdem er in der Boi de la Chaise mehrmals mit Hummerpot-Bojen verwechselt wurde 😉

Wir segeln mit der Strömung rund um den Norden der Île de Noirmoutier und als es dann nach Süden weitergeht, dreht auch die Strömung mit nach Süden – so haben wir das gerne 🙂 . Gemütlich und ziemlich unspektakulär segeln wir bis in die Bucht südöstlich des Hafens Port Joinville und lassen dort den Anker fallen. In den Hafen können wir eine Stunde vor Niedrigwasser nicht reinfahren, da das Fahrwasser nur auf 1 Meter gebaggert ist. Erst mit auflaufendem Wasser wird die Wassertiefe reichen, aber eigentlich wollen wir sowieso lieber in der Ankerbucht bleiben.

Nach und nach gesellen sich immer mehr Boote zu uns in die Ankerbucht, andere Segelboote kreisen wie die Haie vor der Hafeneinfahrt 😉 . Wer hat den geringsten Tiefgang, kann als erstes in den Hafen einlaufen und bekommt einen der begehrten Liegeplätze? Als das Wasser hoch genug für die ersten Boote ist, geht der Run auf die Hafeneinfahrt los 😉 . Es dauert nicht lange, und wir liegen mit nur noch drei anderen Segelbooten in der ruhigen Bucht 🙂 . Nur so ein blöder Wasserscooter-Fahrer nervt eine Zeit lang, dann gibt er auf und Ruhe kehrt ein 🙂 . Abends hat sich die Ankerbucht dann aber doch noch gut gefüllt – entweder ist der Hafen voll und die Segler mögen nicht so gerne im 10er Päckchen bei den Fischern liegen 😉  oder sie ziehen das Ankern einfach dem Gedränge im Hafen vor.

Montag, den 05.08.2019

Vor Anker zu liegen hat ja eigentlich viele Vorteile, aber manchmal ist es schwierig, mit dem Dinghi an Land zu kommen. Zum Hafen sind es ca. 0,5 Seemeilen, das ist schon ein ganz schönes Stück mit so einem kleinen Dinghi. Und die Hafenmeister sehen es auch nicht ganz so gerne, wenn die Ankerlieger mit ihren Dinghis in den Hafen kommen – lieber hätten sie es, wenn sie mit dem Segelboot als zahlende Gäste dort auflaufen 😉 .

Meistens kann man ganz gut mit dem Dinghi in den Buchten anlanden, manchmal braucht es dafür aber auch eine sportliche Einlage. Raus aus dem Dinghi und schnell genug aus dem Brandungsbereich, damit nicht alles nass wird. Beim Einsteigen haben wir inzwischen eine gute Technik entwickelt – an jeder Seite des Dinghis steht einer von uns, mit einem Bein im Dinghi, mit dem andern Bein geben wir Gas wie beim Rollerfahren. Dann nur noch rein in’s Dinghi, paddeln was das Zeug hält und wenn das Wasser tief genug ist, darf auch der Außenborder wieder seinen Dienst tun 😉 .

Viel einfacher ist das Anlanden, wenn ein Slipway in’s Wasser reicht – aber das ist eher selten. Das alles geht natürlich nur, weil es warm genug ist. Da darf man auch mal in’s Wasser fallen – ist mir beim Einsteigen auf der Île de Noirmoutier passiert. Zum Glück hab ich vor dem Einsteigen meinen Rucksack mit Handy und Fotoapparat, meine Sandalen und vor allem den Beutel mit den Baguettes gut im Dinghi verstaut 🙂 . In Zeitlupe bin ich vom Dinghirand ins Wasser gerutscht – war eher erfrischend als kalt, aber der erste Gedanke war dann doch: Gut, dass das nicht in Island passiert ist 😉 .

Die Île d’Yeu ist nicht wirklich groß – ca. 10km lang und ca. 4km breit – und kann gut mit dem Fahrrad oder mit Bus und Wanderung erkundet werden. Im Hauptort Port Joinville pulsiert das Leben – um das mal positiv auszudrücken.

Port Joinville

Die Straße an der Promenade ist verstopft von Autos und Fahrrädern. Bei den Autos überwiegen Oldtimer der Marken 2CV, Peugeot oder Renault – meist ohne Verdeck.

Als Fußgänger kommt man kaum über die Straße 😉 . In der Fußgängerzone sind Marktstände aufgebaut – hier wird fleißig eingekauft, die Kunden stehen in langen Schlangen vor den Ständen. Die engen Straßen des Ortes haben zum Teil ganz witzige Namen – Rue de Secret oder Rue de Paradies oder auch für die Frischvermählten die Rue des Marriés, die von der Kirche in den Ort führt und auf der die Brautpaare nach der Trauung flanieren. Trotz des Trubels ein sehr sympathischer Ort 🙂 .

Leuchttürme an der Hafeneinfahrt

Wieder mal unglaublich viele, schöne Blumen

Auch die Kirchen sehen inzwischen südländisch aus

Die vielen Fahrrad-Verleihstationen haben Hochkonjunktur – jedesmal, wenn eine Fähre Tagestouristen auf die Insel bringt, stürmt ein Großteil auf die Fahrradverleiher zu und ist im Nu mit dem Fahrrad auf einer der empfohlenen Rundtouren unterwegs. Ich finde für mich die Kombination aus Bus- und Wandertour angenehmer – und so fahre ich mit dem Bus zum Pointe du Châtelet und wandere von dort über den Küstenweg bis zu dem kleinen Ort La Croix. Von dort bringt mich der Bus zurück nach Port Joinville.

Eine schöne Tour ganz nach meinem Geschmack 🙂 . Am Pointe du Châtelet ist ein großes Kreuz zur Erinnerung an alle auf See gebliebenen Seeleute aufgestellt. Der Fuß des Kreuzes steht in einem stilisierten Boot.

Pointe du Châtelet

Ein in die Jahre gekommener Rettungsring – hoffentlich wird er nie gebraucht

Die Küste dort ist hoch, felsig und schroff – so wie hier die Westküsten auf allen Inseln sind. Ein Stück weiter ist gut getarnt das Vieux Château auf Felsen gebaut. Bei Hochwasser ist es komplett von Wasser umspült, man kommt nur über eine Brücke zum Château.

Vieux Château

Hier treffe ich noch auf einige Fahrradfahrer, ein Stück weiter auf dem Küstenweg bin ich dann allein. Die Menschen(mengen) verlaufen sich immer schnell, wenn man sich ein Stück von den Sehenswürdigkeiten entfernt 🙂 .

Richtig schön ist der alte Port de la Meule, der jetzt bei Niedrigwasser komplett trockengefallen ist. Kleine Fischerhütten säumen den Weg zum Hafen, die Boote sind bunt bemalt.

Küstenwanderweg

Port de la Meule

Fischerhütten

Kirche im Port da la Meule

Auf meiner Wanderung entlang der Küste komme ich noch an zwei schönen Badebuchten vorbei – welch Ärger, dass ich kein Badezeug dabei habe!

In Port Joinville holt mich Peter dann mit dem Dinghi ab – im Hafen bei den Fischern binden wir das Dinghi in der hintersten Ecke an und lassen uns noch gemeinsam durch den schönen Hauptort treiben.

Dienstag, den 06.08.2019

Nieselregen, kein Wind – wir bleiben an Bord. Die Stauliste ist aktualisiert, wir haben einen Winterliegeplatz für unsere Ruby Tuesday organisiert und gefühlt tausend andere Kleinigkeiten erledigt. Erst nachmittags klart es auf und die Sonne kämpft sich durch, aber da haben wir uns in unseren Büchern schon festgelesen – lesen ohne Limit ist auch mal schön 🙂 .

 

 

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La Roche-Bernard – Île de Noirmoutier

Freitag den 02.08.2019
NW-SW 1-4 Bft – 46 sm – 9h 48 min – Ø 4,7kn – gesamt: 955 sm

La Roche-Bernard – Île de Noirmoutier

Als morgens um 06:00 Uhr der Wecker schellt, ist es noch fast dunkel – wir brauchen tatsächlich Licht im Schiff, um alles vorzubereiten. Entweder sind wir doch schon ziemlich südlich, so dass es nicht mehr so früh hell wird, oder der Sommer neigt sich langsam dem Ende zu – aber das kann eigentlich Anfang August noch nicht sein 😉 . Nebel und die aufgehende Sonne tauchen die Vilaine in zauberhafte Farben.

Sonnenaufgang

Früh sind wir an der Schleuse in Arzal, weil wir unbedingt die erste Schleusung um 08:00 Uhr bekommen müssen. Das Hochwasser war schon um 06:32 Uhr, das Wasser in der Vilaine und der flachen Mündung, die ja stellenweise nur 0,50 cm oder weniger tief ist, läuft seit dem ab. Sind wir zu spät, wird die Mündung für uns zu flach und wir müssen auf das abendliche Hochwasser warten.

Es ist noch kein anderer Segler an der Schleuse, das Schleusentor ist geöffnet, die Lichter an der Schleuse sind doppelt rot und gleichzeitig doppelt grün – nicht ganz eindeutig. Wir machen in der Schleuse fest und frühstücken erst mal. Langsam kreisen immer mehr Segler vor der Schleuse, aber keiner kommt in das Schleusenbecken. Mmm, ob wir da wohl etwas falsch gemacht haben? Ja, haben wir. Darüber klärt uns kurze Zeit später der Schleusenmeister in perfektem Französisch auf 😉 – ein anderer, als beim Einschleusen in die Vilaine und lange nicht so freundlich und entspannt 🙁 . Wir tun dann mal so, als wenn wir so gar kein Französisch verstehen – was ja auch nicht ganz falsch ist 😉 . Irgendwie hören wir aber doch raus, dass wir eigentlich wieder aus der Schleuse raus müssen, da die einschleusenden Schiffe Vorfahrt haben. Glück für uns – es will niemand in die Vilaine einschleusen und der Schleusenmeister hat ein Einsehen 🙂 .

Aber dann beginnt das Chaos, die Brücke öffnet sich und die anderen Segler wollen jetzt auch endlich in die Schleusenkammer. Niemand hört mehr, was das kleine Rumpelstilzchen rumschreit und gestikuliert. Auch beim Festmachen in der Schleuse geht es sehr lautstark im Befehlston weiter. Jeder wird eingewiesen, wo er festzumachen hat.

Na ja, alles geht irgendwann vorbei 😉  – wir sind als erstes in die Schleuse eingefahren und müssen auch als erstes wieder raus. Unter Motor fahren wir zügig der Mündung entgegen und setzen erst Segel, als wir in ausreichend tiefem Wasser sind 🙂 .

Für eine gute Stunde Segeln reicht der wenige Wind, doch dann schläft er ganz ein und wir müssen ein bisschen motoren. Aus NW brist es gegen Mittag auf und wir können prima segeln – erst Am-Wind, dann mit halbem und zum Schluss mit raumem Wind. Das macht nach der Woche in der Vilaine wieder richtig Spaß 🙂 . Die Bedingungen sind aber auch super – genügend Wind zum Segeln, keine Welle oder Dünung, blauer Himmel, Sonnenschein und angenehm warm. In Norwegen und Island hat uns das kühle Wetter nicht gestört – wir hatten nichts anderes erwartet. Jetzt aber genießen wir T-Shirt-Segeln in vollen Zügen 🙂 .

Wir segeln entlang der Guérande-Halbinsel mit mehreren Häfen. Einige können wir nicht anlaufen, weil die Wassertiefe in der Einfahrt nicht mehr ausreicht – das geht nur mit auflaufendem Wasser. Durch das frühe Hochwasser, das Schleusen und die Fahrt bis aus der Vilaine-Mündung haben wir in einer Stunde Niedrigwasser – das passt nicht. Andere Häfen wollen wir nicht anlaufen, weil sie uns nicht ansprechen oder auch nicht auf dem Weg liegen. So nehmen wir Kurs auf die Halbinsel Île de Noirmoutier.

Guérande-Halbinsel

Das könnte auch an der belgischen Küste sein 😉

Vor der Loire-Mündung liegen einige große Frachter auf Reede, von Saint-Nazaire kommen auch ein paar Schiffe. Grundsätzlich ist hier aber kaum Verkehr von der Großschifffahrt.

Frachter auf Reede

Eher sind heute viele Segler unterwegs. Vor allem, als wir uns der Île de Noirmourtier nähern, sehen wir einige Regattafelder, viele Freizeitsegler und jede Menge kleine Motorboote.

Wir lassen unseren Anker in der Bucht Bois de la Chaise in ausreichendem Abstand zum Mooringfeld fallen, ganz in der Nähe des Hauptortes der Insel Noirmourtier-en-Île. Hier ist was los, so was haben wir bis jetzt noch nicht erlebt. Es ist Sommer, August ist der Hauptferienmonat der Franzosen – Hochsaison! Surfer, Cat-Segler, Wasserskifahrer, Motorbootfahrer, Wasserscooter und Segler sind unterwegs – zum Teil laut und ziemlich schnell.

Beim Ankermanöver haben wir ein paar mal Bedenken, dass uns Segler über den Haufen fahren. Wir sind kurz davor, das Ankermanöver abzubrechen und uns einen anderen Liegeplatz – vielleicht im Hafen an der Nordseite der Insel – zu suchen. Aber der ist vermutlich um diese Zeit auch voll. Gegen 19:00 Uhr wird’s dann schlagartig ruhig – Abendessenszeit oder Zeit, sich dafür vorzubereiten 😉 . Wir bleiben, genießen die Ruhe und dass tatsächlich niemand mehr auf dem Wasser ist und warten ab, wie es morgen hier so wird 😉 .

Ruhe im Anker- und Mooringfeld

Samstag, den 03.08.2019

Still ist es, kein Windhauch regt sich, spiegelglattes, fast öliges Wasser – beim Frühstück müssen wir nicht unsere Tassen festhalten, damit sie nicht vom Tisch gekegelt werden 🙂 . Das ändert sich dann aber im Laufe des Vormittages doch noch. Ein bisschen Wind kommt auf, Motorbootfahrer rasen ohne Rücksicht auf Verluste durch das Mooring- und Ankerfeld und sorgen für viel Bewegung auf dem Schiff. Gegen Mittag starten auch wieder die Regatten, die sich bis abends hinziehen.

Noch ist es ruhig …

… aber dann starten die Regatten wieder

Tolle Segelboote sind da unterwegs – inzwischen wissen wir, dass vom 02.08. – 11.08.2019 auf der Île de Noirmoutier Segelwoche ist. Im Moment werden die „Regatten des Bois de la Chaise“ ausgetragen. Vom 07.08. – 09.08.2019 folgt dann die „Noirmoutier-Classic“ und am 11.08.2019 die Schlussregatta. So lange wollen wir dann doch nicht hier bleiben, haben auch ein bisschen Angst um die Unversehrtheit unserer Ruby Tuesday 😉 . Die Regattaboote segeln verdammt dicht an unserem Boot vorbei und ebenso dicht an den Booten im Mooringfeld.

Dennoch gucke ich mir die Île de Noirmoutier an – Peter bleibt lieber an Bord und passt auf unsere Ruby Tuesday auf 😉 .

Seebrücke am Plage des Dames

Pointes des Dames

Schon an den Häusern sieht man, dass wir die Bretagne hinter uns gelassen haben – statt Backsteinhäuser, reetgedeckt oder mit schwarzen Schieferschindeln, sind die Häuser hier alle verputzt, weiß gestrichen, haben Fensterläden und Türen in allen Blau-Farben und die Dächer sind mit roten Schindeln gedeckt. Ein komplett anderes Bild mit einem ziemliche südlichen Einschlag 🙂 .

