Belfast

Dienstag, den 10.07.2018 – Donnerstag, den 14.07.2018

Belfast ist viel mehr, als nur der Bürgerkrieg im Nordirlandkonflikt in den Straßen Shankill Road (protestantische Unionisten) und Falls Road (katholische Nationalisten), die Peacewalls und das Drama um den Untergang der Titanic. Belfast ist eine Stadt mit super moderner Bebauung neben tollen alten Gebäuden wie der City Hall, mit tollen Pubs, Cafe´s und Restaurants und einem großen kulturellen Angebot. Belfast ist auch eine Uni-Stadt – viele junge Leute sind auf den Straßen unterwegs.

Titanic Quarter

Alt und Neu

Universität von Belfast

Stormont Parliament

Dienstag, den 10.07.2018

Ziemlich planlos machen wir uns von der Marina im Abercorn Bassin auf den Weg zur Innenstadt 😉 .

Die Marina liegt im ehemaligen Werft- und Hafengelände, auf dem u.a. auch die Titanic gebaut wurde. Große Teile davon sind zu einem neuen Quartier, dem Titanic Quarter, mit moderner Bebauung für Büros, Geschäften, Restaurants, Wohnungen und Entertainment entwickelt worden.

Titanic Quarter auf ehemaligem Werftgelände

Samson und Goliath, Kräne der Firma Krupp – die Wahrzeichen von Belfast

Belfast

Aber auch die alten Werftgebäude und Docks sind erhalten geblieben und modernisiert worden. Ganz auffällig sind in diesem neuen Quartier die vielen Bäume und die wenigen Autos – offensichtlich haben die Stadtentwickler auch an genügend Tiefgaragen gedacht 😉 .

Trockendock mit Gewerbe- und Wohnbebauung

Das Harbour Office – nicht für die kleine Marina, sondern für den kommerziellen Hafen –  ist in einem der alten Gebäude untergebracht. Wir werfen einen Blick in die imposante Eingangshalle und werden gleich herein gebeten. Im Heritage Room wird anschaulich die Entwicklung des Belfaster Hafens dargestellt.

Harbour Office

Foyer des Harbour Office

Wir laufen vorbei am Big Fish, einem Lachs aus blauen Farben und verziert mit Zeitungsausschnitten und Nachrichten über Belfast, an der Albert Clock, die auf Holzpfählen gebaut wurde und inzwischen ähnlich schief steht, wie der Turm von Pisa, durch die Innenstadt mit netten Läden, tollen Einkaufszentren und schönen Passagen bis zur City Hall.

Big Fisch

Albert Clock

Duurch die City Hall mit ihrem Foyer aus Marmor machen wir einen Rundgang – gigantisch.

City Hall

Foyer

In der City Hall schauen wir uns eine Ausstellung über Belfast von 1600 bis heute an – sehr anschaulich gestaltet und nicht überladen. Natürlich ist hier wie auch im Harbour Office die Titanic eines der Themen – ausgestellt ist ein Modell der Titanic und Möbel, die gefertigt wurden, aber nicht mehr auf die Titanic geliefert und dort eingebaut wurden.

Bisher sind wir nur einmal mit einem Hop on-Hop off Bus gefahren und haben damals dabei in Tallin keine guten Erfahrungen gemacht. Trotzdem steigen wir hier in Belfast nochmal in so einen Bus ein, weil keine anderen Stadtrundfahrten angeboten werden. Mit einer halben Stunde Verspätung starten wir 🙁  – der Bus muss ja voll werden 😉 , der Lautsprecher hat einen Wackelkontakt, so dass wir leider nicht alles verstehen können, was der Live Guide erzählt. Die Sonne knallt auf unsere Köpfe, wenn wir stehen, der Fahrtwind ist kalt und es stinkt im Stadtverkehr 🙁 .

Davon abgesehen sehen wir viel von Belfast und Umgebung – allerdings immer nur im Vorbeifahren. Aussteigen wollen wir nicht – wenn jeder Bus Verspätung hat, macht das nicht wirklich Spaß 🙁 . Auf dem Programm stehen u.a. Titanic Belfast, Stormont Parliament, St. Georges Market, Queens University, Falls Road, Peacewalls, Shankill Road, St. Annes Cathedral.

