Über die Biskaya und durch den Englischen Kanal in`s Ijsselmeer

Freitag, den 26.06.2020 – Donnerstag, den 02.07.2020                                                               SW 5-7 Bft – 839sm –  Ø 5,6kn

Track Avilés – Urk

Schon in den letzten Wochen verfolgen wir das Wetter in der Biskaya sehr genau – es ist gar nicht so einfach ein akzeptables Wetterfenster mit Wind aus der passenden Richtung für drei Tage zu finden 🙁 , um gut über die Biskaya zu kommen. Entweder kommt der Wind aus Nord – genau dahin wollen wir segeln, oder es ist Flaute oder es zieht mal wieder ein Sturmtief über die Biskaya. Alles nichts für uns, um uns auf den Weg nach Hause zu machen 😉 .

Wir planen, über die Biskaya bis zur Ilé d´Ouessant und dann weiter in den Englischen Kanal zu segeln. Stoppen wollen wir in Frankreich, Belgien oder Holland nur, wenn es zu stürmisch wird oder Flaute ist. Tolle Wünsche  😉  – ob die sich wohl erfüllen lassen?

Schon Anfang der Woche, als wir in Spanien ankommen, zeichnet sich ein passendes Wetterfenster ab – Freitag könnten wir mit wenig Wind starten, der dann in der Nacht zu Samstag schon eher frischer werden soll, um dann recht moderat weiter zu wehen. Wir könnten am Rande eines Tiefs, das über Irland und England wegzieht, mit Wind aus Südwest, später aus West Richtung Norden segeln. In Höhe der Ilé d´Ouessant würde es dann noch mal richtig windig, sollte sich das Tief nicht weiter nach Norden verlagern. Stimmt die Wettervorhersage, würde uns der Wind in den Englischen Kanal schieben. Windstärken zwischen 5 und 7 Bft, Windrichtung aus Südwest bis West – alles Bestens für einen Kurs mit raumem Wind 🙂 . Nur – bis Freitag ist noch lang und da kann sich an der Wetterlage noch so einiges ändern.

Tatsächlich bleibt die Wettervorhersage im Groben so, wie wir sie schon seit Montag beobachten – es sieht alles danach aus, als wenn wir in einem Rutsch nach Hause segeln könnten 🙂 .

Freitag Morgen um 07:00 Uhr legen wir mit unserer Ruby Tuesday in Avilés ab und starten die ca. 830 sm lange Rückreise nach Urk im Ijsselmeer 🙂 . Mit viel Respekt vor der Biskaya verlassen wir die Ria de Avilés und haben erst mal ziemlich wenig Wind. Das ist auch gar nicht so schlecht, denn wir sind 9 Monate nicht gesegelt und müssen uns erst mal wieder an die Schiffsbewegungen gewöhnen.

Punta de la Forcada an der Mündung der Ria de Avilés

Das Wetter ist toll, die Sonne scheint, Delfine begleiten uns immer wieder durch den Tag.

Einer von unzähligen Delfinen in der Biskaya

Nach 11 Stunden, in denen uns 8 Stunden der Motor weitergebracht hat, erreichen wir die Ausläufer des Tiefs mit endlich richtig segelbarem Wind. Für die Nacht bereiten wir uns auf viel Wind vor, wir reffen das Großsegel und binden das 2. Reff ein. Innerhalb von Minuten legt der Wind von 5kn auf 25kn zu – ab geht die Post. Welch ein Spaß – unsere Ruby Tuesday läuft und läuft und läuft …. smooth setzt sie in die nun doch höher werdenden Wellen ein 🙂 .

Im Laufe der Nacht nehmen Wind und Welle wie vorhergesagt zu. Der Wind weht aus SW meistens mit 30kn, in der Spitze auch schon mal 34kn, das aber wirklich nur in Böen. Es ist dunkel, kein Mondlicht schimmert wenigstens ein bisschen auf den Wellen, so dass wir die anrauschenden Wellen nur hören, nicht aber sehen. Erst gegen Morgen nimmt der Wind etwas ab und weht meistens mit 25kn. Das Etmal unseres ersten Tages (Freitag, 07:00 Uhr bis Samstag 07:00 Uhr) beträgt 126sm, wir sind mit durchschnittlich 5,3kn unterwegs. Jetzt bei Tageslicht können wir die Wellen denn dann auch sehen  😉 . Die Wellenhöhe ist wie immer schlecht zu schätzen, wir empfinden sie aber als hoch. Zumindest die „drei Schwestern“ die regelmäßig über uns her fallen, sind höher als die vorhergesagten 2,80 Meter 🙁 . Das ist jetzt nicht mehr wirklich Genusssegeln, sondern die Bewegungen an Bord werden ziemlich anstrengend.

Im Laufe des Samstags beruhigen sich Wind und Welle – Wind um 20kn aus Südwest bescheren uns angenehmes Segeln und flottes Vorankommen 🙂 . Die Sonne scheint, es ist angenehm warm – wir freuen uns, dass es bis jetzt so gut läuft 🙂 . Die zweite Nacht ist sternenklar und der Mond scheint nun auch. Der Wind weht weiter aus SW, immer knapp unter 20kn. Tolles Segeln! Das Etmal unseres zweiten Tages (Samstag, 07:00 Uhr bis Sonntag 07:00 Uhr) beträgt 138sm, wir sind mit durchschnittlich 5,5kn unterwegs und sind bisher 264sm gesegelt.

Das Tiefdruckgebiet zieht anders als vorhergesagt nördlicher über England weiter, so dass wir Sonntag Mittag bei der Ilé d´Ouessant nur noch 18kn Wind haben 🙂  und nicht 30kn, mit denen wir gerechnet hatten.

Leuchttürme vor der Ilé d´Ouessant

Wir segeln nicht durch den Chenal du Four zwischen der Ilé d´Ouessant und dem Festland, da uns dort jetzt die Strömung entgegen kommt. Wind gegen Strom macht nicht wirklich Spaß und ist hier durch Overfalls und Wirbel eher unangenehm bis gefährlich. Und ein Ankerplätzchen zum Warten auf die richtige Strömungsrichtung bietet sich dort auch nicht an. Wir passieren daher die Ilé d´Ouessant westlich, werden aber auch hier durch starke Strömung und hohe, sich brechende Wellen reichlich durchgeschüttelt. Obwohl wir 18kn raumen Wind haben, machen wir nur noch 1,9kn Fahrt über Grund. Strömung und konfuse Wellen bremsen uns ganz schön aus 🙁 . Aber auch dieser Spuk ist irgendwann vorbei und hört auf, als wir Kurs in den Englischen Kanal nehmen.

Ilé d´Ouessant

Da wir jetzt überwiegend den Wind von achtern haben werden, nehmen wir das Großsegel runter und segeln nur noch unter Genua weiter – eine Wohltat, wie ruhig unsere Ruby Tuesday nun ihren Kurs segelt 🙂 .

Wir haben wirklich Glück mit Wind und Wetter – Sonnenschein und weiterhin Wind um 25kn aus Südwest. So rauschen wir an der Französischen Küste entlang Richtung Channel Islands. Auch die 4. Nacht beschert uns um 25kn Wind und eine Welle, von der wir auch gerne mal runter surfen 🙂 . Das 3. Etmal (Sonntag, 07:00 Uhr bis Montag 07:00 Uhr) beträgt 128sm, wir sind mit durchschnittlich 5,4kn unterwegs und sind bisher 392sm gesegelt.

Alderney ist unser nächster Wegpunkt. Wir mögen die Kanalinseln sehr und entscheiden kurzfristig, hier für ein paar Tage einen Stopp einzulegen. Bevor wir am Montag Mittag den Hafen von Alderney anlaufen, funken wir mit der Coastguard und erfahren, dass alle Kanalinseln für ausländische Boote geschlossen sind – Corona halt. Schade 🙂  – ein paar Tage Alderney, ankern vor Sark und das lebhafte Guernsey hätten wir schon gerne auf unserem Törn nach Hause noch mitgenommen 😉 .

Mit passender Tide passieren wir das Race of Alderney und das Cap de La Hague und nehmen Kurs auf Calais. Wind zwischen 24kn und 28kn aus Südwest bringt uns schnell voran, durch die Landabdeckung der französischen Küste sind die Wellen nicht mehr so hoch. In Höhe von Cherbourg kommt der Französische Zoll auf uns zu, fragt nach dem Woher und Wohin und nach der Anzahl der Personen an Bord. Das kennen wir schon  😉  – fast jedes mal, wenn wir hier entlang segeln, sind wir bis jetzt kontrolliert worden. Mal mit Beamten an Bord, mal nur über Funk und auch schon mal von einem Hubschrauber. Heute reichen den Zollbeamten unsere Angaben über Funk nicht, sie bitten an Bord kommen zu dürfen – bei 26kn Wind, Welle von hinten und 7-8kn Fahrt ein ambitioniertes Unternehmen 😉 . Wir bleiben im Cockpit sitzen und begucken uns die akrobatischen Einlagen der beiden Beamten, die sich von einem Dinghi zu uns an Bord hangeln. Geht alles gut – haben die wohl schon öfter gemacht 😉 .