Unsere Bretagne-Flagge haben wir eingeholt, jetzt fahren wir nur noch die französische Gastlandflagge unter der Steuerbordsaling.

Noch weht die Bretagne-Flagge

Der Hauptort Noirmoutier de Île ist gut zu Fuß zu erreichen – ein schöner Weg führt durch Wald und an steilem, felsigen Ufer entlang zum Plage des Dames.

Ufer am Plage des Dames

Plage des Dames

Von dort geht’s dann über kleine Straßen zum Dorf, das ganz touristisch geprägt ist. Viele Restaurants, Créperien, Bars, Cafés und Souvenirshops gibt es dort.

Der Hafen Noirmoutier de Île fällt komplett trocken.

Kaum noch Wasser im Hafen

Ob die bei Hochwasser noch schwimmen?

Verlässt man den Ortskern, kommt man schnell zu den Salzwiesen. Mit dem Fahrrad oder mit dem Bus kann man die Insel prima erkunden – allerdings muss man schon die Abfahrtzeiten der Busse gut im Blick halten, sonst ist man irgendwo „in the middle of nowhere“ und kein Bus kommt 🙁 .

Salzwiesen haben wir auf der Guérande-Halbinsel in Saillé ja schon besichtigt, aber Austernbänke und Pfahlmuscheln habe ich noch nicht aus der Nähe gesehen. In La Guériniére ist das möglich – aber nur bei Niedrigwasser. Das haben wir und ich streife lange durch die Austernbänke.

Pfahlmuschelreihen

Austernbänke

 

Muscheln wachsen auch an den
Austernbänken

Urlauber und Einheimische sind unterwegs und suchen in den verbliebenen Prilen nach Muscheln oder anderem Meeresgetier. Schon die kleinen Kinder sind aktiv mit dabei. Auch so kann man zu einem leckeren Abendessen kommen.

Wonach wird hier wohl gesucht?

Zurück am Bois de la Chaise schlendere ich noch an den schönen alten Villen vorbei, die dort in der Bucht stehen. Wieder ein ganz anderer Baustil, als die bretonischen oder die südländischen Häuser. Irgendwie liegt hier noch ein bisschen der Flair einer längst vergangenen Zeit in der Luft 🙂 .

Unterwegs auf der Île de Noirmoutier

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Auf der Vilaine flussabwärts

Dienstag, den 30.07.2019 – Donnerstag, den 01.08.2019

Dienstag, den 30.07.2019

Redon – Foleux

Auch am Dienstag stürmt es hier noch ganz kräftig und es schüttet – wir bleiben erst mal noch in Redon und warten ab, wie sich das Wetter so entwickelt. Langweilig wird es an Bord ja nie – nach unserer Städtetour haben wir wieder reichlich Fotos zu sortieren, der Blog möchte auch mal wieder aktualisiert werden und bei den jetzt doch angenehmen Temperaturen kann ich endlich mal wieder Brot backen.

Gegen 14:00 Uhr machen wir uns dann doch auf den Weg flussabwärts. Böen bis 23kn kommen uns entgegen – schade, wird nichts mit Segeln, der Wind kommt aus der falschen Richtung. Aber die Sonne scheint wieder, es hat aufgehört zu regnen. Viel zu schnell sind wir an der Brücke in Cran und müssen ziemlich lange auf die Brückenöffnung warten. Schlechte Planung 😉  oder Angst, zu spät zu kommen und zwei Stunden auf die nächste Brückenöffnung warten zu müssen 🙁 .

Storch unterwegs

In Foleux sind noch die gleichen Moorrings frei, wie auf dem Hinweg – bei viel Wind von der Seite ist das Anlegen diesmal nicht ganz so leicht. Obwohl wir nicht weit vom Hafen Foleux entfernt sind, ist es hier still. Wir hören nur das Plätschern der Vilaine, Fische springen mal aus dem Wasser und platschen wieder rein, Vögel besuchen uns an Bord und sch…. von der Reling. Aus dem nahen Wald hören wir immer mal wieder Vogelstimmen – einfach nur schön und eine sehr friedliche Atmosphäre zum Seele baumeln lassen 🙂 . Das tun wir auch ausgiebig, nach La Roche Bernhard geht es erst am Donnerstag weiter 😉 .

Mittwoch, den 31.07.2019

Sonnenaufgang im Nebel

Donnerstag, den 01.08.2019

Foleux – La Roche-Bernard

Wieder ist es nebelig morgens – eine richtig mystische Stimmung. Nachdem sich der Nebel aufgelöst hat, fahren wir ein paar Seemeilen flussabwärts nach La Roche-Bernhard. Dieses kleine, mittelalterliche Städtchen wollen wir uns doch gerne noch ansehen.

Zu La Roche-Bernard gehört eine relativ große Marina, die aber ziemlich voll ist. An einigen Kopfsteigern liegen die Boote schon im Päckchen. Viel schöner ist der Vieux Port, der aber nicht für Gäste geöffnet ist.

Vieux Port in La Roche-Bernard

Büro des Hafenmeisters

Im Vieux Port werden Crépes direkt von Bord verkauft 😉

Direkt gegenüber der Einfahrt zum Vieux Port ist eine Mooring frei, die nehmen wir erst mal und warten ab, was so passiert. Es dauert nicht lange, bis der Hafenmeister mit seinem kleinen Motorboot kommt. Wir können ein paar Stunden hier liegen bleiben – kein Problem 🙂 .

Gegenüber vom Vieux Port liegen wir an einer Mooring

La Roche-Bernard ist eine kleine Stadt, die auf einem Hügel gebaut ist. Umgeben ist sie noch mit Resten einer alten Stadtmauer. Es gibt unzählige kleine Gassen, typische bretonische Backsteinhäuser und viele Blumen. Diesmal überwiegen nicht die Hortensien oder Stockrosen, sondern hier sind die Häuser und Straßen mit Geranien geschmückt – ein ganz anderes, aber sehr passendes Bild.

Trotz des guten Wetters und der Ferienzeit ist die Stadt nicht überfüllt – man findet überall in den Cafés oder Restaurants freie Plätze.

Durch Zufall sehen wir bei unserem Bummel durch die Gassen eine kleine Steinfigur auf einem Sims – einen Angler.

Der kleine Angler ist’s Schuld …

Wir denken uns noch nichts dabei, bis wir immer wieder an den unmöglichsten Stellen witzige Steinfiguren entdecken. Jetzt suchen wir gezielt nach weiteren Figuren und haben am Ende unseres Rundganges 32 Figuren gefunden – und natürlich auch fotografiert 😉 .

Ob das alle Steinfiguren waren, die hier dekoriert sind – wer weiß? Auf jeden Fall eine gute Idee, dass sich die Besucher La Roche-Bernard ein bisschen genauer ansehen 😉 .

Am frühen Nachmittag verlegen wir uns weiter flussabwärts in eine Biegung der Vilaine. Hier liegen wir ruhiger und schöner, als direkt vor La Roche-Bernard.

Abendstimmung auf der Vilaine

Ein kleines Paradies 🙂

 

Und dann geht auch hier die Sonne unter …

Morgen früh geht’s dann zur Schleuse nach Arzal, weiter zur Mündung der Vilaine und dann – mal schauen 🙂 . Wir haben den ganzen Tag Zeit, einen schönen Liegeplatz zu finden, denn die Schleuse müssen mir um 08:00 Uhr nehmen, sonst läuft uns das Wasser in der Vilaine-Mündung weg 😉 . Die lieben Gezeiten – manchmal Fluch – manchmal Segen 😉 .

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Landausflüge mit dem Auto

Samstag, den 27.07.2019 – Montag, den 29.07.2019

Unsere Ruby Tuesday liegt gut hier am Gästeponton in Redon 🙂 , so dass wir wieder mal auf Landtour gehen können. Wir wollen uns Nantes ansehen, die Hafenstadt an der Loire, die wir nicht mit unserer Ruby Tuesday anlaufen werden und dann unser Auto nach La Rochelle bringen und bei dieser Gelegenheit natürlich schon mal La Rocheller Luft schnuppern 😉 .

Samstag, den 27.07.2019

Mit dem Auto nach Nantes

Nantes ist die ehemalige Hauptstadt der Bretagne, gehört aber nicht mehr zur Region Bretagne – wir verlassen also temporär die schöne Bretagne und tauchen nach unserem gemütlichen Inselbummeln ein in eine Großstadt mit ca. 550.00 Einwohnern. Fast so groß wie Essen 😉 . Na ja, wir wollen uns nicht ganz Nantes ansehen, sondern nur die Altstadt – das ist mehr als genug, für einen Tag 😉 . Nicht anders als andere Großstädte wirkt Nantes auf uns, als wir in die Außenbezirke kommen – ernüchternd großstädtisch. Das ändert sich schnell, als wir den Altstadtkern erreichen. In der Tourismusinformation versorgen wir uns mit einem Stadtplan und deutschsprachigen!!! Informationen zu Nantes und los geht’s. Ganz praktisch für eine Stadtbesichtigung von Nantes ist ein neongrüner Streifen auf dem Pflaster, der von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit führt und im Stadtplan ebenfalls enthalten ist – folgt man dem grünen Streifen, kann man nun wirklich nichts verpassen, was man gesehen haben muss 😉 . Allerdings braucht man selbst für diese Tour, die nur durch und rund um die Altstadt führt, eine gute Kondition und einige Stunden Zeit.

Wir starten mit unserem Stadtrundgang im Quartier Bouffay mit dem Château de Ducs de Bretgange, der Kathedrale, dem Gassengewirr, in dem das mittelalterliche Nantes in den Fachwerkfassaden und den alten Steinhäusern weiterlebt. Lebendig, quirlig, voller Touristen, Bars und Geschäften ist dieses Quartier – aber man findet hier auch grüne Flecken wie den Garten der Psalette im Schatten der Kathedrale oder einen hängenden Garten im Innenhof eines privaten Gebäudes. Ein gelungener Anfang 🙂 .

Château de Ducs de Bretgange

Kathedrale von Nantes

Beeindruckend sind der helle Innenraum und das hohe Gewölbe

Grab von Francois II de Bretagne und seiner Frau Maguerite de Foix, Eltern von Anne de Bretagne

Die doppelgesichtige Prudence, Statue am Grab

Anne de Bretagne

Hängende Gärten mitten in der Stadt

Weiter geht’s zum Quartier Feydeau, einer Insel in der Stadt, die aber keine Insel mehr ist, seit man die Loire-Arme 1926 und 1946 zugeschüttet hat. Feydeau hat eine starke Verbindung zum Skalvenhandel, einer eher dunklen Seite der Geschichte Nantes. Der Reichtum Nantes wurde im 16.bis 18. Jahrhundert nicht nur durch Überseehandel mit Rohrzucker und Kolonialwaren begründet, sondern eben auch durch regen Sklavenhandel. Wie wohlhabend die Reeder waren, kann man teilweise noch an den prächtigen Häusern in diesem Quartier sehen.

Häuser der wohlhabenden Reeder

Durch das Quartier Graslin mit seinen gehobenen Boutiquen, Luxusläden, der Passage Pommeraye und erstklassigen Restaurants laufen wir zum Tour de Bretagne, dem 144 Meter hohen Geschäfts- und Bürohaus mit dem Aussichtsrestaurant Le Nid. Für die 32 Etagen aufwärts nehmen wir dann doch lieber den Aufzug – abwärts natürlich auch 😉 . Die Aussicht von dort oben ist grandios!

Passage Pommeraye

Opera

Überall in der Stadt findet man ziemlich ausgefallene Ladenschilder 🙂 :

 

Den ganzen Stadtrundgang bis in die äußeren Bezirke schaffen wir nicht – das ist uns für einen Tag einfach zu viel!

Stadtrundgang in Nantes

Auf dem Rückweg zu unserer Ruby Tuesday fahren wir dann aber doch noch durch den Parc Naturel Régional de Brière, einem ca. 40.000 ha großen Naturpark, dessen Zentrum ein riesiges Sumpfgebiet bildet, das im 15. Jahrhundert dem Torfabbau diente. Noch heute gibt es in dem Naturpark die Kanäle, auf denen die Lastkähne unterwegs waren,  Schleusen, um den Wasserstand auszugleichen und kleine Häfen. Ganz charakteristisch für Parc Naturel Régional de Brière sind kleine Orte mit reetgedeckten Häusern. Ein bisschen mehr Zeit für diesen schönen Park wäre schon gut, aber wir sind von der Stadtbesichtigung in Nantes ziemlich platt 😉 .

Kanal im Parc Naturel Régional de Brière

Lastenkahn – kurz vor’m Absaufen

Sonntag, den 28.07.2019 – Montag, den 29.07.2019

Mit dem Auto nach La Rochelle und mit dem Zug zurück nach Redon

Heute bringen wir unser Auto nach La Rochelle und verbinden das direkt mit einem Bummel durch diese schöne Stadt. Dorthin werden wir auf jeden Fall auch noch mit unserer Ruby Tuesday segeln, aber man weiß ja nie, wie sich das Wetter so entwickelt. Jetzt haben wir Sonnenschein und angenehme Temperaturen – perfekt für einen ersten Stadtrundgang durch La Rochelle. Damit wir genügend Zeit haben, quartieren wir uns für eine Nacht in einem Hotel ein und fahren am Montag mit dem Zug zurück nach Redon.

Auch für La Rochelle haben wir einen Stadtplan mit Informationen zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten – den haben wir 2017 mal auf der BOOT in Düsseldorf bekommen, als wir uns das erste mal mit einem Törn Richtung Süden beschäftigt und Infos, Stadt- und Hafenpläne gesammelt haben 😉 . Natürlich könnten wir auch einfach nur so durch La Rochelle schlendern und die Stadt auf uns wirken lassen, aber ohne Erläuterungen der Sehenswürdigkeiten oder Besonderheiten der Stadt, würden wir schon so manches verpassen. Deshalb sind wir wieder einmal mit Plan, statt planlos unterwegs 😉 .

La Rochelle ist einfach sagenhaft, hier pulsiert rund um den Viex Port mit seinen beiden imposanten Türmen,  das Leben. Restaurants, Bars, Cafés, Eisdielen, Verkaufsstände und jede Menge Straßenkünstler sind rund um das Hafenbecken verteilt.

Vieux Port

Atmosphäre am Vieux Port

Uhrenturm am Vieux Port – ein ehemaliges Stadttor, das den Hafen von der Innenstadt trennte

Vieux Port

Die Hafeneinfahrt wir von den beiden mächtigen Türmen Tour Saint-Nicolas und Tour de la Chain bewacht. Der Tour Saint Nicholas diente in längst vergangenen Zeiten der Verteidigung des Hafens und wurde auch als Gefängnis genutz, vom Tour de Chain wurde eine Kette bedient, die die Zufahrt zum Hafen versperrte. Es gibt noch den Tour de Lanterne, der etwas weiter vom Hafen entfernt steht und als Leuchtturm und auch als Gefängnis diente. Die beiden Türme direkt an der Hafeneinfahrt sind sicherlich die Wahrzeichen von La Rochelle.

Hafeneinfahrt zum Vieux Port

Etwas, aber auch nur etwas ruhiger ist es an den beiden anderen Hafenbecken, die auch direkt in der Stadt liegen. Auf den ersten Blick sieht man, dass wir hier nicht mehr in der Bretagne mit den typischen bretonischen Häusern sind – hier sind die Dächer rot gedeckt, die Häuser sind hell, Schlagläden sorgen dafür, dass die Sonne und die Wärme draußen bleiben. Alles macht eher einen italienischen Eindruck auf uns.