Peacewall

Tore in einer Peacewall, die bei drohenden Konflikten immer noch geschlossen werden können

Ein vielleicht etwas überdimensionierter Palettenstapel für das Bonfire in der kommenden Nacht

Verfrühter Start

Für einen ersten Eindruck ist das ganz schön, besser aber, wir schauen uns das eine oder andere noch mal zu Fuß an 😉 . Nur nicht mehr heute, denn es ist schon wieder richtig heiß.

Genug für heute – wir haben einen schönen ersten Eindruck von Belfast bekommen. Belfast gefällt uns gut – so wie auch schon 2009, auch da waren wir schon von Belfast begeistert – mehr, als von Dublin 😉 . Ob das so bleibt, wird sich zeigen – Dublin ist einer unserer nächsten Häfen 🙂 .

Mittwoch, den 11.07.2018

Es regnet – zum ersten mal seit Wochen und dann auch noch so feste, dass ich morgens vom Prasseln der Regentropfen geweckt werde 🙁 . Nach dem Frühstück ist zumindest der Regen Geschichte, der Himmel bleibt aber den ganzen Tag bedeckt.

Da wir uns heute Titanic Belfast, die multimediale Ausstellung über Belfast und den Bau und Untergang der Titanic ansehen wollen, stört uns das durchwachsene Wetter nicht weiter 😉 .

Schon als wir am Montag Abend in den Hafen von Belfast eingelaufen sind, haben wir das Ausstellungsgebäude passiert und unmittelbar daneben im Abercorn Bassin in der Marina festgemacht. Ein gigantischer Bau in Form eines Schiffsbugs mit Verkleidungen aus silbernen Blechen, die vielleicht Eisberge darstellen sollen. Immer, wenn wir aus dem Cockpit schauen, fällt unser Blick darauf.

Titanic Belfast

Das nachgebaute Heck der Titanic auf dem Original Slipway

Auf dem Weg zum Ausstellungsgebäude:

Nomadic – Tender der Titanic zur Aufnahme von Passagieren in Cherbourg

„Stöpsel“ zum Verschließen des Trockendocks

Wir sind früh mit Öffnung der Ausstellung schon vor Ort. Anstehen müssen wir an der Kasse nicht 🙂 , aber es dauert nicht lange, da füllt sich die Ausstellung vor allem mit Passagieren des Kreuzfahrtschiffes, das im Hafen in der Nacht oder am frühen Morgen angelegt hat 🙁 . In langer Reihe schieben sich die Besucher durch die Ausstellung – und wir mitten drin. Zu den Mengen an Besuchern, die die Kreuzfahrtschiffe so ausspucken und die  dann geballt auftreten, haben ich eine eher geteilte Meinung, vor allem, wenn sie da sind, wo ich auch bin 😉 .

Bevor wir die Ausstellung Titanic Belfast besuchen, überlegen wir, ob wir das moralisch wirklich gut finden, wenn mit dem Drama des Untergangs der Titanic ein solches Geschäft gemacht wird. Wir lassen uns darauf ein und sind von der Ausstellung total überrascht 🙂 . Schwerpunkt ist nicht der Untergang der Titanic, sondern die Entwicklung der Stadt Belfast, des Hafens und der Werft mit dem Schiffsbau und vor allem der Bau der Titanic. Einer der Höhepunkte ist sicherlich ein kurze Fahrt mit einer Gondel durch die Werfthalle, in der an verschiedenen Stationen der Baus der Titanic simuliert wird. Sehr sachlich werden der Untergang, die Suche nach den Gründen und die Folgen dargestellt. Von Drama oder Herzschmerz keine Spur. Eine außerordentlich gelungen Ausstellung, die wir dann aber auch ziemlich geschafft verlassen.

Den Nachmittag verbringen wir auf unserer Ruby Tuesday – wir müssen dringend mal wieder Wäsche waschen und Fotos für den Blog sortieren 😉 .

Donnerstag, den 12.07.2018

Belfast steht heute Morgen ganz im Zeichen der Parade zur Feier des Sieges des protestantischen Wilhelm III von Oranien, Statthalter der Niederlande und König von England, Schottland und Irland über den katholischen Jakob II, ehemaliger König von England, Schottland und Irland am 12.07.1690 am Ufer des Boyne. Der Ausgang dieser Schlacht ist die Ursache des Jahrhunderte langen Konfliktes zwischen Irland und England und seit Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts auch des Nordirlandkonfliktes.In Gedenken an den Sieg finden jährlich am 12. Juli in vielen Städten in Nordirland Paraden von (protestantischen, loyalen) Oranien-Anhängern statt.