Der Zoll besucht uns mal wieder

Wir haben eine unterhaltsame Stunde mit den Beiden bei uns an Bord. Einer der Beamten ist auch Segler – er interessiert sich hauptsächlich für unsere Ruby Tuesday und die Navigationstechnik. Eher nebenbei werden unsere Personalien und Bootspapiere kontrolliert.

Fotos bitte nur ohne Gesichter

Zum Schluss kommt noch die obligatorische Frage, ob wir Zigaretten, Alkohol oder Drogen an Bord hätten. Haben wir natürlich nicht! Eine kurze Führung durch das Schiff – und schon sind die Beiden wieder in das Dhingi gehüpft und bleiben in unserem Kielwasser. Falls uns der Französische Zoll auf diesem Törn noch mal kontrollieren sollte – wir haben eine offizielle Unbedenklichkeitsbescheinigung bekommen, die wir dann vorzeigen sollen 😉 .

Das Wetter soll schlechter werden, es ist Regen angesagt. Wir schließen unsere Kuchenbude, das Großsegel haben wir ja schon lange geborgen. Nur unter Genua, wind- und regengeschützt in der Kuchenbude geht es entspannt mit 25kn durch die 4. Nacht 🙂 . Wir segeln parallel zum Verkehrstrennungsgebiet. Mit der Tide haben wir auch hier wieder großes Glück. An Boulogne-Sur-Mer rauschen wir nur so vorbei und auch das Cap Gris-Nez, an dem wir vor Jahren auf dem Weg zu den Kanalinseln gegen Wind und Strömung auch schon mal rückwärts gekreuzt sind 😉 , lassen wir mit 9,5kn Fahrt über Grund schnell hinter uns  🙂 . Wenn wir Tagesetappen segeln, können wir die Tide und damit den richtigen Abfahrtszeitpunkt berechnen, bei so einer langen Strecke ist man eher durch Zufall und ein bisschen Glück zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle – oder man muss halt rechtzeitig die Geschwindigkeit reduzieren oder beiliegen oder ankern oder …., um nicht gegen den Strom zu segeln. Hier hat´s gepasst  🙂 .

Morgens haben wir dann ein 4. Etmal (Montag, 07:00 Uhr bis Dienstag 07:00 Uhr) von 147sm, wir sind mit durchschnittlich 5,6kn unterwegs und sind bisher 539sm gesegelt.

Die Routine an Bord hat sich schnell schon zu Beginn unseres Törns eingestellt – alle 4 Stunden ist Wachwechsel, dazwischen nehmen wir uns immer auch gemeinsame Zeit zur Übergabe, zum Quatschen und zum Essen – nachts natürlich weniger, als tags 😉  . Wie immer gibt´s Obstsalat zum Frühstück, Brote zum Mittag und abends haben wir Auflauf, Pizza oder Nudeln – einiges unter sehr akrobatischen Verrenkungen zubereitet  😉 , einiges aber auch schon vor Abfahrt vorbereitet. Obwohl durch die Wellen immer noch viel Bewegung im Schiff ist, merken wir, dass wir uns immer selbstverständlicher an Bord bewegen. Ein bisschen pathetisch ausgedrückt  😉 , könnte man sagen, wir sind wieder eins mit unserer Ruby Tuesday. Automatisch, ohne nachzudenken, passen wir unsere Bewegungen den Schiffsbewegungen an 🙂 . Ein schönes Gefühl!

Viel los ist nicht auf dem Wasser. Wir haben das Gefühl, dass wir alleine unterwegs sind. Zwei andere Segler haben wir bisher gesehen, auch nur ganz wenige Frachter und Fischer kreuzen unseren Kurs. Besser so, als wenn viel Betrieb ist 😉 . Anders wird das, als wir in der Dover Strait sind – hier begegnen wir den Fähren, die zwischen Calais und Dover hin und her sausen und auch das Aufkommen an Frachtern im Verkehrstrennungsgebiet wird höher. Macht aber nichts, wir segeln außerhalb des Verkehrstrennungsgebiets durch die belgischen Sände, passieren Walcheren, Schouwen, das Scheldegebiet und queren vorschriftsmäßig 😉  die Maasmündung. Das alles bei immer noch 18kn – 25kn Wind aus SW, mäßiger Welle und Sonnenschein 🙂 .

Frachter und Kreuzfahrtschiff auf Reede

Auch auf Reede

Auf der Nordsee gibt´s auch schöne Sonnenuntergänge 😉

Die Hafeneinfahrt von Ijmuiden passieren wir gegen 23:30 Uhr und sind um 00:00 Uhr an der Seeschleuse Ijmuiden. Die Seaport-Marina Ijmuiden ist für uns keine Alternative zum Weiterfahren – wir mögen die Marina nicht, noch weniger mögen wir das Stahlwerk, das direkt gegenüber der Marina liegt 🙁 . Um 00:30 Uhr sind wir im Nordzeekanaal, drei Stunden später fahren wir durch das wunderschön beleuchtete Amsterdam. Gerne wären wir bis in´s Ijsselmeer weitergefahren und dort weiter gesegelt, aber die Oranjesluizen und die Schellingwouderbrug in Amsterdam sind derzeit nachts wegen Corona geschlossen. Wir machen am Wartesteiger der Schleuse fest und können kaum glauben, dass wir schon fast zu Hause sind  🙂 .

Das letzte Etmal, das aber ja kein richtiges Etmal ist, da wir schon um 03:30 Uhr am Steiger liegen, beträgt 120sm, wir sind mit durchschnittlich 5,7kn unterwegs und sind bisher 794sm gesegelt  🙂 .

Donnerstag Morgen geht´s erst spät weiter – einige Boote sind schon durch die Schleuse gegangen. Die Sonne scheint immer noch, es ist warm und der Wind weht …. passend aus SW mit 18kn-25kn  🙂 . Wir wollen gegen jeden besseren Wissens nach Monnickendam – das Fahrwasser dort hin ist nur 2,10 Meter tief und wir haben einen Tiefgang von 1,90 Metern, gaaanz schlecht und noch schlechtere Seemannschaft 😉 . Aber unsere Freunde Michaela und Jörg liegen dort mit ihrer SY Soemarken und ein Treffen auf dem Markermeer mit Eskorte bis nach Monnickendam hat leider nicht geklappt. Wir haben einfach zu lange geschlafen  🙁 . Wir kommen tatsächlich wieder mal ohne Grundberührung in Monnickendam an – Peter ist schweißgebadet, dieses Stück Fahrwasser ist aufregender als der ganze zurückliegende Törn! In Monnickendam werden wir dann von Michaela, Jörg und deren Kindern und Enkelkindern in Empfang genommen, die für drei Wochen Sommerurlaub das Projekt „7 in einem Boot“ bisher sehr erfolgreich angehen  🙂 .

„Unser“ Liegeplatz in Monnickendam

Gouwzee …. wenn das Fahrwasser dorthin nur nicht so flach wäre

Wir verbringen schöne, kurzweilige Stunden miteinander und legen Freitag Morgen zu unserem letzten Schlag nach Urk ab – mit Wind aus SW, 25kn 🙂 – kennen wir nun ja schon 😉 .

Nach einer letzten Rauschefahrt machen wir nach 29sm in Urk fest – leider nicht in unserer Box, die ist besetzt, sondern mit auflandigem Wind an der Kade direkt am Parkplatz  🙁 .

Kein guter Platz bei so viel auflandigem Wind

Gibt wirklich bessere Liegeplätze bei dem vielen Wind, aber wir trotzen hier zwei Tage Sturm und Regen, bis wir uns am Montag auf unseren Liegeplatz verholen – Angekommen 🙂 .

794 Seemeilen am Stück, fast 6 Tage – von Avilés bis zu den Oranjesluizen in Amsterdam – so viel sind wir bisher noch nicht gesegelt.  Es war ein toller Törn, Segeln vom Feinsten und fast wie im Rausch 🙂 . Weiter, weiter, immer weiter …. wir hätten noch Tage so weitersegeln können! Nach unseren Törns zum Nordkap und rund Island ist dieser Törn ein weiteres Highlight in unserem Seglerleben 🙂 . Wir sind uns aber auch sehr bewusst, dass wir den Törn nur deshalb so genießen konnten, weil alle Bedingungen optimal waren. Hätten wir weniger oder mehr Wind oder schlimmer, Wind gegenan gehabt, oder hätten hoch am Wind segeln müssen, hielte sich unsere Begeisterung vermutlich in Grenzen 😉 . Rückblickend haben wir das einzige für uns passende Wetterfenster erwischt, dass uns diesen  traumhaften Törn ermöglicht hat 🙂 . Wären wir nicht am Freitag losgesegelt, wären wir immer noch in Avilés. Bis jetzt und auch für die nächsten Tage zeichnet sich kein passendes Wetter ab, um nur über die Bsikaya zu segeln. Es gibt bestimmt Schlimmeres, als noch ein paar Wochen in Avilés zu bleiben, ist aber nicht das, was wir wollten 😉 .