Italienischer Flair

Hinterhöfe gibt’s hier auch

Architektonisch hat La Rochelle viel zu bieten – mittelalterliche Häuser aus Holz mit Schieferverkleidung, Fassaden mit Stuck verziert und mit behauenen Steinen dekoriert, Gebäude aus dem 18. Jahrhundert mit Säulengalerien und für frühere Handelsstädte ganz typisch, die Straßen mit Arkaden vor den Häusern. Unter den Arkaden wurden die Waren wetterunabhängig ausgestellt, noch heute sorgen sie für Schatten in den Straßen und vermitteln ein gemütliches Bild.

Fachwerk und Schieferverkleidung

Steinfassade mit Stuck

L’Hôtel de la Bours – ehemaliger Sitz der Handeslkammer – eines der schönsten Gebäude von La Rochelle

Rathaus von La Rochelle – ist 2014 abgebrannt und soll Ende 2019 wieder fertiggestellt sein

Die Markthalle aus dem 19. Jahrhundert ist ein Augenschmaus – so viele verschiedene Stände haben wir bisher in keiner Markthalle gesehen. Gut, dass wir nach dem Frühstück und gut gesättigt hier sind, sonst wären wir wohl in einen Fisch-, Käse- und Pastetenkaufrausch verfallen 😉 . Vor der Markthalle sind Obststände aufgebaut mit einer Auswahl an Obst und Gemüse, die wir bisher vermisst haben. Wie gut, dass wir noch mal mit unserer Ruby Tuesday hierher kommen, dann können wir einkaufen ohne Ende 🙂 .

Geschlossene Markthalle am Sonntag

Obst und Gemüse vor der Markhalle am Montag

Arkaden von La Rochelle

La Rochelle hat auch eine Kathedrale – die wurde gebaut, als man die Protestanten vertrieben hatte – Religion halt 🙁

Eine ganz besondere Atmosphäre straht das ehemalige Fischerviertel Saint-Nicolas aus. Auch hier gibt es Bars, Cafés, enge Gassen mit alten Häusern und den wunderschönen Place de la Fourche. Mitten auf dem Platz sorgt ein riesiger Baum für Schatten – hier kann man es gut aushalten 🙂 .

Place de la Fourche

Kneipe in Saint-Nicolas

Alte Häuser der Fischer in Saint-Nicolas

Natürlich laufen wir auch zur Marina Les Minimes – dem Wortlaut nach könnte man meinen, es handele sich um einen kleinen Hafen. Weit gefehlt – direkt an der äußeren Zufahrt nach La Rochell liegt die Marina Les Minimes mit fast 5.000 Liegeplätzen. Man spricht abwechselnd von der größten Marina der Welt oder Europas. Egal – auf jeden Fall riesig und ziemlich steril. Dennoch findet man hier alles, was man für’s Segelboot braucht. Reparaturen, Händler, diverse Kräne – hier wirst du geholfen 😉 .

Marina Les Minimes

Nach La Rochelle wollen wir auf jeden Fall segeln – haben uns aber noch nicht so ganz entschieden, in welchem Hafen wir festmachen werden 😉 .

Stadtrundgang in La Rochelle

Bahnhof von La Rochelle

Mit dem Zug sind wir in 3,5 Stunden zurück in Redon. Hier ist es ganz schön windig – die Ausläufer des Tiefs, das gerade an der Küste entlang zieht, kommen bis hierher weit ins Landesinnere.

 

 

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La Vilaine/Foleux – La Vilaine/Redon

Freitag, den 26.07.2019
SW 2 Bft – 13 sm – 2h 34 min – Ø 5,1kn – gesamt: 890 sm

La Vilaine/Foleux – La Vilaine/Redon

Endlich hat es abgekühlt – nachts hat’s geregnet, jetzt ist der Himmel bedeckt und es tröpfelt immer mal wieder. Statt 35°C haben wir jetzt nur noch 23°C – das reicht auf jeden Fall. Wir putzen und schrubben unsere Ruby Tuesday – mit dem Süßwasser aus dem Fluss geht das hervorragend. Das war dringend nötig. Jetzt glänzt und strahlt unsere Ruby Tuesday wieder 🙂  – vor allem der Sand, den wir uns von den Stränden an Bord geschleppt haben, ist verschwunden.

Vormittags bekommen wir spontanen Besuch von Johannes, einem Schwimmkollegen von Peter und seiner Frau Sabine. Die beiden machen mit ihrer ganzen Familie Urlaub hier in der Nähe. Wir haben viel zu erzählen und die Zeit vergeht wie im Fluge. Mit dem Dinghi bringt Peter die beiden zurück an Land, dann machen wir uns auf, um nach Redon zu fahren.

Auf dem Weg dorthin versperrt eine Drehbrücke den Weg, die auch nur eher selten öffnet 😉 . Um 16:00 Uhr ist die nächste Öffnung, segeln können wir mangels Wind nicht, also motoren wir zügig zur Brücke in Cran und sind dort um 15:55 Uhr. Ich funke den Brückenwärter an, natürlich spreche ich mangels Französischkenntnissen den Namen der Stadt falsch aus 🙁 , aber der Brückenwärter versteht mich trotzdem 😉 . Kurze Zeit später öffnet sich die Brücke und der Weiterfahrt nach Redon steht nichts mehr im Wege.

Drehbrücke in Cran

Weiter geht’s

Auch mit dem Hafenmeister von Redon telefoniere ich, um zu erfragen, ob dort im Hafen Platz für uns ist. Es ist das erste mal, dass ein Hafenmeister kein Englisch spricht – irgendwie verständigen wir uns trotzdem, dass mich sein englischsprechender Kollege zurückruft. Das macht der junge Mann tatsächlich nach kurzer Zeit – wir können kommen, kein Problem, es sind genug Liegeplätze frei. Wir haben bisher überall die Erfahrung gemacht, dass die Franzosen Englisch sprechen, egal ob Hafenmeister, oder Verkäuferin im Supermarkt und ausgesprochen freundlich sind. Klappt es mal nicht mit Englisch, reichen meine paar Worte Französisch meistens aus, um weiter zu kommen. Und zur Not nehmen wir Hände und Füße dazu 😉 . Das geht allerdings am Telefon eher nicht 😉 .

Unterwegs am Ufer der Vilaine

Eine ganz besondere Boxenkonstruktion 😉

Ansteuerung von Redon

In Redon machen wir am Gästeponton im ehemaligen Schleusenbecken vor dem Hafenschlauch fest – auch hier endet das Hafenbecken wie in Vannes vor der Altstadt. Allerdings ist Redon weder vom Hafen noch von der Stadt mit Vannes zu vergleichen. Im Hafen liegen viele ziemlich runtergekommene alte Segel- und Motorboote und auch die Stadt wirkt nicht wirklich mittelalterlich.

Hafen von Redon

Charme hat Redon an den vielen Kanälen, die hier zusammentreffen.

In Redon gibt’s mehrere Kanäle, die sich kreuzen, Brücken und Schleusen

Ganz praktisch für uns ist der Bahnhof in Redon – wir fahren abends noch mit dem Zug nach Vannes und holen unser Auto – direkt am Hafen ist hier ein großer kostenloser Parkplatz.

Unser Liegeplatz in Redon

Blick nach vorne zur Vilaine

Am Liegeplatz kommen wir mit einem englischen Paar in’s Gespräch, das mit ihrem Motorboot über die Kanäle von Guernsey hierher gekommen ist. Die beiden sind in den letzten Tagen mit dem Zug nach Vannes geflüchtet und haben sich dort in einem Hotel einquartiert – es war ihnen hier einfach zu heiß 😉 .

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Île d’Hoëdic – La Vilaine/Foleux

Donnerstag den 25.07.2019
NW-SW 3 Bft – 33 sm – 7h 06 min – Ø 4,6kn – gesamt: 877 sm

Île d’Hoëdic – La Vilaine/Foleux

Ein letzter heißer Tag, dann soll es sich ein bisschen abkühlen 🙂 . Die Tide gibt uns vor, wann wir heute starten – um 06:00 Uhr schellt der Wecker, wir machen uns und unsere Ruby Tuesday startklar und schleichen uns leise aus dem Ankerfeld – wir sind wohl die ersten, die unterwegs sind, auf den anderen Booten rührt sich noch nichts.

Sonnenaufgang in der Ankerbucht der Île d’Hoëdic

Sonnenaufgang in der Ankerbucht der Île d’Hoëdic

Erst weht kaum Wind, so dass wir noch eine knappe Stunde motoren müssen, dann dreht der wenige Wind so wie vorhergesagt immer mehr auf NW und nimmt auf 3 Bft zu. Schnell ist das Großsegel gesetzt, die Genau ausgerollt und schon segeln wir bei schönstem Wetter auf spiegelglattem Wasser der Vilaine-Mündung entgegen.

Die Flüsse L’Aberwrac’h an der Nordküste der Bretagne und Odét in der Nähe von Concarneau haben uns so gut gefallen, dass wir gerne noch einen Abstecher in die Vilaine machen möchten, bevor es weiter nach Süden geht. Zeit haben wir genug und unser Törnführer beschreibt die Vilaine als ein Juwel, idyllisch und ruhig. Durch einen Damm mit Schleuse ist die Vilaine zu einem Trinkwasserreservoir aufgestaut, das tidenfreies Segeln garantiert – wenn der Wind aus der richtigen Richtung weht 😉 . Zwei mittelalterliche Städtchen liegen an der Vilaine – La Roche Bernhard und
ganz am Ende des mit stehendem Mast schiffbaren Wasserweges Redon, wo die Vilaine den Nantes-Brest-Kanal kreuzt. Wir wollen ein paar Tage hier bleiben, noch ein paar Landausflüge machen und das nächste Tief, das im Anzug ist, hier im Landesinneren gut geschützt abwettern – passt also alles 🙂 .

Die Mündung der Vilaine und das Fahrwasser bis zur Schleuse sind ziemlich flach, teilweise nur 50 cm, so dass wir nur bei auflaufendem Wasser und eigentlich nur kurz vor Hochwasser in die Vilaine einlaufen können – deshalb der frühe Start heute morgen 😉 .

Pünktlich sind wir kurz vor Hochwasser an der Mündung und eine Stunde später um 12:00 Uhr in Arzal an der Schleuse. Die öffnet aber erst wieder um 14:00 Uhr – das ist fast so wie bei den Bussen, die auch nur alle paar Stunden fahren 😉 . Wir machen in der Schleuse fest, ein paar Boote liegen wieder typisch französisch darin und warten, was so passiert.

Anlegen auf französisch

Jede Menge, denn es kommen noch einige Boote, die auch gerne schleusen wollen – alle passen aber trotz Geschiebe und Gedränge nicht in die Schleuse rein. Gegen 13:45 Uhr kommt der Schleusenwärter, bewaffnet mit einem langen Pikhaken und beguckt sich das Schauspiel, um dann um kurz vor 14:00 Uhr für Ordnung zu sorgen. Die Brücke über dem Schleusenbecken wird geöffnet, das Schleusenbecken vergrößert sich dadurch auf ungeahnte Größen, alle Boote müssen bis nach vorne aufrücken und siehe da, das Chaos hat ein Ende, alle finden einen Platz in der Schleuse. Das ganze erinnert sehr an das Schleusen in Holland, allerdings sind die Segler hier ein bisschen gelassener.

Platz ist für alle da

Der Run auf die besten Liegeplätze in den beiden Häfen hinter der Schleuse beginnt

Nach dem Schleusen können wir tatsächlich segeln 🙂 . Die Vilaine windet sich durch grüne Wiesen mit sanften, bewaldeten Hügeln, ab und an reichen die Bäume bis an’s Ufer.  Wir haben das Gefühl, dass wir in einer anderen Welt sind. Und es ist kaum Betrieb. Die Segler, die mit uns geschleust haben, bleiben fast alle in den beiden Häfen hinter der Schleuse.

So geht’s auch 😉

Wir genießen das Segeln durch fast unberührte Natur – heiß ist es allerdings immer noch 😉 , so dass wir heute noch nicht nach La Roche Bernhard oder Redon in den Hafen gehen, sondern lieber wollen wir an einer schönen Stelle im Fluss ankern oder an einer der vielen Moorings festmachen.

Ufer der Vilaine

La Roche Bernhard voraus

So segeln wir an La Roche Bernhard vorbei – man sieht, wie die Hitze über dem kleinen Ort und dem Hafen steht und legen uns kurz vor dem kleinen Hafen Foleux an zwei Moorings – eine vorne und eine hinten. Sobald wir unsere Ruby Tuesday gut festgemacht haben, springen wir in’s Wasser –  auch bei 26°C Wassertemperatur doch immer noch eine Abkühlung 😉 . Und das schöne ist – es ist Süßwasser 🙂 .

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Belle-Île-en-Mer – Île d’Hoëdic

Dienstag den 23.07.2019
S-SE 3 Bft – 13 sm – 3h 24 min – Ø 3,9kn – gesamt: 844 sm

Belle-Île-en-Mer – Île d’Hoëdic

Das tolle Sommerwetter hält an – Sonnenschein, blauer Himmel und ganz schön heiß 🙂 . Wir verbummeln den Vormittag an Bord, sortieren Fotos, schreiben den Blog weiter und schwimmen zur Abkühlung 🙂 .

Den ganzen Vormittag ist es fast windstill, doch gegen Mittag kommt von jetzt auf gleich Wind auf – genug, so dass ein Katamaran auf Drift geht. Der nähert sich ganz schön schnell dem felsigen Ufer. Da der Skipper an Bord ist, beobachten wir nur und starten keine Hilfsaktion mit unserem Dinghi, wie im vorletzten Jahr in Schottland. Doch irgendwie steht der Skipper tatenlos vor dem Anker und macht keine Anstalten, ihn hochzuholen und unter Motor Abstand von der Küste zu suchen. Erst als es fast zu spät ist, löst er sich aus seiner Erstarrung. Das ist ganz schön knapp 🙁 .

Warum auch immer dieser Katamaran auf Drift gegangen ist, wissen wir nicht. Wir haben aber mehrfach in den Ankerbuchten beobachtet, dass die französischen Segler sehr wenig Ankerkette stecken und niemals den Anker rückwärts einfahren. Das ist nicht nur schlecht für die Franzosen, auch wir fühlen uns da nicht wirklich wohl, denn driftende Boote können durchaus auch an anderen Booten Schaden anrichten. Außerdem haben wir mit unserer 6-fachen Wassertiefen-Kettenlänge einen ziemlich großen Schwojenkreis, der nicht zu dem kleinen Schwojenkreis der Franzosen passt. Weht beständiger Wind und alle Boote liegen in der gleichen Richtung – kein Problem. Bei Windstille und Strömung sieht das schon ganz anders aus – da liegen die Boote alle unterschiedlich und kommen sich auch schon mal ziemlich nahe. Wir versuchen deshalb immer, am Rand oder außen eines Ankerfeldes zu ankern – am liebsten natürlich alleine in einer Ankerbucht 😉 .

Erst gegen 16:00 Uhr setzt die Strömung Richtung Norden und der Wind nimmt ein bisschen zu. Wir holen unseren Anker hoch und segeln zur Île d’Hoëdic. Das heißt, wir versuchen zu segeln, machen aber nur knapp zwei Knoten Fahrt über Grund. Da wir unser Dinghi hinterherschleppen, ist das kein Wunder 😉 . Dann dreht der Wind auch noch auf Südost und wir können nicht mal mehr unseren Wegpunkt anlegen 🙁 . Unter Motor fahren wir die nächste halbe Stunde auf unseren Wegpunkt zu – dann kommt endlich richtig Wind auf und wir segeln unserem Ziel entgegen.