Die Feierlichkeiten beginnen in der Nacht vom 11.07. auf den 12.07. mit Freudenfeuern, zum Teil riesig groß, in den protestantischen Wohnvierteln. Wir haben auf der Stadtrundfahrt einen Palettenstapel von bestimmt 10 Metern Höhe gesehen – die Paletten wurden mit einem Kranwagen hochgehoben.

Bonfire Turm

Am 12.07. marschieren die Anhänger dann durch Belfast. Die Gruppen tragen Fahnen vor sich her, auf denen zu lesen ist, zu welcher Straße sie gehören. Es wir mit todernstem Gesicht marschiert, getrommelt und geflötet. Am Straßenrand machen es sich die Anhänger und Zuschauer auf Stühlen oder auf dem Boden gemütlich. Ist so ähnlich wie bei uns Karneval mit Spielmannszügen, nur ohne Mottowagen und ohne Spaß 😉 .

Parade zum 12.07.

Flaggenträgerin

Mit Ernst dabei – gelacht wird hier nicht

Wir gucken uns das Schauspiel einige Zeit an und sind eher unangenehm berührt, mit welcher Inbrunst auf die Trommeln geschlagen wird – vor allem die großen Trommeln werden mit einem grimmigen Gesichtsausdruck und einer Kraft verhauen, als wenn es sich um einen katholischen Iren und nicht um eine Trommel handelt.

Wo rohe Kräfte sinnlos walten…

Die Teilnehmer und Zuschauer sprechen für sich.

Polizei und Panzerwagen sind überall präsent

Verbunden sind die Feierlichkeiten leider auch mit Ausschreitungen und Gewalt. Gestern haben Polizisten in West-Belfast mehrere Freudenfeuer verkleinern wollen – als Reaktion darauf wurden Feuer angesteckt, Autos und Busse in Brand gesetzt, Bomben geworfen. Straßen mussten gesperrt werden, selbst der Flughafen war stundenlang gesperrt. Soweit wir das verstanden haben, richtet sich die Aggression und Gewalt nicht gegen die katholischen Iren, sondern gegen die Polizei – was es natürlich nicht besser macht. Auch in der Nacht sind die Ausschreitungen weitergegangen. Wir haben davon nichts mitbekommen, obwohl das Titanic Quarter an West-Belfast grenzt. Im Belfast Telegraph online haben wir darüber gelesen.

Auch in Derry/Londonderry gibt´s seit 5 Tagen wieder Agressionen, Streitigkeiten, Bomben werden geworfen und auf Polizisten ist an der Stadtmauer geschossen worden. Glaubt man der Presse, gehen dort die Unruhen vom nationalistischen, katholischen Bogside Quartier aus. Eigentlich fühlten wir uns in Derry/Lodonderry sicher, obwohl wir die unterschwellige Anspannung gespürt haben. Wie traurig ist das für die friedlichen Bewohner von Derry/Londonderry, die das Hafenfest und die Ankunft der Clipper des Around the World in solch einer Stimmung feiern 🙁 .

Auf unserem Rundgang durch Belfast versuchen wir so gut es geht, der Parade auszuweichen. Wir schlendern durch das Linen Quarter, in dem in den alten Webereien heute Büros untergebracht sind.

Im Linen Quarter

Pub

Dabei kommen wir auch am Hotel Europa, dem Hotel mit den meisten Bombeneinschlägen Europas und dem Crowns Pub vorbei. Hier darf man die Krone mit Füßen treten – vor dem Eingang ist im Bodenmosaik eine Krone eingearbeitet 😉 .

Crowns Pub

Mosaikkrone

Zum Abschluss unseres Belfastbesuches laufen wir noch durch das Cathedral Quarter mit seinen vielen – unpolitischen – Wandmalereien, Pubs und Bars.

Leider sind heute in Belfast wegen des Feiertages alles Geschäfte und Pubs geschlossen – nur das Merchant Hotel ist geöffnet. Dort werfen wir einen Blick in die große Halle mit einem riesigen Kronleuchter – super schön. Wir erfahren von einer Hotelangestellten, dass diese Räumlichkeiten ursprünglich das Hauptquartier der Bank of Ulster waren. Na ja, gut angelegtes Geld 😉 .

Merchant Hotel

Eingangshalle

 

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