Und wie geht´s jetzt weiter? Der Törn über die Biskaya und durch den Englischen Kanal zurück nach Urk wird in diesem Jahr bestimmt das aufregendste Segelerlebnis sein 😉 . Wir werden in dieser Saison noch ein bisschen auf dem Ijsselmeer segeln, die holländischen Inseln besuchen, vielleicht mal nachts die Staande Mastroute durch Amsterdam fahren oder …. wir werden sehen, was Wind, Wetter, Enkelkindernachwuchs, Familie und Corona so möglich machen!

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Wir sind wieder an Bord unserer Ruby Tuesday 

Samstag, den 20.06.2020 – Donnerstag, den 25.06.2020

Neun lange Monate hat unsere Ruby Tuesday in Avilés in Nordspanien auf uns gewartet. Dass es eine so lange Zeit werden wird, bis wir wieder zurück auf unsere Ruby Tuesday kommen, haben wir im September 2019 nicht geahnt.

Eigentlich wollten wir schon Mitte April 2020 wieder in Nordspanien sein und unser Schiff auf den nächsten Törn nach Lagos in Portugal vorbereiten – aber dann kam Corona und hat nicht nur unsere Segelpläne auf den Kopf gestellt. Ohne hier weiter auf die Folgen und Auswirkungen des Corona-Virus für uns alle einzugehen, wird jeder für sich einen Weg finden müssen, damit umzugehen. Wir haben für uns beschlossen, unsere weitere Reise nach Portugal, nach Madeira und den Azoren erst mal zu unterbrechen und unsere Ruby Tuesday nach Holland zurückzusegeln. Für uns ist es unvorstellbar, nicht jederzeit für eine Enkelkinderpause zur Familie nach Hause fliegen zu können oder nicht jederzeit zu unserer Ruby Tuesday zurückzukommen, so wie wir es in den letzten Jahren immer gemacht haben oder immer auch mit neuen Bewegungseinschränkungen in Spanien oder Portugal rechnen zu müssen. Das passt mit unserer Vorstellung von Freiheit unter Segeln einerseits, aber auch engen Kontakt zur Familie andererseits nicht wirklich zusammen.

Mit Avilés, dem nicht besonders schönen Industriehafen, haben wir für unsere Ruby Tuesday einen idealen Hafen zum Überwintern im Wassern gefunden. Kein Schwell kommt vom Atlantik bis in diesen langen Fjord, der Zugang zu den Stegen ist abgeschlossen und der Hafenmeister kümmert sich sehr engagiert um die Boote der Winterliegegäste 🙂 . Regelmäßig haben wir Fotos von unserer Ruby Tuesday bekommen. Auch als klar war, dass wir wegen der Corona-Pandemie nicht wie geplant nach Spanien zurückfahren können, beruhigte uns der Hafenmeister, dass wir den Liegeplatz so lange wie wir ihn brauchen auch behalten können. Er werde sich weiter um unser Schiff kümmern, es regelmäßig abspritzen und die Leinen kontrollieren – eine Sorge weniger 😉 .

Am 20.06.2020 brechen wir dann mit einem voll gepackten Leihwagen nach Spanien auf. Ein One-Way-Leihwagen ist ja nicht gerade ein Schnäppchen, aber zufällig können wir die Kosten um die Einweggebühr reduzieren, da bei unserem Vermieter ein spanischen Leihwagen steht, der nach Spanien zurückgefahren werden soll – das machen wir natürlich gerne 😉  .

Die Fahrt durch Holland, Belgien und Frankreich verläuft vollkommen problemlos, die Straßen sind frei, es ist kaum jemand unterwegs. Nur rund um Paris ist dann doch mehr Betrieb. Bis Bayonne fahren wir am Samstag und übernachten dort in einem kleinen Hotel. Um nach Spanien weiter zu fahren ist es noch zu früh – die Grenze öffnet nach wochenlanger Schließung erst wieder um Mitternacht 😉 . Der Grenzübertritt am nächsten Morgen erfolgt fast unbemerkt. An einer Mautstation ist auch die Grenze – wir bezahlen unsere Maut und schon sind wir in Spanien. Besser hätte es nicht klappen können 🙂 . Auch hier ist nichts los – Grenze und Autobahn sind frei  🙂 .

Gegen Mittag sind wir dann endlich in Avilés wieder an Bord unserer Ruby Tuesday. Die strahlt und glänzt – der Hafenmeister hat morgens wohl noch das Deck so richtig geschrubbt 🙂 . Auf den ersten Blick sehen wir weder am Rumpf noch am Rigg oder an den Festmachern irgendwelche Schäden – auch unter Deck ist alles ok. Keine Feuchtigkeit, kein Schimmel – nur der übliche Geruch, wenn man lange nicht an Bord war 😉 .

In den nächsten Tagen machen wir unsere Ruby Tuesday wieder segelklar – das ist hier nicht weniger aufwändig, als in Holland 😉 . Neben den üblichen Arbeiten taucht Peter das Unterwasserschiff ab – der Rumpf hat nur einen leichten schleimigen Bewuchs, der sich sicherlich absegelt, das Bugstrahlruder und den Saildrive muss er von einigen hartnäckigen Untermietern befreien 😉 . Raus muss unsere Ruby Tuesday dafür nicht. Peter zieht mich zum Riggchecken in den Mast – auch hier ist alles ok. Unsere Logge müssen wir allerdings dann doch ziehen – die ist so bewachsen, dass sie sich beim Tauchen nicht reinigen lässt.

Neben den Arbeiten am Schiff bleibt aber auch noch Zeit, ein bisschen spanische Natur und Kultur zu genießen 🙂 . Wir machen einen Ausflug zur Mündung des Ria de Avilés und bestaunen wieder mal den weiten Atlantik. Wir freuen uns auf´s Segeln – endlich wieder raus auf´s Wasser 🙂 .

Die schöne Altstadt von Avilés, die man in so einem Industrieort gar nicht erwartet, besichtigen wir jetzt auch – im September im letzten Jahr haben wir das irgendwie nicht mehr geschafft 🙁 . Wir sind ziemlich überrascht, welch schöne alte Kirchen, Häuser und Paläste dort stehen – die Altstadt von Avilés soll eine der ursprünglichsten und besterhaltenen Altstädte Asturiens sein.

Auffällig ist allerdings auch, dass dort kaum jemand unterwegs ist. Die Stühle vor den Restaurants und Cafés sind leer oder hochgestellt. Touristen sieht man gar nicht, alle gehen mit großem Abstand aneinander vorbei und fast alle tragen den Mund-Nasen-Schutz.

Auf der Promenade, die am Hafen entlang führt, ist wesentlich mehr Betrieb. Hier wird gewalkt, gejoggt oder einfach nur spazieren gegangen und die Sonne genossen.

Bevor es dann am Freitag los geht, verbringen wir einen schönen Abend mit dem Hafenmeister und auch mit Johanna und Norman von der SY Irma, die auch in Avilés überwintert hat. Die beiden sind auf dem Rückweg von der Algarve und segeln ihre Irma in den nächsten Monaten in den Norden. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschieden wir uns von Avilés und Spanien – Morgen geht´s los Richtung Heimat 🙂 .

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1.487 sm später …

… wartet unsere Ruby Tuesday in Nordspanien auf das nächste Frühjahr, um dann mit uns weiter Richtung Süden zu segeln.

Urk – Avilés

Bretagne

Als wir mit dem Langzeit-Segeln vor 7 Jahren begonnen haben, war ganz klar, wir segeln von Ost nach West und dann vielleicht nach Süden. St. Petersburg, Haparanda, Nordkapp, Island, Schottland und Irland waren die logische Reihenfolge unserer Törns und liegen in unserem Kielwasser. Also müsste jetzt eigentlich der Süden folgen 😉 .

In den ersten beiden Jahren in der Ostsee hatten wir durchaus sehr warmes Wetter, aber in den letzten Jahren waren es doch eher Eisbärentörns, wenn auch mit viel Sonne 🙂 . So richtig konnten wir uns bei der Törnplanung für dieses Jahr aber dann doch nicht vorstellen, nicht im Norden zu segeln, sondern doch mal den Bug nach Süden zu richten.