La Belle Fontaine – ein Wasserreservoir, das 80.000 Liter fasst, 1703 gebaut wurde und früher die Schiffe mit Süßwasser versorgte

Diesig ist es heute – wir sehen die Inseln Île d’Houat und Île d’Hoëdic nur ganz schemenhaft. Als wir um die letzten Felsen biegen und die Île d’Hoëdic ansteuern, sehen wir schon, dass die Franzosen ihre Inseln lieben 😉 . Hinter der Hafenmauer können wir jede Menge Mastspitzen sehen und auch die Ankerbucht westlich der Hafeneinfahrt ist ziemlich voll, aber auch groß. Wir suchen uns ein Plätzchen, lassen unseren Anker fallen und holen ihn kurze Zeit später wieder hoch 🙁 . Wir liegen in einem Sperrgebiet, in dem ankern verboten ist. Kein gutes Gefühl, also verlegen wir uns mitten in das Ankerfeld – an allen anderen freien Ankermöglichkeiten verlaufen unter Wasser Stromkabel – die wollen wir denn lieber nicht mit dem Anker treffen. Von unserer 6-fachen Wassertiefe-Kettenlänge können wir uns heute verabschieden – der Platz reicht gerade für die 3,5-fache Länge 🙁 . Darauf lassen wir uns auch nur ein, weil für nachts und auch für morgen sehr wenig Wind bzw. Windstille vorhergesagt ist.

Sonnenuntergang auf der Île d’Hoëdic

Über die Insel wandern wir natürlich auch – bei sengendem Sonnenschein. Eigentlich leben hier ganzjährig nur ein paar Hundert Bewohner, aber im Sommer kommen tausende Touristen auf die Insel. Fast können einem die Inselbewohner leid tun – der Campingplatz ist voll, es gibt diverse Ferienwohnungen, die Fähren spucken mehrmals täglich Tagesgäste aus und jede Menge Segler besuchen die Île d’Hoëdic – wir auch 😉 . Alles läuft durch die kleinen Straßen, an den Häusern vorbei, zur Kirche, an die Strände. Auf der anderen Seite leben die Inselbewohner von den Touristen – Mini-Supermarkt, Bäckerei und mehrere Bars, Restaurants und Cafés können nicht nur von den Inselbewohnern existieren. Bestimmt sind die Insulaner froh, wenn abends die letzten Tagesgäste auf der Fähre sind und wieder etwas Ruhe einkehrt.

Inselblume, die den Ansturm der Touristen überlebt hat

Groß ist die Île d’Hoëdic nicht, nur ca. 2 km lang. Sie ist auch nicht besonders hoch oder hügelig. Bäume oder Sträucher wachsen hier nicht, dafür viel Farn, Stechginster und Wiese. Alles ist ziemlich vertrocknet und verstaubt – es fehlt mal ein richtiger Regentag. Auch die vielen Blumen, die vor den weißgetünchten Häusern im Dorf stehen, sind entweder schon verblüht (Hortensien) oder vertrocknet (Stockrosen). Ein paar Blumen halten durch:

Im Dorf auf der Île d’Hoëdic

Auf unserer Wanderung über die Insel sehen wir, dass nicht nur in der Bucht, in der wir liegen, ziemliches Gedränge herrscht, sondern auch auf der Ostseite der Insel liegen jede Menge Segler vor Anker.

Ankerbucht in der Nähe des Hafens, da wo wir auch liegen

Ankerbucht auf der Ostseite

Im Hafen liegen für die Segler drei Mooringtonnen aus, an denen die Segelboote im Kreis festmachen. Auch hier ist reger Fährverkehr – Tagestouristen und Lieferungen für den Supermarkt und die Restaurants wechseln sich ab.

Mooringtonnen im Hafen – hier liegt man im Kreis 😉

Unsere Wanderung fällt wegen der stechenden Sonne eher kurz aus 😉 . Unter einem der wenigen Bäume im Dorf hat ein kleines Restaurant Tische und Stühle platziert – hier verbringen wir die Mittagszeit. Dann geht’s zurück auf unsere Ruby Tuesday – die wird erst mal mit allem Sommerequipment aufgerüstet 😉 . Sonnensegel und Windsack kommen zum Einsatz, die Sprayhood bauen wir ab, damit ein bisschen Wind durch’s Cockpit weht – so können wir es gut aushalten 🙂 .

Sonnensegel – lange nicht gebraucht

Auch die Île d’Hoëdic hat viel Charme und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Von den drei Inseln Belle-Île-en-Mer, Île d’Houat und Île d’Hoëdic ist die Insel Île d’Houat klar unser Favorit 🙂 . Jede Insel ist auf ihre eigen Art reizvoll – am besten gefällt uns aber die Insel Île d’Houat mit ihren schönen weißen Häusern und der üppigen Blumenpracht in den kleinen Gärten 🙂 .

Île d’Hoëdic zu Fuß

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Île d’Houat – Belle-Île-en-Mer

Samstag den 20.07.2019
SW-NW 3-4 Bft – 15 sm – 3h 05 min – Ø 5,0kn – gesamt: 831 sm

Île d’Houat – Belle-Île-en-Mer

Weiter geht’s zur Belle-Île-en-Mer, der größten und südlichsten der drei Inseln in der Bucht von Quiberon. Mit 18 Kilometern Länge kann man die Belle-Île nicht mal mehr so eben umwandern 😉 . Wir sind gespannt, ob sie ihren Namen zu Recht trägt 😉 .

Aber erst mal müssen wir dorthin segeln. Rund um die Île d’Houat liegen jede Menge Felsen im Wasser, Flachs, Untiefen oder auch Klippen, die gerade so eben überspült sind. Wir wollen zwischen den Inseln Île d’Houat und Île d’Hoëdic durch die Passage des Sœurs segeln. Die ist gut betonnt und trotz der flachen Stellen sollte es problemlos klappen.

Der Wind weht etwas mehr aus West, als aus Südwest, so dass wir prima Hoch-Am-Wind segeln können. Rechts können wir noch einen Blick auf die schöne Île d’Houat werfen, die uns wirklich super gut gefällt, links liegt die Île d’Hoëdic, die uns auch schon ganz neugierig macht – der Besuch muss noch ein paar Tage warten 😉 . Vor uns liegt die Belle-Île – eigentlich wollen wir in Port Maria an der Südküste den Anker fallen lassen, segeln aber doch erst mal noch an der Ostküste entlang. Eine Sandbucht nach der anderen reiht sich hier zwischen den Klippen aneinander – ein tolles Bild. Es ist Samstag, sonnig und sehr warm – also jede Menge Betrieb an den Stränden 🙂 .

Vor dem Plage de Bordardoué oder auch Port Salio gehen wir vor Anker – in guter Entfernung vom Strand und der 2 Meter Linie – entgegen der Wettervorhersage dreht der Wind auf Nordwest und wir liegen fast auflandig. Auch diese Bucht ist ziemlich groß und wir liegen mittendrin – alleine 😉 . Einige Segelboote liegen etwas weiter nördlich und auch geschützter in der Bucht vor Port Guen, aber in unserer Seekarte ist der Meeresboden als Felsen ausgewiesen – nicht so gut zum Ankern 🙁 . Hier liegen wir auf Sand und bleiben erst mal liegen.

Port Salio

Nach einer angemessenen Mittags- und Ruhepause nach dem anstrengenden Schlag von 15 Seemeilen 😉 machen wir uns gegen 17:00 Uhr auf einen ersten Erkundungsgang Richtung Hauptort der Insel – Le Palais. Ich möchte gerne noch ein bisschen einkaufen und auch Infos über die Belle-Île, Fahrrad- und Autoverleih und Busfahrplan im Tourismus-Büro besorgen. Weit ist es nicht bis nach Le Palais – über den Küstenwanderweg geht’s mit einer tollen Aussicht auf das Festland, die Inseln Île d’Houat und Île d’Hoëdic und die Küste der Belle-Île nach Le Palais. Oberhalb des Hafens von Le Palais kommen wir aus.

Hafen von Le Palais

Es ist viel Betrieb im Hafen – Fähren kommen und fahren, Tagesgäste oder Urlauber warten auf ihre Fähre. Auch viele Autos stehen in langer Schlange und warten darauf, dass sie auf die Fähre fahren dürfen.

Fährbetrieb in Le Palais

Vorbereitungen für die Autos

Nur Segelboote liegen kaum im Hafen – das haben wir ganz anders erwartet. Eine Reihe liegt zwischen Kette an der Hafenmauer und Mooring, nur zwei Segelboote liegen in zweiter Reihe.

Auch im inneren Hafenbecken, das nicht trocken fällt, ist an den Schwimmstegen noch Platz – wenn auch im Päckchen, aber immerhin 🙂 .

Le Palais

Inneres Hafenbecken

Tauschen möchten wir trotzdem nicht – es ist uns viel zu trubelig hier und auch viel zu heiß. Hier weht kein Lufthauch 🙁 . Vor der Einfahrt zum Hafenbecken liegen einige Moorings aus, aber auch hier zu liegen ist nur zweite Wahl – die Fähren sorgen für erheblichen Schwell und schaukeln die Boote an den Moorings ganz schön durch. Ganz unangenehm empfinden wir die Achtung-Signale, die die Fähren beim Ein- und Auslaufen in voller Lautstärke geben (müssen) – auch abends um 23:00 Uhr noch. Trägt vermutlich nicht zu ungestörter Nachtruhe bei 😉 .

Nach unserem Einkauf im Supermarkt laufen wir über die kleinen Landstraßen zurück zu unserer Ankerbucht – eigentlich ein schöner Weg, aber ohne Bürgersteig oder Fahrradweg. Einige Autofahrer sorgen dafür, dass wir ganz sportlich zur Seite springen müssen, um nicht umgemangelt zu werden 🙁 .

Zurück an Bord verlegen wir uns dann doch zu den anderen Segelbooten in den geschützteren Bereich der Bucht – hier ist nicht ganz so viel Schwell und die Steilküste gibt guten Schutz vor dem inzwischen doch stärkeren Wind. Der Anker hält sofort – auf Sand und nicht auf Felsen, wie im Törnführer beschrieben. Port Guen hat noch einen anderen Vorteil – die Wellen brechen sich kaum am Strand, ganz anders als bei Port Salio. Da bin ich nur ziemlich durchnässt in’s Dinghi gekommen 😉 .

Strand von Port Guen

In Port Guen bleiben wir für die nächsten Tage liegen – ein schöner Platz, nah an Le Palais, aber leider doch auch je nach Strömung und Wind zeitweise Schwell, der auch schon mal ein Messer vom Tisch kegelt 😉 . Inzwischen haben wir uns an diese Schiffsbewegungen vor Anker gewöhnt, sie stören uns nicht mehr wirklich – meistens zumindest 😉 . Das war zu Beginn dieses Törns noch ganz anders!

In den nächsten Tagen gucken wir uns Belle-Île mit dem Bus und zu Fuß an. Das geht prima, denn zu allen sehenswerten Orten kann man bequem mit dem Bus fahren, von dort wandern und an anderer oder gleicher Stelle wieder in den Bus einsteigen. Zum Fahrradfahren fehlen uns die Fahrradwege – auch über die kleinen Straßen rasen die Busse und Autos 🙁 . Landschaftlich ist Bell-Île abwechslungsreich – wild zerklüftete Steilküste an der Westseite, lange Sandstrände zwischen hohen Felsen an der Ostseite und dazwischen eine leicht hügelige Hochebene auf der sich Gras- und Heideflächen abwechseln, auf der aber auch kleine Kiefernwälder und Getreideäcker vorkommen.

Nachdem wir uns durch Le Palais haben treiben lassen, fahren wir nach Sauzon, dem zweitgrößten Ort, der auch eine Fährverbindung mit Quiberon und einen schönen Hafen hat.

Sauzon

Die bunten Häuser von Sauzon sind entlang des Naturhafens gebaut, der am Ende eines langen Tals liegt. Wir sind zu Niedrigwasser hier – ein großer Teil des Hafens fällt trocken – gut für Boote, die sich trocken fallen lassen können 🙂 . Sauzon strahlt mit seinen verschachtelt gebauten Häusern eine fast mediterane Atmosphäre aus.

Sauzon

Auch hier gibt’s viele Touristen, Cafés, Restaurants und Bars, aber es geht hier doch viel entspannter zu, als im wuseligen Le Palais 😉 .

Rosa Haus mit blauem Fahrrad in Sauzon – dieses Motiv sehen wir später auch auf einer Postkarte 😉

In Sauson starten wir unsere Wanderung entlang der Ostküste bis zum Pointe des Poulains ganz im Norden der Belle-Îles. Zwischen dichtem Ginster- und Farngestrüpp führt der Küstenwanderweg oberhalb der zerklüfteten Uferfelsen bis zum Leuchtturm beim Pointe des Poulains. Das ist eine Halbinsel, die bei Niedrigwasser erreicht werden kann.

Küstenwanderweg

Am steilen Westufer des Pointe des Poulains liegt das Fort Sarah Bernhardt – hier verbrachte die Schauspielerin viele Sommer, heute ist es ein Museum, das die Lebensgeschichte von Sarah Bernhardt, aber auch historische Gesichtspunkte der Inselgeschichte zeigt.

Fort Sarah Bernhardt

Wieder einmal fasziniert uns die schroffe Küste – hier kann man die kleine Schwester der Langen Anna von Helgoland sehen 😉 , aber auch andere zerklüftete Felsformationen begeistern uns.

Kleine Schwester der Langen Anna

Westküste der Belle-Île

Grotte de l’Apothicairie

Wir wandern noch bis zur Grotte de l’Apothicairie, in die man aber wegen Absturzgefahr nicht mehr absteigen darf. Unterwegs kommen wir an dem Lieblingsankerspot der Franzosen vorbei – Ster-Wenn. Das ist ein ziemlich schmaler Fjord, in dem man nur mit Landleinen ankern kann. Zum Schwojen fehlt der Platz. Ganz schön kuschelig  – die Franzosen lieben es. Wir eher nicht 😉 .

Ster-Wenn

Hier kann man nur mit Landleine liegen – zum freien Ankern ist der Fjord zu schmal

Wir haben genug Sonne getankt 😉 und fahren mit dem Bus zurück nach Le Palais.

Zurück an Bord unserer Ruby Tuesday suchen wir Schatten – und Abkühlung im Atlantik, der hier immerhin 19°C warm ist!

Morgenstimmung in Port Guen

Noch einmal geht’s mit dem Bus zur Westküste – diesmal nach Port Coton. Hier stehen besonders auffällige Felsnasen vor der Küste, die auch schon Claude Monet faszinierten. Er lebte einige Zeit auf der Bell-Île und hat mehrere Motive für seine Bilder an der Westküste gefunden.

Port Coton

Port Coton

Heute ist es uns zu warm, um länger an der Küste zu bleiben – kein Baum, kein Strauch sorgen hier für ein bisschen Schatten. Noch einmal schlendern wir durch Le Palais – diesmal zur Mittagszeit. Da ist es doch sehr viel ruhiger.

Einen kurzen Abstecher machen wir zur Citadelle-Vauban, die oberhalb des Hafens thront und Hafen und Le Palais im 18. Jahrhundert vor feindlichen Angriffen schützen sollte.

