Wir sind unterwegs …

Großenbrode – Nykøbing Mors

Donnerstag, 14.05.2015 – Samstag, 16.05.2015
W-SW-SE-NW 2-7 Bft – 264,1 sm – 54h 15min – Ø 4,9 kn – gesamt: 264,1 sm

Großenbrode - Nykobing Mors

Großenbrode – Nykøbing Mors

Lange hat´s gedauert, viel länger als in den vergangenen Jahren, bis wir endlich zu unserem nächsten Törn starten können. Wir haben jede zusätzliche Zeit zu Hause genutzt und jetzt ist es soweit. Nach einer wunderschönen Hochzeit von Marie-Luise und Christian mit einer super Hochzeitsfeier fahren wir am Mittwochabend mit Michaela und Jörg nach Großenbrode.

Michaela holt uns mit dem VW-Bus ab. Ein großes Auto und ein großer Kühlschrank an Bord verleiten dann doch dazu, den Stauraum auszureizen. Taschenweise verpacken wir frisches Obst, Gemüse, Wurst und Käse und so manches andere Nützliche oder Überflüssige in den Bus und später in unserer Ruby Tuesday. Dank der helfenden Hände von Michaela und Jörg war diese Prozedur auch um Mitternacht auf dunklem Steg kein Problem. Ein kurzer, aber umso herzlicher Abschied – dann werden wir die beiden erst mal nicht mehr sehen. Vielleicht ja irgendwo in Norwegen…

Um 12:00 Uhr am Donnerstagmorgen starten wir bei W 4 Bft unseren Norwegen-Törn. Ein bisschen planlos geht es dieses mal los – wir möchten unsere Ruby Tuesday eigentlich gerne in Norwegen überwintern, haben aber noch keinen passenden Liegeplatz gefunden. Sie soll in Norwegen bleiben, damit wir genügend Zeit für dieses beeindruckende Land haben und nicht nach Norden und wieder zurück hetzen. Wir machen unsere Segelei zunächst mal von Wind und Wetter abhängig – haben wir guten Segelwind, der nicht direkt von vorne kommt, werden wir „Strecke nach Nord machen“, um, wenn möglich, das Nordkap früh in diesem Sommer zu erreichen. Dann werden wir gemütlich zurück nach Süden bummeln und entweder einen Liegeplatz finden oder im Herbst bei stürmischem Wetter nach Holland segeln. Die erste Alternative wäre uns dann aber doch die angenehmere 😉 .

Jetzt segeln wir erst mal bei angenehmen 4 Bft Richtung Fehmarn, kreuzen durch den Fehmarnsund und segeln dann wieder am Wind an Langeland vorbei. In der Lübecker Bucht und im Fehmarnsund ist richtig viel los – Christi Himmelfahrt eben. Viele Segler nutzen das schöne Wetter. Nachdem wir Fehmarn gerundet haben, wird es schlagartig leer. Nur noch hin und wieder sehen wir einen Segler oder auch mal einen Frachter oder eine Fähre.

Frachter unterwegs

Frachter unterwegs

Fähre nach Arhus

Fähre nach Arhus

Als die Sonne untergeht, wird es schlagartig ziemlich kalt. Aber auch über Tag sind es nicht mehr als 12° – 14°. Wir beginnen schon früh mit unserem Wachwechsel – alle 4 Stunden passt für uns gut. So verbringen wir den Anfang unserer Reise überwiegend alleine, entweder an Deck oder im Bett. Aber das wird sich ändern!! Zwischendurch beim Wachwechsel sehen wir uns aber auch schon ein bisschen länger – schließlich müssen wir ja auch die Übergabe machen und essen müssen wir auch.

Die Nacht ist stockdunkel, wirklich richtig schwarz. Ich kann mich nicht erinnern, bei so dunkler Nacht schon mal gesegelt zu sein. Aber wir haben Neumond, deshalb nicht verwunderlich. Die Große-Belt-Brücke von Fünen nach Seeland ist kaum auszumachen. Nur die mittleren Pylone und die dreieckigen Anker sind beleuchtet, alle anderen Brückenpfeiler sind unbeleuchtet.