Skeptisch waren wir, ob es nicht zu heiß und vor allem viel zu voll ist. Ein richtiges Ziel hatten wir nicht, als wir Mitte Mai gestartet sind – wir haben alles offen gelassen – frei nach dem Motto, wenn es uns im Süden nicht gefällt, drehen wir um und segeln nach Wales – das kennen wir nämlich auch noch nicht 😉 . Wie gut, dass wir uns nach anfänglichen Eingewöhnungsschwierigkeiten doch in Frankreich und Spanien sehr wohl gefühlt haben, denn im Norden war in diesem Jahre meistens Schiet-Wetter 🙁 .

In den vergangenen Jahren sind wir nie mit irgendwelchen Erwartungen zu unseren Törns gestartet und waren immer wieder positiv von den Ländern und vor allem vom guten Wetter überrascht. In diesem Jahr war das etwas anders – wir sind einfach davon ausgegangen, dass es sonnig und warm ist, wenn wir nach Süden segeln. Das war zumindest bis Mitte Juni nicht ganz so – wir hatten ziemlich durchwachsenes Wetter mit einigen trüben Tagen 🙁 . Warm wurde es auch nur langsam – allerdings konnten wir von Beginn unseres Törns an in Jeans und Fleece-Shirt segeln – die dicke Segelgarderobe, Mütze und Schal haben wir nicht gebraucht – ein ganz neues Feeling 🙂 . Ab Juli wurde es zunehmend wärmer, so dass wir erst auf unserer Rückfahrt nach Deutschland wieder eine lange Jeans und feste Schuhe angezogen haben – an Segeln in T-Shirt, Shorts und barfuß kann man sich glatt gewöhnen 😉 . Trotz der paar Regentage in der Bretagne und auch in Spanien, hatten wir einen tollen, sonnigen Segelsommer – den Regen und das schlechte Wetter haben wir zum Glück hinter uns gelassen 🙂 . Selbst die Spanier meinten, für Nordspanien sei der Sommer trocken und sonnig gewesen. Normalerweise regnet es in Nordspanien ziemlich viel. Die Temperaturen waren für uns Eisbären gut auszuhalten – war es mal zu warm oder heiß, konnten wir uns immer gut am Ankerplatz im Atlantik abkühlen 🙂 .

Sehr gewöhnungsbedürftig waren für uns die Ankerbedingungen – kannten wir von unseren bisherigen Törns nur schöne, kuschelige und geschützte Buchten 🙂 , mussten wir uns in der Bretagne beim Ankern mit dem Atlantik-Schwell anfreunden 🙁 . Richtige Ankerbuchten gibt’s nicht – aber viele schöne Ankerplätze mit Landabdeckung. Noch schwieriger ist die Ankersituation in Nordspanien 🙁 . Selbst bei Windstille schwappt die Atlantikdünung in die Buchten. Ruhig gelegen haben wir nur in der Ria de la Santoña – an den anderen Ankerplätzen vor den Fischerhäfen haben wir die Bewegung des Schiffes in Kauf genommen 😉 .

Die Nordbretagne ist landschaftlich eher rauh mit schroffen Felsen, die Südbretagne hat überwiegend eine sanfte, geschwungene Küstenlinie mit vielen Sandstränden und reichlich größeren Marinas, die wir aber bis auf wenige Ausnahmen nicht angelaufen sind. Wirklich beeindruckend, so wie die Berge in Norwegen oder Island, ist das sicherlich nicht 🙁 . Unglaublich üppig und schön ist aber die Blumenpracht der Bretagne. Sie hat uns immer wieder in Erstaunen und Begeisterung versetzt. Hortensien und Stockrosen in Kombination mit den typischen bretonischen Häusern war dann auf andere Weise doch sehr schön anzusehen 🙂 . Bergiger wurde die Küste erst ab der französisch-spanischen Grenze, als wir die Ausläufer der Pyrenäen im Hinterland sehen konnten – das war wieder mehr nach unserem Geschmack 😉 . Und so bergig ist die nordspanische Küste im Baskenland, in Kantabrien und Asturien auch geblieben – ein schönes Panorama. Wirklich richtig toll waren die Picos de Europa – nicht nur vom Wasser aus anzusehen, sondern auch zum Wandern 🙂 .

Der zweite Teil unseres Törns verlief unter dem Motto Sail and Drive – nach unserer Enkelkinderpause bis Anfang Juli sind wir mit unserem Auto nach Frankreich zurück gefahren. Abwechselnd sind wir mal zuerst mit unserer Ruby Tuesday vorgesegelt und haben dann Tage später unser Auto nachgeholt oder sind mit dem Auto vorgefahren, um dann später dorthin zu segeln. Immer haben wir das Nachholen des Autos mit schönen Landtouren verbunden. So haben wir sehr viel mehr von Frankreich und Spanien gesehen und kennengelernt, als wenn wir uns mal einen Leihwagen genommen hätten 🙂 . Das hat aber auch nur funktioniert, weil wir keine Seemeilen absegeln mussten, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. 1.487 Seemeilen sind so wenig, wie wir bisher auf keinem der Törns in den letzten sechs Jahren gesegelt sind. Im Vordergrund stand in diesem Jahr eher, mal zu schauen, wie weit wir kommen und dann im nächsten Jahr ähnlich gemütlich weiterzusegeln. Nicht zurück zum Heimathafen segeln zu wollen oder zu müssen, entspannt so eine Törn doch ganz erheblich. Sail and Drive könnten wir uns auch für den nächsten Segelsommer gut vorstellen, denn da werden wir vermutlich noch weniger Seemeilen hinter uns lassen 🙂 .

Mit Auto, Zug und Bus durch Frankreich und Spanien

In Avilés haben wir für unsere Ruby Tuesday eine kleine Marina tief in einem Fjord gefunden. Atlantikschwell kommt dort nicht mehr rein, Sturm oder starken Wind soll es in Avilés nur an ein paar Tagen im Winter geben. Der Hafenmeister ist sehr engagiert, wird regelmäßig kontrollieren, ob unsere Ruby Tuesday noch gut vertäut ist und wird uns immer wieder mit Fotos versorgen. Die ersten beiden Bilder haben wir schon bekommen 😉 .

Im nächsten Jahr geht es dann an der Nordspanischen Küste weiter Richtung Galicien – dort freuen wir uns schon sehr auf die schönen Rias und dann weiter Richtung Portugal. Wie weit – das überlassen wir Wind, Wetter und den vielen geplanten Landtouren 🙂 .

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Llastres – Avilés

Donnerstag, den 12.09.2019
E 2-5 Bft – 42sm – 8h 44 min – Ø 4,8kn – gesamt: 1.487 sm

Llastres – Avilés

Zu unserem letzten Schlag in diesem Sommertörn starten wir bei perfekten Bedingungen – Sonnenschein, blauer Himmel, warm und Wind aus Ost – nicht so kräftig, wie erhofft und vorhergesagt, aber stark genug, um schön zu segeln 🙂 .

Die warme Herbstsonne taucht Llastres in fast goldenes Licht – ein schönes Abschiedsbild.

Llastres

Anfangs läßt der Wind noch auf sich warten, wir haben nur 2 Bft aus E. Zum Trockensegeln setzen wir das Großsegel und die Genua – trotzdem kommen wir nur langsam voran. Erst gegen 13:00 Uhr wird der Wind langsam etwas stärker, bis er dann ab 15:00 Uhr auch kräftig weht 😉 .

Wir holen unser gut getrocknetes Großsegel runter und segeln nur mit der Genua. Die zieht uns bei der doch wieder recht hohen Dünung prima Richtung Westen. Die Landschaft verändert sich, die hohen Berge weichen einer eher flachen Küste. Erst kurz hinter Gijón wird die Küste schroff und felsig. Am Cabo Peña sehen die Hügel wie abgeschnitten aus.

Cabo Peña

Westlich des Cabo Peña sehen wir schon das Fahrwasser nach Avilés. Wir kosten das Segeln bis zum letzten Moment aus – erst im Fahrwasser, als uns ein Fischer überholt, holen wir auch die Genua ein. Knapp drei Seemeilen motoren wir in den engen, geschützten Fjord, bis wir in der kleinen Marina in Avilés festmachen.

Fischerhafen von Avilés

Avilés-Marina

Schön ist es hier nicht – Avilés ist ein Industriehafen und eine Industriestadt mit allem, was dazugehört 🙁  – das stört uns aber nicht wirklich, denn wir sind im Winter ja nicht hier und müssen uns das Elend ansehen 😉 . Der Hafenmeister begrüßt uns, zeigt uns unseren Liegeplatz an einem langen Steg zum Überwintern und ist ausgesprochen freundlich und engagiert. Er wird sich um unsere Ruby Tuesday kümmern, wenn wir nicht da sind 🙂 .

 

In den nächsten Tagen machen wir bei gutem Wetter unsere Ruby Tuesday winterfest 🙂 und fahren dann mit unserem Auto nach Hause – 1.740 km. Mit einer Übernachtung kein Problem 🙂 .