Aber auch hier brennt die Sonne gnadenlos und auf das historische Museum in der Citadelle-Vauban haben wir gerade nicht wirklich Lust – also geht’s zurück zum Boot …. und in’s Wasser 🙂 .

Belle-Île zu Fuß und mit dem Bus

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Île Longue – Île de Houat

Donnerstag den 18.07.2019
W-SW 3-4 Bft – 12 sm – 2h 34 min – Ø 4,8kn – gesamt: 816 sm

Île longue – Île de Houat

Gespannt, ob Peters Reinigungsaktion gestern erfolgreich war, oder ob die Vibrationen doch einen anderen Grund haben, lösen wir um 08.00 Uhr die Tampen von der Mooring. Unsere Ruby Tuesday nimmt sofort Fahrt auf, keine Vibrationen – alles im grünen Bereich 🙂 . Es war tatsächlich der dicke Bewuchs an der Schraube, der für das unrunde Laufen verantwortlich war. Glück gehabt, dass es nur das ist und der Rumpf frei von Muscheln oder anderem Bewuchs ist. Das alles beim Tauchen abzukratzen, ist schon eine Herausforderung 😉 .

Mit gerade beginnendem ablaufenden Wasser verlassen wir den Golfe du Morbihan – wirklich ein schönes, geschütztes Segelrevier mit vielen netten Ankerplätzen 🙂 . Leider macht die Sonne heute Morgen erst mal Pause – es ist bewölkt und etwas später setzt Nieselregen ein. Wir setzen die Segel und machen uns auf den Weg zur Île de Houat – eine der drei vorgelagerten Inseln der Bucht von Quiberon. Die nächsten Tagen werden wir auf der Île de Houat, der Belle-Île und der Île de Hoedic verbringen – mal wieder vor Anker in hoffentlich nicht zu vollen Buchten 😉 .

Wir genießen das Segeln in vollen Zügen – der Wind kommt mit 3-4 Bft aus West bis Südwest. Das passt gerade richtig für einen Am-Wind-Kurs 🙂 . Viel zu schnell sind wir vor der Bucht Tréac’h er Gourhed am östlichen Ende der Île Houat. Gelb leuchtet der Sandstrand, ein paar Felsen schützen die Bucht an ihren Ausläufern und jede Menge Segler liegen hier vor Anker. Leer ist anders 😉 .

Bucht Tréac’h er Gourhed

Uns kommen aber auch viele Segler entgegen – ein bisschen wie die Flucht aus dem Paradies, oder das Frühstück ist gerade beendet 😉 . Wir suchen uns einen Platz zwischen den Ankerliegern und lassen unseren Anker auf gut 3 Metern Wassertiefe fallen. Erst nieselt es noch ein bisschen, ab mittags kämpft sich die Sonne so langsam durch die Wolken. Die frei gewordenen Ankerplätze werden schnell wieder von ankommenden Seglern besetzt – in unserem Törnführer heißt es, dass die Tréac’h er Gourhed ein Geheimtipp der Bretagne sei und den schönsten Strand habe. Dort steht aber auch, dass die Nächte wegen der Brise de Terre zu sehr lebendigen Pyjamaparties führen, die Schiffe von Seite zu Seite rollen oder gerne auch durch die Bucht driften – wir sind gespannt 😉 . Wie immer haben wir zumindest unseren Anker sehr gut eingefahren – auf alles andere haben wir nicht wirklich Einfluss 😉 . Moorings sucht man in dieser und den anderen Ankerbuchten rund um die Insel vergebens – 🙂 – nur an der Nordseite vor dem Hafen St. Gildas liegen ein paar Visitor-Moorings aus.

Hafen St. Gildas

Groß ist die Île de Houat nicht, nur ca. 5 km lang und 1,5 km breit. Geformt ist sie wie ein Hummer – der wunderschöne Strand vor dem wir und gefühlt hunderte, gezählt aber tatsächlich nur 55 andere Segler ankern 😉 liegt zwischen den Scheren des Hummers.

Blick vom Biergarten auf die Ankerbucht Tréac’h er Gourhed

Obwohl so viele Segler in dieser Bucht vor Anker liegen, ist es nicht eng, laut oder unangenehm. Es ist viel Platz zwischen den Booten, die Nacht ist entgegen der Ankündigung in unserem Törnführer ruhig – weder gehen Boote auf Drift, noch liegen die Schiffe unruhig. Liegt vielleicht auch am Wetter – es ist nicht sehr windig 🙂 .

Wer hier Animation, Unterhaltung oder besonderen Komfort sucht, sucht vergebens. Auf der Île de Houat gibt es viele schöne Badebuchten mit gelbem, feinen Sand, schöne Wanderwege rund um und über die Insel und ein ganz idyllisches Dorf mit vielen weiß getünchten Häusern und einer unbeschreiblichen Blumenpracht. Hortensien, Stockrosen, Rosen , Fuchsien und lila Blumen, die wir auch von den Kanalinseln und den Scilly Inseln kennen. Das Klima, die Blumen und die Landschaft erinnern sehr an diese beiden Inselgruppen.

St. Gildas

St. Gildas

So gaaanz langsam freunden wir uns dann doch mit der Bretagne an – zu Beginn unseres Sgeltörns hatten wir da doch so unsere Schwierigkeiten 😉 . Aber hier ist es einfach nur schön – wir freuen uns schon auf die nächsten Inseln!

Auf einer langen Wanderung über die kleine Insel laufe ich an der schroffen Westküste entlang – aber auch hier gibt´s zwei sehr schöne Ankerbuchten mit Sandstrand zwischen den Felsen.

Bucht Treac’h Salus auf der Westseite

Küstenpfad an der Westküste

Die Insel ist leicht hügelig, wenig Bäume wachsen darauf – dafür sind die Winterstürme vermutlich zu heftig. Es gibt viel Stechginster, Heide und Wiese. Die Ostseite ist lieblicher – hier reiht sich eine Sandbucht an die nächste. Bei Wind aus jeder Richtung kann man vor der Île d’Houat einen guten und sicheren Ankerplatz finden.

Portz Ler auf der Ostseite

Faszinierend ist die Ruhe auf der kleinen Insel. Es gibt kaum Autos, außerhalb des Ortes auch nur Schotterwege, die sich gerade so für Radfahrer eignen – besser ist man hier zu Fuß unterwegs 😉 , denn nur so kann man auf den schönen Küstenpfaden die Insel umrunden 🙂 .

Unterwegs auf der Insel Île d’Houat

Seit wir wieder in Frankreich sind, haben wir hochsommerliches Wetter – Sonnenschein von einem strahlend blauen Himmel, gelegentlich mal ein paar Wolken, Temperaturen um 24°C oder etwas mehr im Schatten und immer eine leichte Brise 🙂 . Zu Beginn unserer Reise waren wir ja etwas skeptisch, ob wir mit dem warmen Wetter nach den vielen Segelreisen im doch eher unterkühlten Norden überhaupt klarkommen. Sonnenanbeter sind wir beide nicht, Temperaturen um 20°c reichen uns eigentlich. Jetzt genießen wir die Wärme dann doch – es ist schon toll, nur eine Shorts und ein T-Shirt anzuziehen und beim Segeln nicht zu frieren 🙂 . Abends und nachts kühlt es so gut ab, dass wir prima schlafen können und morgens um die 18°C im Schiff haben.

Wir graben aus unseren Stauräumen Klamotten aus, die wir seit Jahren unbenutzt durch die Gegend segeln – das Sonnensegel, das wir 2002 gekauft und nur einmal auf den Kanalinseln gebraucht haben, haben wir zumindest schon mal gelüftet 😉  – gebraucht haben wir es noch nicht. Unsere Sprayhood ist so schön groß, dass wir bei Regen und auch bei Sonne darunter perfekt geschützt sind. Aber wer weiß, vielleicht kommt das Sonnensegel ja doch noch zum Einsatz 🙂 . Gebraucht haben wir schon unser Lüftungssegel, das wir auch seit 2002 durch die Gegend segeln. Das Lüftungssegel ist aus ganz dünner Fallschirmseide gefertigt und wird mit einem Fall aus der Salonluke so weit hochgezogen, dass die vier Enden mit Gummis oder Tampen im Salon abgespannt werden können. Es bläht sich auf und leitet die Luft schon bei der leichtesten Brise ins Innere – manchmal so viel, dass wir nicht daneben sitzen können, ohne das Gefühl zu haben, dass es fast unangenehm zieht 😉 . Ein super leichtes, kleines Teil mit großer Wirkung 😉 . Wer hätte das vor einem Jahr gedacht, das wir unser altes Equipment tatsächlich mal einsetzten können 😉 . Für den weiteren Weg nach Süden sind wir mit dieser Ausstattung und genügend Wasser zum Abkühlen und Schwimmen bestimmt gut gerüstet 😉 .

Immer dort, wo es geht ankern wir – auf dem Wasser ist immer frischere Luft und dort weht meistens einbisschen Wind – ganz anders als in den Häfen. Und wenn’s doch zu heiß wird oder wir uns heiß gewandert haben, können wir jederzeit in’s Wasser springen 🙂 . Unschlagbare Vorteile hier im Süden!

Ankerplatzkino

Voll entspannt

Île d’Houat zu Fuß

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Vannes – Île Longue

Mittwoch, den 17.07.2019
W 1-2 Bft – 9 sm – 1h 49 min – Ø 5,1kn – gesamt: 804 sm

Vannes – Île Longue

Nachdem wir gestern unser Auto in einem Wohngebiet in der Nähe des Bahnhofs gut abgestellt haben, geht unser Segeltörn durch die Bretagne weiter 🙂 . Ab 08:00 Uhr werden die Schleuse und die Brücke im Kanal von Vannes geöffnet – das ist schon Hochwasserzeit – Zeit für uns, pünktlich aus der Box zu fahren, damit wir an den flachen Stellen im Kanal genügend Wasser unter dem Kiel haben. Bei ablaufendem Wasser kommt es nicht so gut, wenn man zu spät ist 😉 .

Ohne Wind und fast ohne Strömung fahren wir aus unserer Box – unsere Ruby Tuesday läßt sich kaum steuern, reagiert nur sehr schwerfällig auf alle Ruderausschläge 🙁 . Da stimmt wohl etwas nicht. Wir fahren ein Stück den Kanal entlang – je höher die Drehzahl, um so mehr vibriert das ganze Schiff. Richtig Geschwindigkeit nimmt unsere „Dicke“ auch nicht auf. Es fühlt sich so an, als wenn die Schraube unrund läuft – der erste Gedanke ist, dass wieder ein Propellerblatt fehlt. Aber auch unsere Logge zeigt nichts an. Na, da hat unserer Ruby Tuesday die drei Wochen Segelpause wohl nicht so gut getan 😉 . Vermutlich fühlen sich Muscheln, Algen, Schnecken oder sonstiger Bewuchs wohl wieder sehr wohl an Stellen, wo sie nicht hingehören. Das Problem hatten wir im letzten Jahr nach unserer Pause in Arklow ja auch schon. Anders als im letzten Jahr ist in diesem Jahr der Wasserpass sauber, allerdings können wir durch das brackige Wasser im Hafen auch nicht sehen, ob das Unterwasserschiff bewachsen ist.

Von Vannes zur Île Longue – diesmal im Sonnenschein

Kleine Felsenkapelle im Golfe du Morbihan

Statt zur Île Houat zu segeln, machen wir kurz vor dem Ausgang des Golfe du Morbihan vor der Île Longue an der gleichen Mooring fest, an der wir schon vor ein paar Wochen lagen – es gibt Schlimmeres, als hier bei schönstem Sommerwetter einen weiteren Tag im Golfe du Morbihan zu verbringen 😉  Aber bevor wir genießen und entspannen können, müssen wir erst mal unser Unterwasserschiff checken – im schlimmsten Fall muss unsere Ruby Tuesday aus dem Wasser, um allen Bewuchs abzukratzen. Das wäre in Port du Crouesty direkt außerhalb des Golfe du Morbihan möglich. Aber zuerst versuchen wir mal, uns selbst zu helfen. Wir haben Springzeit und die Strömung ist entsprechend stark. Selbst in der Bucht außerhalb des Fahrwasser strömt es gewaltig. Erst kurz vor Stillwasser macht sich Peter zur Unterwasserschiffinspektion fertig.

Vorbereitungen zum Tauchen

Seit 18 Jahren hat Peter ein nonprofessional-Tauchequipment an Bord – Neoprenanzug, Flossen, Taucherbrille, Bleigurt und einen Tauchkompressor (Powerdive Deck Snorkel), der über die 12 Volt Hecksteckdose betrieben wird. Mit einem Schlauch ist der Kompressor mit einem Ausgleichsgefäß verbunden, von dem wiederum ein Schlauch zum Mundstück führt und dafür sorgt, dass Peter auch unter Wasser Luft bekommt 😉 . Getestet hat Peter das alles mal im Schwimmbad vom Ijsselmaar – aber das ist eben schon 18 Jahre her. Bisher haben wir die Ausrüstung nie gebraucht bzw. war es bei den Wassertemperaturen im hohen Norden einfach zu kalt, um einfach mal zu probieren, ob noch alles funktioniert.

Das hat Peter dann unfreiwilliger Weise heute getan – zum Glück ist heute wieder ein sonniger, heißer Hochsommertag und die Wassertemperatur im Golfe du Morbihan liegt bei 19°C – frieren muss er nicht 😉 . Überraschenderweise funktioniert die ganze Ausrüstung nach dem langen Dornröschenschlaf auf Anhieb tadellos – gut gesichert mit einem langen Tampen taucht Peter das Unterwasserschiff ab.

Los geht’s

Der Rumpf ist glatt wie ein Babypopo, aber die Propellerblätter sind von einer dicken grauen Schicht (was auch immer das ist) mehrere Zentimeter bewachsen. Auch die Logge sitzt mit dem grauen Zeug zu. Das Bugstrahlruder ist nur außen befallen, der Tunnel des Bugstrahlruders hat kaum Bewuchs. Ausgerüstet mit einem Spachtel macht sich Peter auf seinen zweiten Tauchgang und schickt den ganzen grauen Bewuchs zum Teufel.

Bewuchs an den Propellerblättern, der Logge und an der Saildrive-Manschette

Offensichtlich müssen wir die Propellerblätter zukünftig mit einem speziellen Antifouling streichen – das war bisher nicht nötig. Das Antifouling für den Rumpf erfüllt seinen Zweck bestens – hoffen wir, dass es so bleibt 🙂 .

Nach getaner Arbeit genießen und entspannen wir – mit typisch französischen Häppchen – verschiedenen Käsesorten, Salami, Pastete, gesalzener Butter und natürlich Baguette. Auf Wein und Cidre verzichten wir wegen der Sonne dann doch lieber 😉 . Es gibt Schlimmeres … siehe oben 🙂 .

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Landausflüge und zurück an Bord

Samstag, den 13.07.2019 – Dienstag, den 16.07.2019

Nach einem sehr schönen und intensiven Enkelkinderheimaturlaub sind wir zurück in Frankreich. Nicht mit dem Zug und auch nicht mit dem Flugzeug, sondern mit unserem eigenen Auto 😉 . Unsere weitere Reise machen wir abwechselnd mit Segelboot und Auto  😉  – auch im Landesinneren gibt’s viel zu sehen. Wie praktikabel das ist, wird sich dann zeigen 😉 . Bis Rennes fahren wir am Samstag – hier machen wir einen Übernachtungsstopp, um uns die mittelalterliche Altstadt von Rennes anzugucken und am Sonntag weiter durch den Wald von Brocéliande nach Vannes zu unserer Ruby Tuesday zu fahren. Seit drei Wochen liegt sie jetzt in Vannes – wir wollen natürlich wissen, ob alles ok ist.