Große-Belt-Brücke

Große-Belt-Brücke

Durch das beleuchtete Hauptfahrwasser dürfen wir nicht fahren – so schreibt zumindest unser Törnführer. Da hilft es auch nicht wirklich, dass im Törnführer empfohlen wird, zwischen den Pfeilern 8 und 9 durchzufahren, nicht aber zwischen den Pfeilern 10 und 14 sowie 19 und 22. Unbeleuchtet können wir keine Pfeilernummern erkennen, wenn die Pfeiler denn überhaupt markiert sind. Wir fahren dann zwischen der westlichen Verankerung und dem Pylon durch – ohne Probleme und mit guter Sicht. Danach wird es dann allerdings wieder stockdunkel. AIS und Radar müssen für uns sehen!!

Auch der Freitag wird richtig schön – die Sonne scheint und es ist windgeschützt im Cockpit angenehm warm. Der Wind dreht erst auf NW, dann auf SW und wird immer weniger. Wir dümpeln teilweise nur mit zwei Knoten vor uns hin. Später dreht der Wind auf SE, schläft fast ganz ein, um dann in der Nacht wieder aus W mit 4-5 Bft zu wehen. Wir binden noch am Abend wieder ein Reff in´s Groß, so dass wir flott, aber entspannt weiter Richtung Norden segeln können. Geplant ist, dass wir bei Dämmerung den Eingang zum Limfjord erreichen, dann durch den Limfjord zur Nordsee segeln und uns rechtzeitig einen Hafen suchen, bevor es stürmisch wird. Die Wettervorhersage sagt für Samstag schon viel Wind aus W-NW voraus, für Sonntag dann Starkwind aus West.

Auch diese Nacht ist wieder dunkel, diesmal kommen uns einige Frachter entgegen oder überholen uns von hinten. Wir fahren parallel zum Schiffahrtsweg T durch den Großen Belt ins Kattegat. Pünktlich zur einsetzenden Dämmerung fahren wir in den Limfjord, vorbei an Hals bis nach Aalborg, wo wir von der ersten Brücke ausgebremst werden. Wir sind nur ein paar Minuten zu spät – die nächste Öffnung ist erst in einer Stunde. Auch die Eisenbahnbrücke 500 Meter weiter läßt sich Zeit mit dem Öffnen – erst dürfen die Züge passieren.

Der Wind kommt aus SW mit 3 Bft. Da sich der Limfjord mal nach Nord mal nach Süd, überwiegend aber von Ost nach West schlängelt, können wir immer wieder segeln. Nachdem wir in Logstor die Brücke passiert haben, wird es windig. Der Wind dreht auf NW und bläst mit 5-6 Bft, später dann mit 6-7 Bft. Die Welle nimmt auch ziemlich schnell zu und wir können endlich die in Großenbrode an Bord genommenen und festgetretenen Fliegen abspülen. Eigentlich könnten wir segeln – mit 50° zum Wind kein Problem. Aber mit unserer neuen Genua geht das nicht. So eine Sch… Wir können nicht reffen, da wir dann die Schoten viel zu stark an der Want enlangführen. Das ist weder für die Schoten noch für das Rigg gut. Da müssen wir uns ganz schnell eine Lösung einfallen lassen – vielleicht hat ja auch der Segelmacher eine gute Idee. So was hat es eigentlich noch nie gegeben, dass wir bei ungemütlichen Bedingungen unter Motor fahren, statt zu segeln.

Tja und dann kommt es ganz dicke – wir stellen fest, dass sich unser Fäkalientank nicht mehr entleeren läßt. Wie die meisten Segler entleeren wir den Tank unterwegs auf offener See als Fischfutter für hungrige Fische und lassen den Tank nicht an einer Absaugstation absaugen. Die sind in den Häfen sehr häufig in den hintersten Ecken und nicht gut zu erreichen. Und überhaupt…. Also suchen wir uns aus unserem „Sejlerens“ einen Hafen mit Absaugstation, denn einen vollen Fäkalientank kann man nicht wirklich gut reparieren 😉 .
So landen wir in Nykøbing auf der Insel Mors mitten im Limfjord.

Hier werden wir sehr freundlich empfangen. Der Hafen wird von einem Segelclub geführt und ist wirklich ein schönes Fleckchen. Auf der Suche nach der Absaugstation erfahren wir dann von dem Hafenmeister, dass diese leider defekt ist – die neue Pumpe muss erst noch eingebaut werden. Aber er werde sich informieren, in welchem Hafen wir unseren Fäkalientank absaugen lassen können. Er werde sich später melden.