Wie immer sind wir ein bisschen traurig, dass die schöne unbeschwerte Zeit auf unserer Ruby Tuesday schon wieder vorbei ist. Viel größer ist aber die Freude auf Familie, Freunde und auf unser „anderes Leben“ in den nächsten Monaten 🙂 .

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San Vicente de la Barquera – Llastres

Sonntag, den 07.09.2019
S-NE 1-2 Bft – 42sm – 7h 32 min – Ø 5,6kn – gesamt: 1.445 sm

San Vicente de la Barquera – Llastres

Schweren Herzens nehmen wir Abschied von San Vicente de la Barquera – hier hat es uns gut gefallen und als Ausgangspunkt für unsere Ausflüge und Wanderungen in die Picos de Europa war San Vicente de la Barquera einfach optimal 🙂 .

San Vicente de la Barquera mit den Picos do Europa – schön war’s hier 🙂

Kurz nach Niedrigwasser lösen wir uns von dem Mooring-Trot und verlassen die schöne Bucht. Bis kurz vor der Ausfahrt haben wir kaum Schwell, doch dann sehen wir, dass uns zwischen den Wellenbrechern ziemlich hohe Wellen entgegenkommen. Mit ein bisschen mehr Gas kommen wir auch da gut durch – ist aber trotzdem schon ein komisches Gefühl 🙁 .

Leider haben wir heute fast gar keinen Wind, segeln können wir nicht 🙁 . Unter Motor fahren wir Seemeile um Seemeile Richtung Westen und haben dabei mindestens 2 Meter Dünung – ein ganz schönes Geschaukel. Uns entschädigt für diese Motorfahrt das tolle Wetter und das grandiose Panorama der asturischen Berge :-).

Eigentlich wollen wir für eine Nacht den kleinen Fischerhafen Ribadesella anlaufen, ahnen aber schon unterwegs, dass das wegen der hohen Dünung schwierig werden könnte. Die Einfahrt ist nur ca. 30 Meter breit und bei Niedrigwasser auch nur 2 Meter tief. Links sind Felsen, rechts ist flaches Wasser und Strand.

Ribadesella

Zwei Stunden vor bis zwei Stunden nach Hochwasser sollte das Einlaufen möglich sein, es sei denn, der Schwell bzw. die Dünung ist mehr als 2 Meter hoch. Wir sind zur passenden Zeit in der Bucht von Ribadesella, richtig einsehen können wir das Fahrwasser aus der Bucht aber nicht. Wir fahren bis zur ersten roten Fahrwassertonne, bevor es dann um die Ecke geht.

Zwischen Mole und Strand musss irgendwo das Fahrwasser sein – sieht eigentlich ganz harmlos aus 😉

Uns sind die einlaufenden Wellen, die genau auf das Fahrwasser zu laufen, zu hoch – wir surfen mit den Wellen Richtung Fahrwasser. Das ist uns alles unheimlich – solange es noch geht, drehen wir ab und suchen das Weite.

Statt nach Ribadesella fahren wir jetzt noch mal 8 sm weiter nach Llastres – dort wollten wir eigentlich erst morgen hin. Schon von weitem strahlen uns die roten Dächer des Dorfes entgegen – Llastres zieht sich vom Wasser einen Hügel hinauf.

Llastres

Zu Lastres gehört ein aktiver Fischerhafen, geschützt durch eine ca. 12 Meter hohe Hafenmauer – hier muss es bei Nordwest-Sturm ganz schön heftig werden. Für Transit-Yachten gibt es zwei kleine Schwimmstege – ohne Wasser und ohne Strom. Beides hätten wir nach fast zwei Wochen Ankern oder an der Mooring gerne mal wieder aufgefüllt 😉 . Deshalb wollten wir ja auch Ribadesella anlaufen – aber was nicht ist, ist eben nicht. Wir machen an dem kleinen Schwimmsteg fest – um Wasser werden wir uns Morgen kümmern, die Batterien sind durch das viele Motoren sowieso wieder voll.

Llastres in der Abenddämmerung

Blick auf den Hafen

In Llastres ist heute Dorffest – wir schlendern durch das historische Zentrum von Llastres und sind überrascht, wie ursprünglich und idyllisch es hier ist. Zwischen den Häusern verlaufen steile und verwinkelte Treppen, es gibt nur schmale kopfsteingepflasterte Straßen, aber keine Autos. Eng schmiegen sich die Häuser an den steilen Hang, der zum Hafen runter führt. Auf dem Dorfplatz unterhalb des Glockenturms wird getanzt, gegessen und getrunken – eine tolle Stimmung und durch die Beleuchtung eine sehr schöne Atmosphäre.

Auch bei Tageslicht gefällt uns Llastres, zumindest der alte Ortskern, sehr gut. Wieder laufen wir treppauf und treppab. Ganz interessant ist hier die Kombination aus alten Fischerhäusern und kleinen Palästen und Herrenhäusern – die Häuser des Dorfes wirken wie ineinander verschachtelt. Kreuz und quer verlaufen die Gassen über den Hügel – da wir fast immer einen Blick auf den Hafen haben, verlaufen wir uns nicht 😉 .

 

In Llastres bleiben wir ein paar Tage, bevor es dann zum Endspurt nach Avilés geht. Am Dienstag stürmt und schüttet es den ganzen Tag, am Mittwoch ist wieder mal kein Wind, aber am Donnerstag und Freitag soll es kräftig aus Ost wehen – das passt 🙂 .

Fischerhafen hinter hohen Hafenmolen

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Wandern in den Picos de Europa – ein Highlight am Ende unseres Segeltörns

Donnerstag, den 05.09.2019

Heute Morgen werden wir vom Regen geweckt 🙁 . Kein guter Start in den Tag, denn wir wollen eigentlich heute nach Fuente Dé in die Picos de Europa fahren und dort in dieser traumhaften Landschaft wandern. Der Nationalpark Picos de Europa liegt zum Teil in Kalabrien, zum Teil in Asturien, die höchsten Gipfel ragen über 2.600 Meter auf. Das Gestein ist schroff, grau, gelb und erinnert an die Dolomiten. Steinadler soll es hier geben und Gänsegeier – ich hoffe, wir sehen ein paar oder wenigstens einen 😉 .

Die Sonne kämpft sich durch, ein paar Wolken bleiben – wir fahren los und warten ab, wie sich das Wetter entwickelt.

Auf dem Weg zu den Picos de Europa

Spanisches Landhaus

Durch die Hermida-Schlucht, einer engen Schlucht in der die Felswände bis an die Straße reichen, fahren wir Richtung Fuente Dé in den Picos de Europa. In der steilen Schlucht ist nur Platz für den Río Deva und die kleine, schmale Straße.

Hermida Schlucht

In der Hermida-Schlucht

Es wirkt, als wenn die Straße dem Berg abgerungen wäre, so eng ist es hier. Himmel sehen wir kaum – dafür unglaublich beeindruckende Felsen mit Vorsprüngen, Zacken, Zinnen und Höhlen. Oft kann man nicht erkennen, wie die Straßenführung weiter gehen wird. Vor uns, neben uns und hinter uns sind nur noch Berge zu sehen 🙂  und es scheint kein Durchkommen zu geben.

Irgendwie geht es immer weiter

Adler oder Gänsegeier?

Steinschlag scheint hier regelmäßig von den steilen Felswänden zu kommen – zum Schutz der Autos sind an vielen Stellen Fangnetze gespannt, in denen auch kleinere oder größere Felsbrocken liegen. Richtige Dörfer gibt es hier nicht – dafür ist die Schlucht zu eng. An einer Stelle sind drei Häuser direkt an die Straße gebaut, bei Hermida öffnet sich die Schlucht ein bisschen, so dass hier ein winziges Dorf an die Felsen gedrückt ist. Wir sind so begeistert – das kann eigentlich nicht mehr zu toppen sein 😉 .

Nach den 20 Kilometern durch die Hermida-Schlucht weitet sich das Tal wieder ein bisschen, die Straße ist von Walnussbäumen gesäumt, die Landschaft wird wieder grüner . Getoppt wird die Hermida-Schlucht dann doch noch 🙂 .

Als wir in Fuente Dé ankommen, gucken wir auf eine steile, 800 Meter hohe Felswand. Und auf die Spitze der Felswand fährt eine Seilbahn 🙂 .

Seilbahn Fuente Dé

Peter streikt, ich fahre alleine hoch und starte dort zu einer 4-stündigen Wanderung zurück zur Talstation. Leider schwappen immer wieder Wolken über die Bergkanten, so dass ich das volle Panorama nicht sehen, sondern nur erahnen kann. Die Wanderung beginnt im Hochgebirge – Geröll, Felsen, Steine und hohe schroffe Bergspitzen rundum.