Samstag, 13.07.2019

Als wir in Rennes ankommen, sind wir erst mal ziemlich enttäuscht – Rennes ist eine Großstadt mit allem, was zu einer modernen Großstadt gehört. Schmuddelige Vororte, viel Industrie in der Peripherie, viel Verkehr – nichts lässt darauf schließen, dass im Stadtteil Les Lices etwas von der ehemals mittelalterlichen Atmosphäre übriggeblieben ist. Wir fahren weiter bis in die Altstadt Les Lices und finden dort in einem Parkhaus auch einen tatsächlich bezahlbaren Parkplatz 😉 . Das Parkhaus liegt direkt am Place de Lices, auf dem heute der Wochenmarkt stattfindet. Die verschiedenen Gerüche, die uns entgegenschlagen, als wir aus dem Parkhaus kommen, hauen uns förmlich um – es ist heiß, die Sonne scheint gnadenlos vom blauen Himmel und eine Mischung aus Gerüchen nach Fisch, Urin, verkokeltem Fleisch, Kloake, Kuchen, Schweiß und Parfum reizt unsere Geruchsnerven. Wir flüchten vor diesem Geruchscocktail erst mal in die Cathédrale-St. Pierre 😉 .

Cathédrale St-Pierre

Dann lassen wir uns durch die engen Straßen und Gassen der Altstadt treiben – viele gut erhaltene Fachwerkhäuser mit Holzschnitzereien, Blumen und Balkonen sorgen für eine nette Atmosphäre.

Altstadt von Rennes

Junge Leute bevölkern die Restaurants und Cafés – eine lebendige Stadt durch die vielen Studenten 🙂 . Obwohl wir inzwischen doch schon einige mittelalterliche Altstädte gesehen haben, sind wir von den prächtigen Fachwerkhäusern und der damit verbunden Stimmung immer wieder fasziniert!

Sonntag, den 14.07.2019

Sanfte Hügellandschaften, Wälder, Wiesen und Felder und viel Landwirtschaft, aber auch zahlreiche Gewässer und bezaubernde kleine Orte mit den typischen bretonischen Häusern und einer unendlichen Blumenpracht sind charakteristisch für das Hinterland der Bretagne. Auf dem Weg zum Wald von Brocéliande fahren wir durch genau diese typische Landschaft 🙂 . Manchmal erinnert sie uns an die holsteinische Schweiz, manchmal fährt man vermeintlich durch das Sauer- oder Münsterland 😉 .

Im Wald von Brocéliande begegnen sich die faszinierende, oft romantische Landschaft der hier ziemlich mystischen Bretagne und die Sage von Artus´ Tafelrunde, des Zauberers Merlin und der Fee Viviane. Mehrere legendenumwobene Orte kann man im Wald von Brocéliande besuchen und sich von der Atmosphäre verzaubern lassen 😉 .

Geschichtenerzähler – macht auch mal Pause

In Paimpont, dem Hauptort der Region, treffen wir uns mit Angelika und Roland, die gestern südlich von Rennes ein Ferienhaus bezogen haben, um in der Bretagne Urlaub zu machen. Auch heute ist es wieder ziemlich warm, so dass es uns erst mal in den Schatten des Klostergartens der Abteikirche zieht 😉 – ein wunderschöner, idyllischer Platz mit Hortensien in allen Farben und vor allem ruhig und weit ab von dem Gewusel im Zentrum des kleinen Dorfes. Wir haben viel zu erzählen und die Zeit vergeht wie im Flug!

Klostergarten

Klostergarten

Auch die Abteikirche besichtigen wir:

Heute treffen sich in Paimpont Schmiede, die das alte Handwerk sehr anschaulich darstellen – trotz des warmen Wetters gucken wir den Schmieden lange zu:

Einer der eher mystischen Orte im Wald von Brocéliande ist das Tal ohne Wiederkehr in Tréhorenteuc. Der Sage nach ist die tiefe Schlucht das Reich der Fee Morgane. Morgane hielt hier ihren untreuen Liebhaber gefangen, später auch alle anderen untreuen Männer, die zufällig des Weges kamen. Erst Lancelot gelang es, den Zauberbann zu brechen und die Gefangenen zu befreien. Wir wandern in das Tal, über Hügel mit einer tollen Aussicht in die Umgebung und zurück am kleinen Fluss durch die tiefe Schlucht – tatsächlich ein mystischer, wunderschöner Ort 🙂 . Weder Morgane noch zurückgebliebene Liebhaber haben wir gesehen 😉 .

Im Tal ohne Wiederkehr:

Abends sind wir wieder auf unserer Ruby Tuesday – sieht aus, als wenn sie unsere fast dreiwöchige Abwesenheit gut überstanden hätte – nur ein bisschen schmutzig ist sie! Aber das können wir ja mit genug Wasser und Muskelkraft schnell ändern.

Montag, den 15.07.2019

Heute machen wir eine größere Tour Richtung Nordwesten – hier und fast nur hier gibt´s die Enclos Paroissiaux, die umfriedeten Pfarrbezirke. In Pleyben gibt’s einen der schönsten umfriedeten Pfarrbezirke der Bretagne – den wollen wir uns ansehen.

Auf dem Weg dahin fahren wir nach La Trinité-sur-Mer, dem Mekka der Highspeed-Seglerszene. Riesige Trimarane und Katamarane liegen dort an einem Steg – gigantische Teile! Eines davon haben wir vor der Île de Groix ja in Aktion gesehen 😉 .

Das hier ist eine ganz andere Segelwelt, als die, in der wir uns bewegen 😉 . Fahrtensegeln und Regattasegeln sind eh schon wie Feuer und Wasser, aber eine ganz andere Liga sind diese Rennziegen. Nicht unsere Welt – wir bleiben beim gemütlichen Fahrtensegeln 😉 .

In Carnac, einem Nachbarort von La Trinité-sur-Mer, stehen auf mehreren von Straßen und Wäldchen unterbrochenen Feldern fast 3.000 Menhire in mehreren parallel verlaufenden Reihen. Keiner weiß, warum die Menhire hier stehen – die abenteuerlichsten Theorien erfahren wir im Maison de Mégalithes. Egal, warum die Menhire hier stehen – es ist auf jeden Fall ein beeindruckendes Bild!

 

Die Halbinsel von Quiberon hat auf beiden Seiten lange Strände – auf der Ostseite eher sanft, flach und gut geschützt gegen den Westwind, auf der Westseite liegt die Côte Sauvage, die wilde Küste. Heute zeigt sie sich eher zahm und friedlich – es ist fast windstill. Dennoch tummeln sich jede Menge Wellenreiter hier und versuchen mehr oder weniger erfolgreich, auf den Wellen zu surfen 🙂 . Bei Sturm aus West trägt die Küste ihren Namen bestimmt zu Recht.

Am Belon Fluss machen wir Mittagspause. Bei Anne de Belon gibt’s Belon-Austern mit Blick auf den Fluss – ein traumhaft schönes Plätzchen 🙂 . Die Austern sind auch ganz gut 😉 .

Am Belon

Bei Anne de Belon

Mittagessen mit Aussicht

Auf unserem Weg nach Pleyben besichtigen wir noch kurz die mittelalterliche Stadt Quimper. Fast hätten wir sie mit unserer Ruby Tuesday erreicht, aber auch eben nur fast. Als wir auf dem Odet Fluss gesegelt sind, sind wir bis fast nach Quimper den Fluss hochgefahren, mussten aber umkehren, weil wir im Fluss keinen Liegeplatz gefunden haben. Das letzte Stück bis Quimper hätten wir dann mit dem Dinghi fahren müssen, weil eine Brücke den Weg versperrt. Passte alles nicht, aber mit dem Auto kann man Quimper ja auch erreichen 😉 . Auch Quimper hat eine große Kathedrale – auffällig daran ist, dass der Chor und das Mittelschiff nicht in einer Achse liegen, sondern einen leichten Knick haben. Erklärungen dafür gibt’s nicht 😉 . Na ja, den Baumeister kann man ja auch nicht mehr fragen 😉 .

Kathedrale von Quimper

Kirchenschiff mit Knick

Durch Quimper fließt die Odet – viele blumengschmückte Brücken durchziehen die kleine Stadt. Gemütlich ist es hier – viele Fachwerkhäuser, Cafés, Restaurants, Geschäfte, aber keine Hektik. Eine sehenswerte, alte Stadt!

Ja und dann sind wir endlich auch in Pleyben – erst mal ziemlich enttäuscht, denn der rechte Kirchturm ist wegen Renovierungsarbeiten komplett eingekleidet 🙁 . Dennoch ist der Enclos Paroissiaux faszinierend. Ein umfriedeter Pfarrbezirk – der Enclos Paroissiaux – ist eines der typischen Kunstwerke der bretonischen Dörfer, hauptsächlich im Nordwesten der Bretagne, entstanden im 16. und 17. Jahrhundert. Eigentlich ist es nichts anderes, als das Kirchengelände 😉 . Fünf charakteristische Bauwerke kennzeichnen den Enclos Paroissiaux – das Eingangstor (Triumphtor), die Kirche, das Beinhaus, der Calvaire (Kalvarienberg) und die Mauer, die den ganzen Komplex umfriedet. Das eigentlich Besondere an den Enclos Paroissiaux ist der Calvaire, ein typisch bretonisches Bauwerk, das die Passionsgeschichte darstellt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit und mit viel künstlerischer Freiheit. Oft werden die Figuren in traditioneller Kleidung ihrer Entstehungszeit dargestellt.

Calvaire von Pleyben

Ein Geschichtsstudent, der hier ein Praktikum macht, führt uns durch den Enclos Paroissiaux und erklärt uns sehr detailliert alle Feinheiten. Die Kirche ist mit ihren vielen farbigen Holzarbeiten ebenso faszinierend, wie der Calvaire mit den unterschiedlichen Figuren 🙂 .

Gerne würden wir uns noch andere Enclos Paroissiaux ansehen, die sind aber dann doch zu weit entfernt. Spät sind wir zurück auf unserer Ruby Tuesday und lassen den Tag im Cockpit in der Sonne ausklingen.

Dienstag, den 16.07.2019

Auf einem letzten kurzen Ausflug, bevor es dann mit unserer Ruby Tuesday wieder auf dem Wasser weiter geht 😉 , besichtigen wir die Salzgärten auf der Halbinsel Guérande. Angeregt durch den Bretagne-Krimi „Bretonisches Gold‘ ist dieser Besuch einfach ein „Muss“ 😉 .

Saline

Durch Zufall können wir an einer deutschsprachigen Führung durch die Salzgärten teilnehmen. Die beginnt gerade, als wir am Maison des Paludiers, einem kleinen Museum, in dem die Geschichte der Salzgewinnung gezeigt wird, ankommen. Wir laufen durch die Salzgärten und erfahren viel über die Arbeit der Salzbauern und die Salzgewinnung – ein ziemlich anstrengender Job. Ziemlich kompliziert ist der Aufbau einer Saline – vom Zulauf, über den das Meerwasser in die Saline gelangt, über das Speicherbecken, die Ablagerungsbecken bis zu der eigentlichen Saline.

Zulauf

Speicherbecken

Ablagerungsbecken

Saline

Schieferplatten mit drei Löchern, die mit Holzstopfen verschlossen werden können – damit wird der Wasserstand in den Becken und der Saline reguliert

Durch jahrelange Familientradition lernen die Salzbauern ihr Handwerk und alle nötigen Tricks und Kniffe, um die Saline ausreichend zu wässern und das begehrte Salz dann auch zu ernten – als grobes Salz von grauer Farbe oder als Fleur de Sel, das feine leicht rosafarbene Salz.

Zum Abschluss der Führung sehen wir noch einen sehr interessanten Film über die Salzgärten und die Salzgewinnung 🙂 .

Vier Tage haben wir uns die Bretagne mit dem Auto angesehen – so langsam kommen wir auf den Geschmack 😉 . Wir freuen uns schon jetzt auf die nächsten Landausflüge, mehr noch aber darauf, wieder zu segeln 🙂 .

Landausflüge

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Im Golfe du Morbihan

Donnerstag, 20.06.2019 – Dienstag, 25.06.2019

Im Golfe du Morbihan

Der Golfe du Morbihan ist ein riesiges Binnenmeer mit mehr als 60 Inseln, Inselchen und Felsen – davon sind aber nur einige Inseln bewohnt und nur zwei Inseln, die Île aux Moines und die Ile d’Arz für die Öffentlichkeit zugänglich – die restlichen Inseln sind in privatem Besitz und der Zugang ist verboten. Durch eine schmale Zufahrt bei Port Navalo ist der Golfe du Morbihan mit dem Atlantik und seinen Gezeiten verbunden. Die Gezeitenströme fließen mit Macht in den Golfe du Morbihan und natürlich auch wieder heraus – segelt man mit 5 kn durchs Wasser, kommt aber nicht voran, hat man die Gezeitennavigation noch nicht ganz verstanden 😉 . Ist man einmal durch die Enge bei Port Navalo gesegelt, öffnet sich ein total geschütztes Revier. Kaum Wellen und egal, wohin man guckt, man sieht immer Wasser und Inseln oder Festland. Hier finden wir dann auch endlich mal wieder richtige Ankerbuchten 😉 .

Abends in der Ankerbucht vor der Île Longue

Davon gibt es hier jede Menge, allerdings wie überall, sind auch hier viele Ankermöglichkeiten durch Mooringfelder eingeschränkt. Entweder findet man noch außerhalb des Mooringfeldes und außerhalb der Strömung einen Ankerplatz oder man nimmt eine freie Mooring, wohlwissend, dass der Eigner kommen könnte und seine Mooring selbst braucht.

Viel Kultur im Golfe du Morbihan:

Gangdolmen mit Cairn auf der Île Gavrinis

Reste eines Cromlec’hs auf Er Lannic

Der Golfe du Morbihan ist außerhalb der Hauptfahrwasser streckenweise ziemlich flach – mit unserem Tiefgang von 1,90 Metern kommen wir bei Niedrigwasser nicht überall hin. Auch die Strömungen sorgen für sportliches Segeln – entweder sehr schnell oder auch schon mal rückwärts 😉 . Wir beobachten von unserem ersten Ankerplatz an der Île Longue ein Segelboot, das bei relativ viel Wind mit voller Besegelung ziemlich schnell rückwärts unterwegs ist. Andere Segelboote stehen auf der Stelle – mit wachsender Begeisterung. Ist man aus dem Fahrwasser heraus, nimmt die Strömunmg schnell ab, in den Buchten merkt man sie kaum noch.

Viele Ausflugsdampfer sind tagsüber unterwegs – immer gerne auch mit viel Schwell, Musik und lauten Erklärungen. Abends, wenn alle Ausflügler wieder abgeliefert sind, kehrt Ruhe ein. Dann hört man auch schon mal einen Pfau oder anderes Vogelgezwitscher.

Auch die Wikinger sind hier vertreten 😉 :

Die Landschaft im Golfe du Morbihan erinnert ein bisschen an die Schären in den Aalands – uns gefällt es hier sehr gut. Wir bummeln von Insel zu Insel – meist ist unser Tagesetmal nicht mehr als 1-2 sm 🙂 . Vor der Île de la Jument nehmen wir eine von vier freien Moorings, müssen diesen wunderschönen Platz aber leider wieder velassen, da bei Niedrigwasser die Wassertiefe nicht reicht. Auf der einen Seite der Mooring haben wir mehr als 4 Meter, auf der anderen Seite nur noch knapp 2 Meter – das reicht nicht, um hier über Nacht zu bleiben. Schade, das ist schon ein schönes Plätzchen.