Zwischenzeitlich nimmt das Elend seinen Lauf. Es ist kalt und wir wollen dann doch gerne die Heizung laufen lassen. Wie immer springt sie sofort an, aber sie stinkt. Nicht nach Fäkalien, sondern nach Abgasen. Peter geht der Sache auf den Grund, um frustriert festzustellen, dass das Abgasrohr verrottet ist. Das muss in den letzten Wochen passiert sein, denn wir haben nach Ostern noch alles inspiziert. Zumindest soweit das möglich ist. Das Abgasrohr steckt in einem dicken Schutzschlauch aus Glasfasergewebe, so dass man nichts sehen, sondern nur fühlen kann. Und zu Fühlen war eben noch nichts.

Die Stimmung sinkt so langsam – irgendwie haben wir das Gefühl, unser Törn endet, bevor er richtig begonnen hat. Mit diesen Baustellen können wir nicht weiter. Norwegen ohne Heizung geht auch im Sommer nicht. Und eine Toilette braucht man wohl auch.

Tja und dann kommt der Hafenmeister und wir kommen der Lösung des ersten Problems ein Stückchen näher. Er habe für morgen, Sonntag, um 09:00 Uhr einen Entsorgungswagen mit Absaugpumpe bestellt, der unseren Fäkalientank absaugen wird. Auf Kosten des Segelclubs natürlich. Wir sind sprachlos.

Tatsächlich kommt am Sonntagmorgen pünktlich um 09:00 Uhr ein großer Entsorgungswagen, der gut gelaunte Fahrer, der zur Unterstützung noch seine beiden kleinen Mädchen mitbringt, rollt einen Schlauch ab, baut eine Hilfskonstruktion, da die Öffnung unseres Absaugstutzens nicht groß genug ist und in Sekunden ist unser Tank leer.

Unsere Absaugstation

Unsere Absaugstation

Alle bei der Arbeit

Alle bei der Arbeit

Bei dieser Gelegenheit fragen wir den Hafenmeister nach einer Eberspächer-Vertretung hier in der Nähe, um dort vielleicht das Ersatzteil für die Heizung zu bestellen. Der zückt sofort sein Handy, telefoniert mit einem Bekannten und sagt uns, dass dieser Bekannte nachmittags an Bord komme, um zu schauen, wie er helfen könne. Er habe gute Kontakte zu Eberspächer. Wir sind schon wieder sprachlos und auch ein bisschen überrumpelt. Mit Hilfe des nun auch vorhandenen Internetzugangs wollen wir uns eigentlich einen Händler in Norwegen suchen. Aber mal schauen, wie uns hier geholfen werden kann. Wir nehmen gerne jede Hilfe an.

Zuerst aber kümmern wir uns mal um unseren Fäkalientank. Die Einzelheiten erspare ich mir hier – nur so viel: Ein nicht ganz dezenter Duft von Jauchegrube zieht durch und um unsere Ruby Tuesday. Schließlich finden wir das Problem, lösen es und wir können unsere Toilette wieder benutzen. Auch der Duft der großen weiten Welt verflüchtigt sich dann schnell – der Wind und gutes Lüften helfen mit.

Nachmittags kommt dann der Däne Hans an Bord – ein Weltumsegler, mit einer 30 ft Albin Ballad, meistens alleine unterwegs. In Norwegen und Spitzbergen war er auch schon, auch alleine. Diesen Sommer will er mal eben zu den Faröern segeln – alleine natürlich. Hans ist nicht mehr ganz so jung, hat schon einige Seemeilen auf seinem Salzbuckel und auch gute Kontakte zu Eberspächer. Er verspricht, Montagmorgen das Ersatzteil in Kopenhagen zu ordern und uns dann Bescheid zu sagen, wann es geliefert wird. Um 10.00 Uhr steht er heute wieder am Steg und sagt uns, dass der Abgasschlauch am Dienstagmittag hier sein wird. Wir sind wieder mal sprachlos. Hoffen wir, dass alles passt und wir unsere Reise dann auch bei einem guten Wetterfenster fortsetzen können.

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