Langsam und gemäßigt geht es bergab und ebenso langsam wird es zwischen den Felsen grüner. Kühe und Pferde laufen neben dem Wanderweg, kommen mir aber zum Glück nicht zu nahe. Je tiefer ich komme, um so grüner wird es und die Geröllfelder und schroffen Berge weichen zurück.

Etwas bedauerlich finde ich, dass der Weg, ein Schotterweg, so breit ist, dass er von Autos genutzt werden kann – mir kommen tatsächlich zwei 4WD-Fahrzeuge entgegen 🙁 . Nach der Hälfte der Wanderung ändert sich der Weg und auch das Landschaftsbild – ich bin jetzt wieder unterhalb der Baumgrenze.

Steil steige ich einen sehr schmalen Zick-Zack-Pfad hinab, bevor es dann über einen richtig weichen Waldweg durch dichten Wald weitergeht. Und hier sehen ich dann tatsächlich einen Adler – er kreist lange Zeit vor den Felsen 🙂 .

Das Wetter hält sich gut, die Wolken bleiben, aber die Sonne schaut immer mal durch die Wolken. Erst als ich wieder bei Peter am Auto bin, beginnt es zu nieseln – gutes Timing 😉 .

Wanderung Puertos de Áliva

 

Freitag, den 06.09.2019

Sonnenschein, blauer Himmel und warm – das Wetter meint es gut mit uns 🙂 . Heute wollen wir zum Río Cares und ich möchte dort die Ruta del Cares wandern.  Auf dem Weg dorthin begeistert uns schon im immer enger werdenden Tal des Río Cares die atemberaubende Bergszenerie.

Wir sehen Stromschnellen, an stilleren Stellen smaragdgrün glänzendes Wasser und riesige, senkrecht abfallende Felswände.

Dennoch ist die Schlucht am Río Cares viel breiter, als die Hermida-Schlucht. Auch hier stehen am Straßenrand Walnussbäume , wir fahren durch mehrere Dörfer mit den schönen, typischen spanischen Landhäusern. Grüner ist es hier, die Felswände sind bewachsen.

Und ganz herbstlich: Es steigt Nebel aus der Schlucht auf. Wir erleben gerade wieder einen tollen Herbstmorgen im warmen Sonnenlicht – in den Tautropfen auf den Wiesen und an den Bäumen brechen sich die Sonnenstrahlen. Auch die Bäume färben sich teilweise schon bunt. Seit Anfang September merken wir, dass der Herbst nicht mehr lange auf sich warten lässt – die Nächte sind kühl und sehr feucht, auch morgens und abends ist es nicht mehr so warm, wie noch vor zwei Wochen.

Dann verengt sich die Schlucht wieder, flaches, sanft hügeliges Voralpenland wird zum Hochgebirge 😉 . Kurz vor unserem Ziel fahren wir durch eine Schluchtenlandschaft, über der sich majestätisch-bedrohliche Felsen und spektakuläre Felsflanken erheben. Grandios 🙂 .

Am Ortsrand von Poncebos beginnt die Wanderung „Ruta del Cares“- 12 km durch die Schlucht des Río Cares nach Cain – und wieder zurück nach Poncebos 😉 . Nur im Sommer fahren Busse in einer großen Inlandsschleife durch die Picos de Europa zurück nach Poncebos. Der Wanderweg ist schmal, an manchen Stellen nicht mehr als 2 Meter breit und fällt senkrecht bis zu 100 Meter in die Schlucht ab. Wandern in einem traumhaften Panorama – leider nicht allein 😉 . Laut Reiseführer ist die Ruta del Cares eine der atemberaubendsten Routen in den Picos de Europa – hier möchte nicht nur ich heute wandern 😉 .

Ruta del Cares

Auf schmalem, steinigen Pfad geht es erst mal aufwärts. Vom Río Cares ist nicht viel zu sehen – tief unten in der Schlucht liegt noch alles im Schatten – aber das Rauschen des Flusses steigt aus den Tiefen herauf und  begleitet mich während der ganzen Wanderung. Die Berg- und Tal-Szenerie ist einfach grandios 🙂 . Mal verbreitert sich der Weg, mal wird er recht schmal. Immer wieder öffnen sich atemberaubende Ausblicke in die lange Schlucht.

Ein ziemlich schmaler Wanderweg und links geht’s senkrecht bergab

Am Aussichtspunkt Los Callaos ist die höchste Stelle mit ca. 540 Metern erreicht – jetzt geht es erst mal wieder ein ganzes Stück recht steil bergab, bis der Wanderweg dann über Kilometer fast eben parallel zum Canal de la Cía verläuft.  Dieser Kanal wurde 1916-1921 weit oberhalb des Flusses in den Fels geschlagen, um die Elektrizitätswerke in Poncebos und Arenas de Cabrales mit Wasser zu versorgen. 1946 wurde ein Wartungsweg für den Canal de la Cía angelegt  – darauf verläuft jetzt die Ruta del Cares. Ähnlich wie bei den Levada-Wanderwegen auf Madeira verläuft auch hier der Wanderweg mit geringem Gefälle bzw. mit geringer Steigung 🙂 .

Lange Strecken geht es direkt an der Abruchkante zur Schlucht entlang – ohne Absperrung. Spannend wird es immer dann, wenn Wanderer entgegen kommen, und sich alle an die Felsseite drängen 😉 . Oft verläuft der Weg unter überhängenden Felsen – man kann noch gut erkennen, dass der Weg förmlich aus den Felsen gesprengt wurde.

Die vielen Wanderer verteilen sich  dann doch auf dem Weg – streckenweise bin ich alleine und die anderen Wanderer sind nur noch als Pünktchen in der Ferne zu erkennen. An mehreren Stellen sind Tunnel in den Fels gesprengt und ganz am Ende des Weges führt der Weg noch über drei Brücken – unten in der Schlucht gurgelt und rauscht der Río Cares, rechts und links ragen die steilen Felswände bis in den Himmel – ein phantastisches Bild 🙂 .

 

In Cain mache ich dann erst mal gemütlich Mittagspause – mit schönem Blick auf weite grüne Täler – das sieht mindestens ebenso schön aus, wie die kargen, schroffen Felswände in der Schlucht.

Tja und dann geht’s wieder zurück – den Rückweg würde ich mir auch nicht nehmen lassen, selbst wenn ein Bus fahren würde. Jetzt scheint die Sonne in die Schlucht und die Landschaft sieht wieder ganz anders aus 🙂 .

Fast wieder am Parkplatz 🙂

Wanderung Ruta del Cares

Samstag, den 07.09.2019

Auch heute haben wir wieder schönes Wanderwetter – Sonnenschein, aber nicht zu warm, um sich zu bewegen 😉 . Wir wollen zu den Gletscherseen in Covadonga und dort dann auf der Ruta de los Lagos die beiden Seen Enol und Ercina umwandern. Nach der gestrigen Tour sind die 5 Kilometer Wanderweg mit einem Höhenunterschied von 100 Metern eigentlich ein Kinderspiel – zu denken gibt uns nur die veranschlagte Zeit von 2,5 Stunden 😉 .

Schon die Fahrt zu den Picos de Europa ist heute ganz anders, als gestern und vorgestern. Wir fahren durch weite grüne Täler mit Kühen auf den Wiesen. Die Berge sind nicht schroff, sondern grün und eher sanft geschwungen. Vieles erinnert wieder mal an das Voralpenland. Immer wieder sehen wir einzelne typische spanische Landhäuser an den Hängen. Auffällig sind auf dem Weg nach Covadongas Schuppen, die wie auf Stelzen stehen – mal sehen wir sie in ziemlich runtergekommenem Zustand, dann wieder super gut gepflegt. Offensichtlich sind es alte Lagerhäuser, zum Schutz vor Ratten und Mäusen ist jede Stelze mit einer quadratischen Platte unterhalb des Bodens versehen.

Bis Covadonga können wir mit unserem Auto fahren, für die letzten 12 Kilometer zu den Gletscherseen müssen wir in einen Bus umsteigen. Aus Umweltschutzgründen ist die kleine, schmale Straße zu den Seen im Sommer und an bestimmten anderen Tagen für den privaten Verkehr gesperrt. Wir wundern uns allerdings, wie viele Autos mit Sondergenehmigung dann doch zu den Seen hochfahren bzw. schon dort oben sind.

Die Fahrt ist gemütlich – immer wieder muss der Bus stehenbleiben, weil eine Schafherde die Straße blockiert. Geduldig wartet der Busfahrer, bis die Schafe die Straße freigemacht haben, hält dann noch ein Quätschchen mit dem Schäfer und dann geht’s wieder ein Stück weiter – bis zur nächsten Schafherde 😉 . Zwischendurch blockiert auch mal ein Kälbchen die Straße. In vielen Kurven windet sich die Straße den Berg hoch – wir fahren durch eine liebliche Landschaft wie im Voralpenland mit dem Hochgebirge im Hintergrund.