Ankerbucht an der Île de la Jument – sehr schön, für uns aber zu flach

Die beiden öffentlich zugänglichen Inseln Île aux Moines und Île d’Arz besuchen wir auch – es führen schöne Küstenwanderwege rund um die Inseln. Und auch hier gibt es wieder die tollen kleinen Häuser – aus Backstein oder weißem Putz und farbigen Fensterläden – mit Hortensien in allen Farben von dunkelrot über lila, rosa bis hellblau. Durch das subtropische Klima gedeihen die Pflanzen großartig. Stockrosen, Rosen, Glyzinien, Feigenbäume – einfach toll!

Île aux Moines:

Prähistorischer Dolmen von Penhap

Austernbänke

Île d’Arz:

Klassisches Segelboot des Golfe du Morbihan

Gezeitenmühle auf der Île d’Arz

Das Wetter spielt super gut mit – es ist sonnig, aber nicht zu heiß. Shorts, Sonnentop und Sandalen reichen zum Segeln und zum Wandern 🙂 . Die Wassertemperatur um 19° C lädt zum Baden von Bord ein 🙂 . Nur am Montag, als wir uns nach Vannes ganz im Norden des Golfe du Morbihan verlegen, schüttet es wie aus Kübeln. Trotzdem machen wir uns auf den Weg, denn wir haben in Vannes einen Liegeplatz für 2-3 Wochen reserviert – unsere Ruby Tuesday muss ja gut untergebracht sein, wenn wir zum Enkelkinderheimaturlaub nach Hause fahren 😉 .

Fahrwasser nach Vannes

Auch Betonmischer werden hier auf dem Wasser transportiert

Die Fahrt nach Vannes ist spannend – das letzte Stück des Fahrwasser ist flach – sehr flach. Nur mit auflaufendem Wasser kann man Vannes erreichen. Die Brücke vor der Stadt und die Schleuse öffnen auch nur zwei Stunden vor Hochwasser bis zwei Stunden nach Hochwasser. Danach schließt die Schleuse, damit im Hafen genug Wasser bleibt und die Schiffe dort auch schwimmen 😉 . Noch weit vor der Brücke haben wir mal noch 2,00 Meter, mal 2,20 Meter Wassertiefe. Eher wenig 😉 . Wir sind früh, aber nicht zu früh. In dem engen Kanal kommen uns mehrere Ausflugsboote entgegen – es passt alles, aber da es neben dem Fahrwasser abrupt flach wird, verlassen wir die Fahrwassermitte nur widerwillig. Zwei Segler warten schon vor der Brücke am Warteponton- gerade als wir uns entschließen an einem der Segler längsseits zu gehen, springt das Signal auf grün und wir dürfen weiterfahren. Der Kanal wird immer enger, es kommen uns mehrere Segler und eine dicke Motoryacht entgegen. Der Segler vor uns will nicht oder traut sich nicht weiter und legt sich an einen Steg. Dadurch wird das Fahrwasser nicht gerade breiter 😉 . Wir schieben uns zwischen zwei entgegenkommenden Schiffen daran vorbei und sind froh, dass wir ohne weitere Zwischenfälle vor der Capitanerie festmachen können. Blutdrucksenkend war das letzte Stück nicht wirklich 😉 . Kurz nachdem wir in den Hafen von Vannes eingelaufen sind, ertönt Dudelsackmusik und ein Fahnenschwenker gibt sein Bestes  – das wär doch nicht nötig gewesen 😉 .

Fahnenschwenker …

 

… und Dudelsackmusiker

Na ja , der ganze Aufwandt ist doch nicht für uns – mindestens 15 beflaggte Segelboote laufen in den Hafen ein und werden mit Fahne und Musik empfangen. Wir erfahren später, dass einige Segler der Partnerstadt von Vannes – Fareham – alle zwei Jahre nach Vannes segeln, in den Jahren dazwischen sind die Segler aus Vannes in Fareham. Schade nur, dass es immer noch in Strömen regnet.

Segelboote aus der Partnerstadt Fareham

Einen festen Liegeplatz an einem Fingersteg bekommen wir heute noch nicht, aber Morgen soll dort eine Box frei werden. Längsseits an den Gästestegen wollen wir unsere Ruby Tuesday nicht gerne liegen lassen, denn da machen jeden Tag andere Seglboote an unserem Boot fest, die Segler müssen über unsere Ruby Tuesday, um an Land zu kommen. Viel Bewegung auf unserem Schiff, wenn wir nicht da sind. Deshalb möchten wir lieber an einem Fingersteg liegen.

Die Franzosen liegen gerne sehr dicht Bug an Bug, so dass schnell aus einem Päckchen ein Halbkreis entsteht 🙁 .

Ist doch immer ganz schön spannend bis aufregend, wenn man telefonisch einen Liegeplatz reserviert und hofft, dass auch wirklich alles klappt. Noch sind wir uns nicht ganz sicher, ob wir unsere Ruby Tuesday hier bedenkenlos liegen lassen können. Aber die französischen Hafenmeister sind ausgesprochen freundlich und sehr bemüht 🙂 .

Der Hafen von Vannes ist ein langer Schlauch, der bis an die mittelalterliche Altstadt reicht. Schon bei Regen ein tolles Bild 🙂 .

Hafen bis zur Altstadt

Ein paar Schritte und wir sind in der Altstadt mit den engen Gassen und den vielen mittelalterlichen Fachwerkhäusern. Trotz des Regens machen wir einen ersten Rundgang durch die Altstadt und über die Stadtmauer . Richtig toll, eine echt sehenswerte Stadt!

Durch das Port St-Vincent geht’s in die Altstadt

Nachdem wir uns –  jetzt wieder im Sonnenschein – in eine Box verlegen können, spazieren wir nochmal durch die Altstadt von Vannes. Im Regen war es gestern schon sehr beeindruckend – im Sonnenschein einfach eine Wucht 🙂 .

Treppenaufgang im Rathaus

Fachwerkhäuser und Dom

Credit Agricole

Stadtmauer

 

Waschhäuser an der Stadtmauer

Staumechanismus an den Waschhäusern

Wir machen jetzt für die nächsten zwei bis drei Wochen eine Segelpause, fahren mit TGV und Thalys nach Hause und freuen uns auf eine schöne Zeit mit unseren Enkelkindern und unserer Familie 🙂 .

 

 

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Île de Groix – Golfe du Morbihan

Donnerstag, den 20.06.2019
W 2-4 Bft – 35 sm – 8h 10min – Ø 4,2kn – gesamt: 779 sm

Île de Groix – Golfe du Morbihan

Eigentlich wollen wir, bevor wir für unseren Enkelkinderurlaub unseren Törn in der nächsten Woche unterbrechen, zur Belle-Île segeln – eine von drei Inseln, die der Bucht von Quiberon vorgelagert sind. Wir starten bei Sonnenschein und fast keinem Wind von hinten. Die Segel schlagen in der doch ziemlich hohen Dünung – gestern war es mal etwas windiger, das merkt man dann schon sofort. So richtig schnell kommen wir nicht von der Stelle, die Strömung schiebt uns in die falsche Richtung – nicht zur Belle-Île, sondern raus auf den Atlantik.

Auch die Wettervorhersagen für die nächsten Tage bieten von allem etwas 😉  – viel Wind aus West, wenig Wind von überall, wieder viel Wind aus Ost etc. Ein ziemliches Durcheinander, was es schwierig macht, einen sicheren Ankerplatz für mehr als ein paar Stunden zu finden. Wir beschließen, vor dem Hafen Sauzon an der Nordwestecke der Belle-Île an eine Mooring zu gehen, denn im Vorhafen soll bei Wind aus Nordost oder Ost ziemlich starker Schwell sein. Wenn man dann mit mehreren Schiffen an einer Mooring hängt, kann das nichts Gutes bedeuten. Aber auch an der Mooring vor dem Hafen sind wir dem Ostwind, der in der Nacht von Freitag auf Samstag einsetzen soll, ohne Schutz ausgeliefert. Und mehr als ein paar Stunden wollen wir schon auf der Belle-Île verbringen 🙂 .

Ich nehme mir noch mal die Törnführer und Hafenhandbücher vor und checke, ob wir nicht heute schon in den Golfe du Morbihan – das kleine Meer – segeln sollten. Das ist ein  geschütztes und sehr übersichtliches Revier mit vielen Ankerstellen, da spielen Windstärke und -richtung nur eine Nebenrolle. In Vannes, der einzigen Marina des Golfes ganz im Norden, wollen wir unsere Ruby Tuesday liegen lassen und mit dem TGV und Thalys nach Hause fahren. In den Golfe du Morbihan gelangt man nur durch ein ziemlich schmales Fahrwasser mit viel Strömung. Der Golfe du Morbihan ist ein lagunenartiges Binnenmeer mit Gezeiten, wie im Atlantik. Also, nur zur rechten Zeit segeln wir auch in den Golfe du Morbihan hinein und stehen nicht auf der Stelle davor oder segeln vielleicht sogar rückwärts 😉 .

Ich rechne hin – ich rechne her, überprüfe alles zwei mal und komme zu dem Ergebnis, dass wir, wenn wir so langsam wie bisher weiterdümpeln, zu Stillwasser die Teignouse-Passage, eine Engstelle, die in die Bucht von Quiberon führt, passieren und ebenfalls zu Stillwasser in den Golfe du Morbihan segeln können – wir dürfen nur nicht viel schneller werden, denn dann kommt uns das Wasser im Golfe du Morbihan noch entgegen 😉 .

Wir nehmen Kurs auf die Teignouse-Passage – alles passt. Auch am Eingang zum Golfe du Morbihan sind wir zur rechten Zeit – bei Stillwasser segeln wir vorbei an Port Navalo mit seinem schönen Leuchtturm und schwupps – sind wir im Golfe du Morbihan 🙂 .

Port Navalo

Im Golfe du Morbihan

Und hier sind wir in einer ganz anderen Welt ….

 

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Concarneau – Île de Groix

Dienstag, den 18.06.2019
NE 4-5 Bft – 32 sm – 5h 46 min – Ø 5,5kn – gesamt: 744 sm

Concarneau – Île de Groix

Nach unseren gestrigen Berechnungen sollten wir heute gegen 06:00 Uhr auslaufen, damit uns die Strömung zur Île de Groix mitnimmt. Ganz schön sportlich, aber so ist das eben beim Gezeitensegeln 😉 . Die Wettervorhersage sagt einen bedeckten Tag voraus, ab nachmittags auf der Île de Groix aber dann auch Sonnenschein. Hört sich alles gut an, nur schüttet es, als um 05:30 Uhr der Wecker schellt 🙁 . Wir lassen Tide Tide sein und drehen uns in unserer Koje noch mal rum, nicht ohne vorher den Weckalarm eine Stunde später zu stellen 😉 .

Das Wetter hat ein Einsehen mit uns – um 07:15 Uhr legen wir in Concarneau bei bedecktem Himmel, aber ohne Regen ab. Die Strömung passt, der Wind noch viel besser – wir segeln erst mit raumem Wind, dann halbem Wind und dann fast die ganze Strecke bis zur Île de Groix mit einem Am-Wind-Kurs – super schönes Segeln! Unsere Ruby Tuesday läuft und läuft und läuft – so macht das Spaß. Der Wind weht erst mit gerade eben 4 Bft, wird aber dann doch immer stärker. Eigentlich wollen wir auf die Nordseite der Île de Groix, aber da stehen die inzwischen 5 Bft voll drauf. Da ab mittags Windstille verhergesagt ist, machen wir noch ein bisschen Sightseeing-Segeln und ändern den Kurs auf die Südseite der Insel. Trotz der Landabdeckung weht es auch hier noch mit gut 5 Bft – wir rauschen nur so an der schroffen Südküste der Île de Groix entlang.

Leuchtturm und Südküste der Île de Groix

Zwei Ankerbuchten gibt’s hier – Port St. Nicolas und Locmaria. Wir beobachten einen Katamaran, der den Versuch, die schmale Bucht von Port  St. Nicolas anzulaufen, abbricht. Na ja, bei so viel Wind, selbst wenn er ablandig ist, ist das auch ein mutiger Versuch 😉 .  Die große Bucht von Locmaria mit den schönen weißen Häusern sieht verlockend aus, fällt aber zum großen Teil trocken. Nur ziemlich weit außerhalb der Hafenmole ist ein Ankerplatz in der Seekarte eingezeichnet – wir lassen ihn lieber links liegen.

Auf unserem Weg um die Insel kommt uns ein Renntrimaran entgegen – sieht ein bisschen wie ein Zebra auf der Flucht aus. Laut AIS ist das Ding 32 Meter lang und 22 Meter breit – fast quadratisch, praktisch, gut 😉 . La Trinité-sur-Mer ist ganz in der Nähe – das ist der Hafen der Rennyachten 🙂 .

Zeigt her eure Kufen 😉

An der Ostseite der Île de Groix gibt es zwei sehr schöne Buchten zum Ankern – na ja, Bucht ist da eher übertrieben,  es ist wohl eine weite offene Fläche mit Schutz vom Land 😉 . Wir lassen unseren Anker vor dem Plage Rouge fallen und freuen uns, dass es mit dem Ankern wieder mal klappt. Den Hafen Port Tudy, in dem Segler einen Platz an den Stegen oder in Mooringreihen finden können, gucken wir uns später lieber zu Fuß an.

Plage Rouge

Erstmal ist es so heiß, dass wir den Schatten suchen. Um 17:00 Uhr hat es ein bisschen abgekült, wir machen unser Dinghi startklar und erkunden auf dem Küstenweg den Nordostteil der Insel.

Unsere „Ankerbucht“

Durch hohes Farnkraut, an ebenfalls hohen Hecken vorbei geht es bergauf und bergab, bis wir den Hafen Port Tudy unter uns liegen sehen.

Küstenwanderweg

Port Tudy

Ein netter kleiner Hafen mit vielen hübschen Restaurants und Cafés und ziemlich voll 🙁 . Die Boxen an den Stegen sind alle besetzt, am Kopfsteiger liegen schon Zweierpäckchen. Auch die Mooringreihen – vorne und hinten wird mit einem langen Tampen das Boot an zwei Moorings festgemacht – sind gut belegt. In Zweierpäckchen liegen auch hier die Segelboote an den Moorings.

Mooringreihen im Vorhafen von Port Tudy

Hier ist Bewegung drin

Was für ein Gewusel – das soll aber noch harmlos sein, in der Hauptsaison, im Juli und August, liegt man wohl auch zu viert und mehr an einer Mooring. Alle längsseits und alle mit Tampen an der Mooring. Hört sich nach Spinnennetz an 😉 . Es gibt auch Häfen in denen man im Kreis um eine Mooring liegt – auch nicht schlecht! Hoffentlich hält die Mooring auch das Gewicht der vielen Boote 😉 .  Oder man macht mit der Heckleine an einer dicken Eisenkette, die an der Quaimauer runterhängt fest und mit der Bugleine an einer Mooring – Problem ist wohl, dass die Heckleine nicht gut über die verrostete Eisenkette rutscht.  An der Mooring mit der Bugleine macht dann wiederum ein Boot seine Heckleine fest und natürlich liegt man auch dabei in allen Reihen im Päckchen. Ob man da mit dem Dinghi noch an Land kommt? Allein die Vorstellung ist schon ein Graus – wir hoffen sehr, dass wir immer einen Ankerplatz finden, wenn er auch noch so weit vom Ufer entfernt  oder schwellig ist. Es ist ja jetzt schon nicht wirklich wenig Betrieb – was ist hier im Juli und August wohl los?