Tief im Tal unter uns

Am Parkplatz treffen wir auf viele andere Wanderer, die Menge verläuft sich jedoch schon kurz hinter den Minen von Buferrera. Viele Besucher wollen nur einen Blick auf die Seen werfen, andere laufen über den kurzen Weg zwischen den Seen. Mit nur einem anderen Paar wandern wir dann auf der Ruta de los Lagos – und auch die beiden verlieren wir bald aus den Augen.

Minen von Buferrera

Die Landschaft rund um die Gletscherseen erinnert uns sehr an Oberstdorf – wir könnten auch am Freibergsee sein 😉 . Auf einem schmalen Weg laufen wir am See entlang, dann geht’s steil bergauf und wir sind in den „richtigen Bergen“.

Enol-Gletschersee

Über viele Felsen wandern wir auf schmalen Wegen weiter – schnell kommen wir nicht voran. Jetzt wissen wir auch, warum für den recht kurzen Weg 2,5 Stunden Wanderzeit angegeben sind 😉 .

Viele Kühe sind in den Bergen unterwegs – von allen Seiten hören wir das Läuten ihrer Glocken. Kurz vor dem Ziel versperren uns zwei Kälbchen den Weg – ich weiß nicht, wem die Situation unheimlicher war 😉  .

Ercina-Gletschersee

Mit dem Bus fahren wir wieder zurück in’s Tal – diesmal versperren uns Ziegen den Weg 😉 .

Unser Auto bringen wir noch bis nach Gijón, bis nach Avilés hat die Zeit nicht mehr gereicht – wir haben diesmal rechtzeitig einen ALSA-Fernbus von Gijón nach San Vicente de la Baquera gebucht 😉 . Den hätten wir wohl verpasst, wenn wir noch bis Avilés gefahren wären, das eigentlich nur 19 Kilometer weiter ist.

Die Wanderungen in den Picos de Europa waren alle ein tolles Erlebnis – so unterschiedlich sie auch waren. Ein schönes Wandergebiet, das Lust auf noch mehr Wanderungen macht 🙂 – vielleicht ein anderes mal!

Wanderung Ruta de los Lagos

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Zum Tal des Río Pas und zum Ebro-Stausee

Mittwoch, den 04.09.2019

Bevor wir in die Picos de Europa zum Wandern aufbrechen können, müssen wir erst mal unser Auto aus Bilbao holen. Das steht dort hoffentlich immer noch – inzwischen an der Marina in Santurtzi. Als wir mit unserer Ruby Tuesday in Bilbao waren, haben wir unser Auto zur Marina geholt. Dort steht es besser, als in dem Vorort Zorrotza 😉 . Um 08:00 Uhr sind wir schon an der Haltestelle der Überlandbusse, um dort zu erfahren, dass der Bus nach Bilbao ausgebucht ist. Nur bis Santander können wir mitfahren. Mmh, das ist nicht das, was wir wollen, aber über die Alsa-App finden wir eine Busverbindung von Santander nach Bilbao und können die Tickets auch direkt hier am Ticketshop kaufen. So kommen wir ungeplant dann doch noch nach Santander – wir haben knapp 1,5 Stunden Aufenthalt, bis unser Bus nach Bilbao losfährt. Wir nutzen die Zeit und schlendern ein bisschen durch Santander – das ist wirklich eine schöne Stadt mit gepflegten Häusern und sauberen Straßen und Parks.

In Bilbao fühlen wir uns schon wie zu Hause 😉 . Schnell sind wir an der Metro, die uns nach Santurtzi bringt – unser Auto steht noch da, wo wir es abgestellt haben 🙂 .

Die Rückfahrt nach San Vicente de la Barquera verbinden wir mit einem Ausflug in die kantabrischen Berge – durch das grüne Tal des Río Pas fahren wir zum Ebro-Stausee. Auffallend in dem Tal sind die grobsteinigen Landhäuser – auch hier, wie überall, viele schöne gepflegte Häuser, aber auch viele Häuser, die ein bisschen Zuwendung bräuchten.

Im Tal des Río Pas

Die Landschaft ist schön und abwechslungsreich, aber lange nicht so beeindruckend, wie die Pyrenäen, durch die wir vor einigen Wochen gefahren sind. Es geht ziemlich hoch auf einen Pass – am Straßenrand stehen in kurzen Abständen lange Markierungsstangen. Hier scheint es im Winter wohl ziemlich viel zu schneien – die Passstraße könnte auch in Österreich oder Italien sein 😉 . Schön ist der Blick von der Passstraße auf den Ebro-Stausee – leider können wir nicht zum Staunen und auch nicht zum Fotografieren anhalten. Später haben wir dann doch noch ein paar Möglichkeiten, stehen zu bleiben. Der Ebro-Stausee ist 62.000 Hektar groß, schimmert türkis-grün in der Sonne und bietet einige Wassersport-Möglichkeiten. Heute ist es ziemlich windig – die Kiter sind am Start 🙂 .

Ebro-Stausee

Durch die Berge fahren wir zurück nach San Vicente de la Barquera – ein netter Ausflug, den wir aber nicht unbedingt noch mal wiederholen müssten 😉 .

Mit dem Auto in’s Tal des Río Pas und zum Ebro-Stausee

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Ria de la Santoña – San Vicente de la Baquera

Montag, den 02.09.2019
SW-NE 2-5 Bft – 56sm – 11h 42 min – Ø 4,8kn – gesamt: 1.403 sm

Ria de la Santoña – San Vicente de la Baquera

So schön wie es in der Ria de la Santoña ist – irgendwie müssen wir doch mal wieder ein Stückchen weiter segeln. Die Vorhersage für heute ist vielversprechend – Sonnenschein, warm, Wind erst von fast vorne, dann von fast hinten 😉 .

Früh sind wir unterwegs – noch am Ankerplatz können wir den Sonnenaufgang verfolgen und genießen, dann holen wir den Anker hoch und los geht’s – 55 sm nach San Vicente de la Barquera.

Sonnenaufgang in der Ria de la Santoña

Immer wieder schön

Auf dem Weg könnten wir noch Santander anlaufen, wenn wir nicht richtig voran kommen, geplant ist das aber nicht. Santander ist mit knapp 200.000 Einwohnern wohl eher eine Großstadt, wenn auch eine sehr schöne – davon haben wir ja auch schon einige gesehen – uns steht mehr der Sinn nach ursprünglicheren Fischerdörfern 🙂 . Ob wir das in San Vicente de la Barquera finden, werden wir dann sehen 😉 . San Vicente de la Barquera ist auch deshalb unser nächstes Ziel, weil dies ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen in die kantrabischen Picos de Europa ist – dort möchten wir oder vielleicht doch auch eher ich noch zum Ende unseres Törns ein bisschen Bergluft schnuppern 😉 .

Aber erst mal müssen wir dort hin. Mit 5-8kn Wind aus NW können wir hoch am Wind segeln, nicht schnell, aber mit knapp 5kn sind wir unterwegs. Wir segeln nah an den Felsen mit den Höhlen und dem Leuchtturm Faro de la Caballo vorbei – auch von Seeseite ein imposantes Bild 🙂 .

Santander passieren wir am frühen Mittag in einigen Seemeilen Entfernung – der Wind drückt uns ziemlich von der Küste Weg. Wir können unseren Kurs nach San Vicente de la Barquera nicht mehr anlegen. Aber egal, der Wind soll am Nachmittag ja auf NE drehen, dann können wir die verlorene Höhe wieder gut machen. So segeln wir gemütlich, mal wieder mit eher zu wenig, als zu viel Wind Richtung Westen. Die Landschaft verändert sich, die schroffen hohen Berge bleiben hinter uns, dafür wird es sanft hügelig, richtig satt- grüne Wiesen und hin und wieder ein einzelnes Gehöft oder kleine Dörfer. Kühe sind natürlich auch auf den Wiesen, um das fast schon kitschig-schöne Bild zu vervollständigen 😉 .

Unterwegs

Wir sind inzwischen so weit von unserem Kurs abgekommen, dass wir doch mal wenden und auf Santander zulaufen. Kurz bevor wir doch noch auf die Idee kommen, Santander anzulaufen, wenden wir wieder und warten immer noch auf die Winddrehung auf NE 😉 . Die lässt auf sich warten, erst gegen 16:00 Uhr dreht der Wind und nimmt langsam, gaaanz langsam etwas zu. Für einen Geschwindigkeitsrausch reicht das immer noch nicht, aber wir kommen voran 😉 . Erst als uns die Zeit zu knapp wird – wir haben Bedenken, erst in der Dämmerung in  San Vicente de la Barquera anzukommen, nehmen wir die Segel weg und motoren die letzten 8 Seemeilen 🙁 . Fast zeitgleich nimmt der Wind auch zu, kommt aber platt von hinten. Wir beißen die Zähne zusammen und motoren weiter, denn jetzt noch vor dem Wind zu kreuzen, wird uns zu spät. An den Hafenmolen zur langen Einfahrt nach San Vicente de la Barquera brechen sich die Wellen und Gischt spritzt über die Hafenmole. Wir haben fast Hochwasser, so dass die Barre vor der Einfahrt gut überspült und das Wasser tief genug ist. Problemlos laufen wir auf San Vicente de la Barquera zu, das ganz hinten am Ende der großen Bucht liegt.