Die Fähre will auch noch in den Vorhafen

Die Île de Groix gefällt uns gut – auf der Westseite ist sie hoch, die Felsküste auf der Südseite ist schroff, zum Osten hin fällt die Insel sanft ab und wird immer flacher. Auch auf der Nordseite sind viele Buchten mit Sandstrand. Von unserem Ankerplatz haben wir einen richtig schönen Blick auf die Insel.

Abendstimmung auf der Île de Groix

Am Mittwoch mache ich bei erst bedecktem, dann sonnigem Wetter eine schöne Wanderung entlang der Südküste.

Ruby Tuesday vor Anker

Ausblicke

Leuchtturm – sieht aus wie eine Kirche, blinkt nachts aber rot

Es ist ganz schön windig – aus Südwest. Die Wellen brechen sich an den Felsen. Immer wieder schön zu sehen – wenn man an Land ist und nicht gerade daher segelt.

Südküste der Île de Groix

Ich laufe bis zur Bucht Port St. Nicolas – eine schöne kleine Bucht, in der man bei ruhigem Wetter sicherlich gut vor Anker liegen kann, in die gestern der Katamaran aber lieber nicht reingefahren ist.

Zurück geht’s mitten über die Île de Groix – viel landwirtschaftliche Fläche, sanfte Hügel, Vogelgezwitscher – schön 🙂 .

 

 

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l’Odet – Concarneau

Sonntag, den 16.06.2019
SSW 4 Bft – 14 sm – 2h 47 min – Ø 5,1kn – gesamt: 712 sm

l’Odet – Concarneau

Gestern Abend haben wir von unserer Ruby Tuesday einer Hochzeitsfeier im Château Kerouzien zusehen und zuhören können – welch ein Pech für die Hochzeitgesellschaft, dass es kurz nach ihrer Ankunft wieder begonnen hat zu regnen. Aber das Brautpaar und auch die Gäste haben tapfer das Foto-Shooting in Wind und Regen ausgehalten. Auffallend waren die männlichen Gäste – viele waren entweder mit Strohhut oder mit Schlägermütze bekleidet, auch die Kinder. Später wehten immer mal wieder keltische Melodien zu uns herüber – auch für uns ein romantisches Ambiente 🙂 .

Bretonische Hochzeit

Heute Morgen ist immer noch alles grau in grau, aber Richtung Atlantik können wir schon die Sonnen blitzen sehen 🙂 . Wir motoren mit dem letzten ablaufenden Wasser den l’Odet zur Mündung runter – jetzt sehen wir die schönen Nebenarme des l’Odet bei Niedrigwasser – ganz schön trocken und modderig 😉 .

Geht doch – auch in den Nebenarmen kann man ankern! Wir haben nicht das richtige Schiff für diese Gewässer 😉

Nach Concarneau ist es nicht weit – nur 14sm. Wir segeln mit halbem Wind und mitlaufender Strömung – ein schöner, aber kurzer Schlag. Schnell sind wir vor dem Hafen, holen die Segel rein und suchen einen passenden Liegeplatz. Bei mitlaufendem Strom und Wind von schräg hinten ein etwas tricky Manöver, das auch erst im zweiten Anlauf so klappt, wie ich es will. Hafenkino für die vielen Segler, die schon da sind – in den Genuss kommen wir dann etwas später aber auch 😉 .

Der Hafen von Concarneau

Der Hafen von Concarneau liegt direkt unterhalb der Mauern der Close Ville – der Altstadt mit der umlaufenden Stadtmauer. Ein tolles Bild 🙂 .

Close Ville am Hafen

Schnell machen wir unsere Ruby Tuesday hafenfest und uns ausgefertig – dann stürzen wir uns in das Getümmel in der Altstadt. Es ist warm, sonnig und die Restaurants, Cafés und Bars sind gut besucht – die Ville Close ist das Highlight von Concarneau.

Stimmung in der Close Ville

Passt in die Close Ville

Wir lassen uns durch die Straßen treiben, genießen wieder mal Cidre und Eis – das französiche Eis braucht sich vor dem italienischen nicht zu verstecken 😉  – und kaufen in der Boulangerie, dem Bäcker, bretonische Kuchenspezialitäten. Far Breton, eine Art Käsekuchen, hatten wir auf den Glénan-Inseln schon probiert – das ist jetzt nicht unbedingt unsere erste Wahl 😉 , aber der bretonische Butterkuchen Kouign Aman und die Gateau breton mit Schokolade und Caramel schmecken schon klasse – und sind auch bestimmt ganz diät 😉 .

Mmmhhh – die sind lecker

Montag, den 17.06.2019

Pont-Aven, ein kleiner Künstlerort am Fluss Aven ist für uns mit unserer Ruby Tuesday eher schlecht zu erreichen – wir müssten mit auflaufendem Wasser den Aven hochfahren, kämen aber mit unserem Tiefgang vermutlich gar nicht bis zu diesem hübschen Ort 🙁 . Und wenn das Wasser wieder abläuft, sitzen wir auf dem Trockenen 😉 .

Der Aven bei Niedrigwasser – nichts für uns 😉

Also nehmen wir lieber den Bus 😉  und sind wieder mal über die sehr günstigen Preise des französischen ÖPNVs erstaunt. Pro Person bezahlen wir 1,00 Euro für die knappe Stunde Fahrt 🙂 .

Ausflug nach Pont-Aven

Pont-Aven ist ein quirliger, alter, kleiner Ort und liegt in echt idyllischer Umgebung am kleinen Fluss Aven. Hier haben mehr als 60 Künstler ihr zu Hause und ihre Galerien. Bekannt wurde Pont-Aven durch die Maler Paul Gaugin und Emile Bernard, die hier ab 1886 lebten, viele andere Künstler um sich scharrten und die „Schule von Pont-Aven“ gründeten. Aber nicht nur die ehemaligen und jetzigen Künstler verzaubern Pont-Aven, sondern auch die Reste der ehemals 14 Mühlen und der Fluss Aven, der sich an Häusern und Mühlen vorbei in’s Landesinnere schlängelt.

Öffentliche Toilette am Aven

Café in Pont-Aven

Café am Aven

Reste einer Wassermühle

Wir spazieren am Aven entlang zum Liebeswald, dem Bois d’Amour – gar nicht weit ab von dem quirligen Treiben des Städtchens und trotzdem in idyllischer Natur 🙂 .

Kurz entschlossen machen wir eine schöne Flussfahrt auf dem Aven – wenn schon nicht mit unserer Ruby Tuesday, dann aber doch mit dem Flusskreuzer Paul Gaugin 😉 – von Pont-Aven bis zur Mündung in den Atlantik mit einem Abstecher in den Bélon Fluss und natürlich auch wieder zurück 😉 . Schön ist das, die Landschaft zieht an uns vorbei, wir genießen und müssen mal nicht aufpassen, das alles passt!

Was für ein Schiff !!!

Früher wurden die Boote an Land gezogen, um dort zu vermodern- man glaubte, jedes Boot habe eine Seele, die beschützt werden muss

Mit dem Bus geht’s dann nach diesem tollen Ausflug wieder zurück nach Concarneau zu unsererRuby Tuesday 🙂 .

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Îles de Glénan – l’Odet Fluss

Freitag, den 14.06.2019 – Samstag, den 15.06.2019
SW 4 Bft – 19 sm – 3h 29 min – Ø 5,4kn – gesamt: 698 sm

Îles de Glénan – l’Odet

Nicht wirklich ausgeschlafen kriechen wir heute morgen aus unserer Koje 😉 . Das Wetter ist schön, die Sonne scheint, aber für heute und morgen ist zu viel Wind für die Îles de Glénan vorhergesagt, so dass wir unseren unruhigen Ankerplatz verlassen.

Beim Blättern durch die Törnführer bin ich auf den Fluss l’Odet gestoßen, dessen Mündung zwischen den kleinen Städtchen Bénodet und Saint-Marine liegt. Flussaufwärts kann man mit auflaufender Tide bis fast nach Quimper segeln, es gibt mehrere Seitenarme, die befahrbar sind und in denen man auch ankern kann. Die Bilder von der Landschaft gefallen uns gut, es sind auch mehrere Ankerstellen im Fluss eingezeichnet – das wollen wir uns live ansehen 🙂 .

Bei Wind aus Südwest haben wir einen herrlichen Segelschlag zur Küste – fast den gleichen Weg zurück, den wir von Loctudy gekommen sind 😉 .

Ansteuerung des l’Odet – Point de Combrit

Erst kurz vor der Flussmündung nehmen wir die Segel runter und fahren dann mit auflaufendem Wasser in den l’Odet rein. Die beiden Städtchen rechts und links der Mündung sehen nett aus, zu beiden gehören schöne Marinas.

Dort wollen wir heute aber nicht hin, wir machen erst mal eine Flusskreuzfahrt, bevor wir uns einen Ankerplatz aussuchen – so der Plan 😉 . Schnell zieht die Landschaft an uns vorbei – das auflaufende Wasser nimmt uns mit 3kn mit. Viele Moorings sind an den Ufern – wie immer natürlich auch an den mit einem Ankersymbol gekennzeichneten Stellen der Seekarte 😉 .

Moorings nur für kleine Boote

Dinghis auf dem Trockenen – irgendwie muss man ja zu den Booten an der Mooring kommen

Auf der linken Flussseite liegen zwei wunderschöne Châteaus mit Gärten bis zum Wasser.

Château Kerouzien

Danach sehen wir keine Bebauung mehr, nur noch bewaldete, hügelige Ufer. Der Fluss windet sich durch das dieses hübsche Tal, an einer Stelle steht ein Flussreiher am Ufer, lässt sich von uns aber nicht stören 🙂 . Das Zwitschern der Vögel sind die einzigen Geräusche, die wir hören 🙂 .

l’Odet

See- oder Flusszeichen?

Flussreiher – gut getarnt

Ankern finden wir in den Nebenarmen des l’Odet und im Fluss selbst ziemlich schwierig. Die Nebenarme fallen bis auf einen kleine Zufluss trocken – selbst bei Hochwasser reicht die Breite nicht zum Schwojen. In der Flussmitte ist die Strömung so stark, dass die Gezeitenwechsel und damit auch die Änderung der Strömungsrichtung nicht für einen ruhigen Schlaf sorgen werden 😉 . Außerdem befahren zwei Fähren den Fluss – von Bénodet bis nach Quimper geht die Fahrt – und denen wollen wir nicht im Weg liegen. Weiter flussaufwärts sind die Moorings in Ufernähe von kleinen Motor- und Segelbooten belegt – da passen wir leider nicht zwischen 🙁 .

Nach einigen Seemeilen schöner Fahrt durch unberührte Natur drehen wir um und fahren zurück flussabwärts bis zum Château Kerouzien – auf dem Hinweg haben wir gesehen, dass dort größere Segelboote an Moorings liegen und auch noch zwei Moorings frei sind. Wir nehmen eine der Moorings, wohlwissend, dass das eine private Mooring ist. Sollte der Mooringinhaber kommen – Pech für uns, dann machen wir natürlich Platz 😉 .

Unser Liegeplatz im l’Odet

Schön ist es hier – still, nur manchmal kommt eine Fähre vorbei, dann ist wieder Ruhe. Wir hören nur das Gluckern des Flusses und die Vögel. Wenn die Tide kippt, drehen wir uns um die Mooring und haben wieder eine andere Aussicht 🙂 . Obwohl der Wind ziemlich in den Fluss reinweht, ist die Strömung doch stärker – der Wind weht alle 6 Stunden unangenehm in’s Cockpit. Wir schließen nach 5 Wochen zum ersten mal wieder die Kuchenbude und sitzen gemütlich warm, windstill und vor allem trocken im Cockpit – am Samstag regnet es mal wieder 🙁 . Wir bleiben einfach am Samstag an der Mooring im Fluss – Concarneau muss noch einen Tag auf uns warten 😉 .

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Loctudy – Îles de Glénan

Mittwoch, den 12.06.2019 – Donnerstag, den 13.06.2019
N-NW 3-4 Bft – 13 sm – 3h 23 min – Ø 3,9kn – gesamt: 679 sm

Loctudy – Îles de Glénan

Wie viel schöner sieht die Welt doch aus, wenn die Sonne wieder scheint 🙂 . In den nächsten Tagen soll es auch so bleiben und der Wind ist nicht wirklich stark – perfektes Wetter, um zu den Îles de Glénan zu segeln. Die liegen nur 10sm südwestlich von Loctudy im Atlantik und sind ähnlich wie die Île de Sein besser nur bei guten Wetterbedingungen anzulaufen. Hier gibt’s keinen Hafen, sondern nur 8 größere Inseln und unzählige kleinere, viele Unterwasserfelsen und Flachstellen. Das ganze Archipel mutet mit seinem glasklaren, in allen Blautönen schimmernden Wasser und den feinen, leuchtenden Sandstränden karibisch an. Da wir dort in der nächsten Zeit sicherlich nicht hinkommen werden, müssen die Îles de Glénan als Ersatz herhalten 😉 .

Wirft man einen Blick in die Seekarte, scheint es fast unmöglich, in das Archipel zu gelangen – überall sind Felsen oder Flachstellen im Weg. In den Törnführern, die wir für dieses Gebiet haben, sind verschiedene Möglichkeiten zur Ansteuerung aufgezeichnet – alle nicht wirklich einfach und auch nicht durch tiefes Wasser. Wir lassen uns davon erst mal nicht abschrecken und segeln – wieder nur mit Genua und Wind fast von hinten – bis zur Ansteuerung des Inselarchipels 🙂 .

Ansteuerung – Leuchtturm der Île de Penfret

Wir achten genau darauf, nicht eher als zwei Stunden vor Hochwasser dort zu sein, damit über den Flachstellen auch genug Wasser steht. Das passt alles gut und die Ansteuerung ist „in echt“ viel einfacher, als die Törnführer beschreiben. Allerdings haben wir heute gute Sicht, Sonnenschein und Nipptide 🙂  – aber darauf haben wir ja auch gewartet 😉 . Hätte es heute nicht geklappt, wären wir in den Odet Fluss gefahren oder nach Concarneau.

Den Anker lassen wir zwischen den Inseln Penfret und Gueotec fallen – hier sind wir alleine und es sind nirgendwo Moorings 🙂 . Und wir ankern auf 3 Metern Wassertiefe (laut Karte) zuzüglich Niedrigwasser und Hochwasser. Das reicht für unseren Tiefgang auf jeden Fall 🙂 . Nicht alle Ankerstellen und Moorings sind mit der Wassertiefe so üppig ausgestattet – oft sind es laut Seekarte nur 0,10 Meter oder 0,7 Meter zuzüglich des Niedrigwassers, das heute 1,45 Meter ist. Das reicht für 1,90 Tiefgang auf keinen Fall 😉 . Sicherlich gibt es in dem Ankerspot La Chambre auch Moorings, an denen die Wassertiefe für uns reichen würde, aber wir wollen uns gar nicht in ein Mooringfeld mit zig Moorings legen. Lieber fahren wir mit unserem Dinghi zu den anderen Inseln – hier liegt ja alles nah beieinander 😉 .