Fast geschafft

Ganz schön krumm

Die Bucht ist wohl groß, aber ausgesprochen flach – Platz zum Ankern gibt es hier für uns nicht. Der einzige Ankerplatz ist von Moorings für kleine Boote belegt, da können wir uns auch nicht mehr an den Rand legen, denn dann liegen wir entweder bei Niedrigwasser auf dem Trockenen oder im Fahrwasser der Fischerflotte – wollen wir beides nicht ;-).

Das Wasser reicht einfach nicht 😉

Da wir Springtide haben, können wir auch nicht in dem kleinen Pool vor dem Sandstrand mit ca. 2 Metern Wassertiefe ankern – das Niedrigwasser ist -0,43 Meter. So extreme Wasserstände kommen im Frühjahr und im Herbst vor.

San Vicente de la Barquera

Es gibt eine kleine Marina für Anglerboote, die voll ist. Vor der Marina und vor der schönen Bogenbrücke liegen drei lange Mooring-Trots für jeweils zwei Segelboote – alles ist frei und wir können uns eine Mooring aussuchen. Ein bisschen tricky ist das Manöver dann schon – 10kn Wind und 2,5kn Strom von hinten und eine – wenn auch schöne – Bogenbrücke vor uns – lassen den Adrenalinspiegel steigen. Ich steuere schräg von vorne die gelbe feste Mooringtonne an, Peter hängt den Pikhaken mit der Festmacherleine ein und wir schwingen langsam parallel zu der langen Mooringleine mit den vielen Fendern, bis wir im Pikhaken hängen. Dann müssen wir nur noch die anderen Festmacher von der Mooringleine aufnehmen und wir können aufatmen. Geschafft – sah von weitem bestimmt so aus, als wenn wir nie etwas anderes machen 😉 .

Unser Liegeplatz für die nächsten 6 Tage

San Vicente de la Baquera

Einfahrt in die Bucht und Puenta de la Baquera

So ganz optimal ist der Liegeplatz nicht – die Leute, die über die Brücke gehen, schauen uns in’s Cockpit – ist ein bisschen so, wie im Mittelmeer 😉 . Außerdem fahren auch Autos über die Brücke, das ist nicht immer ganz so leise. Toll ist der Ausblick auf den Altstadthügel mit der Kirche und der alten Burg hinter uns und auf die Bucht vor und neben uns.

Altstadthügel mit Kirche Santa Maria de los Angeles

San Vicente de la Barquera

San Vicente de la Barquera und die Picos de Europa im Hintergrund

Ganz spannend wird es, als der Strom kentert und das Wasser wieder abläuft. Es beginnt zu gurgeln und zu rauschen, als wenn jemand eine Schleuse geöffnet hätte. Wir liegen nicht mehr gerade mit dem Mooring-Trot, sondern die Strömung schiebt uns um 45° zur Seite – alles ein bisschen gewöhnungsbedürftig und gut, dass wir hier ganz alleine sind. Die nächste Mooringreihe ist weit genug entfernt.

Marina für die Anglerboote

Altstadthügel bei Nacht

Kirche Santa Maria de los Angeles

Dienstag, den 03.09.2019

San Vicente de la Barquera ist ein quirliges Fischerdorf mit einigen Touristen und vielen Jakobs-Pilgern. Der Küstenjakobsweg führt durch San Vicente de la Barquera. Immer wieder sehen wir die Pilger über die Puente de la Baquera wandern. Die Landschaft ist faszinierend – bei Niedrigwasser fällt fast die komplette Bucht trocken, nur wenige Rinnsale bleiben übrig. Nur das Fahrwasser bis zur kleinen Marina ist noch tief genug. Und wir schwimmen zum Glück auch noch 😉 .

Einfahrt zur Bucht von San Vicente de la Barquera

Niedrigwasser in San Vicente de la Baquera

Rund um sehen wir grüne Hügel und Täler, Bauernhöfe, fruchtbares Weideland und im Hintergrund die Picos de Europa – unglaublich schön und wir mittendrin 🙂 . Wir können uns auf unserem Rundgang durch den Ort, über den Altstadthügel und bis raus zu den Wellenbrechern an dieser schönen Landschaft gar nicht sattsehen.

Auf dem Altstadthügel:

Blühender Kaktusbaum

Wer war zuerst da?

 

Wellenbrecher und Badestrand – kein Wind, aber viel Dünung

In der Bucht neben der Hafeneinfahrt

Abends machen Dörte und Jens mit der SY Tendrel-Aurelie an dem Mooring-Trot neben uns fest – wie schön, die beiden noch mal wieder zu sehen 🙂 . Wir verbringen den Abend gemeinsam im Ort und später auf den beiden Booten – jeder auf dem eigenen und trotzdem zusammen 😉 . Durch die starke Strömung beim ablaufenden Wasser schwingen die Boote immer wieder aufeinander zu – so nah, dass wir trockenen Fußes von der SY Tendrel-Aurelie auf unsere Ruby Tuesday übersteigen können. Wir hängen Fender aus, nutzen die Dinghis auch als Puffer, stabilisieren alles noch mit Leinen und drücken die Boote auseinander, wenn sie sich zu nahe kommen. Mit nachlassender Strömung beruhigt sich die Situation und wir müssen die Nacht denn doch nicht an Deck verbringen, sondern können noch schlafen gehen 😉 .

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Ria de la Santoña

Donnerstag, 29.08.2019 – Sonntag, den 01.09.2019

Sonnenaufgang in der Ria de la Santoña

In der Ria de la Santoña verbringen wir entspannte Tage bei durchwachsenem Wetter und viele kurzweilige Stunden mit Dörte und Jens von der SY Tendrel-Aurelie. Die beiden liegen schon seit ein paar Tagen in der Ria, als wir unseren Anker ganz in der Nähe fallen lassen. Schon beim ersten Kennenlernen merken wir, dass wir auf einer Wellenlänge segeln 🙂  – wir haben uns viel zu erzählen und irgendwie vergeht die Zeit immer wie im Flug 😉 .

Santoña ist eines der ältesten Fischerdörfer Kantabriens und hat noch immer eine sehr aktive Fischerflotte. Der Ort hat sicherlich schon bessere Zeiten erlebt, dennoch ist dort viel Leben in den Straßen und an vielen Stellen können wir sehen, was für den Erhalt der kleinen Stadt getan wird.

Samstags ist Markttag, da ist nicht nur Leben in der Markthalle, sondern auch drum herum stehen Stände mit Obst, Gemüse und Gewürzen. Am Fischstand versuche ich Lachs zu kaufen, nur spricht der junge Verkäufer überhaupt kein Englisch. Mit Händen und Füßen verständigen wir uns, dass ich gerne zwei Scheiben Lachssteak hätte – der Verkäufer verssteht, zeigt die Breite des Lachssteak mit zwei Fingern an und schon habe ich zwei gut aussehende Lachssteaks in der Tasche. Dann versucht der junge Verkäufer mich zu überzeugen, dass ich unbedingt noch heimischen Fisch kaufen müsste. Eine andere Kundin unterstützt ihn, aber auch mich, denn ich möchte den Fisch gerne ausgenommen haben. Irgendwie funktioniert das alles und zum Schluss, nach viel Lachen und Spaß habe ich auch noch zwei ausgenommene Salmonette de Roca, die der junge Verkäufer selbst gefangen hat – mit seinem großen blauen Fisch-Trawler. Auch das hat er mir mit Fotos und viel Erzählen noch deutlich gemacht. Der Einkauf dauert dann doch etwas länger, als geplant 😉 .

Tourismus ist bestimmt nicht die Haupteinnahmequelle wie so vieler spanischer Badeorte, aber es gibt mehrere Musen, eine Stierkampfarena, der Küstenjakobsweg führt durch Santoña und vor allem hat Santoña rund um eine wunderschöne Landschaft – Berge, Marschland und Sandstrände 🙂 .

Ria de la Santoña

 

Fähre – nicht nur für die vielen Pilger auf dem Küstenjakobsweg

Mit unserem Dinghi machen wir einen Ausflug auf dem Treto und finden dabei unser kleines Paradies – ein goldgelber Sandstrand, menschenleer, Sand wie Samt und Bäume, die Schatten spenden mit Wurzeln, die nicht mehr im Erdreich stecken, sondern vom Wasser unterspült sind. Ein Traum – oder doch Realität 😉  – wir können gar nicht so schnell unser Dinghi immer weiter auf den Strand ziehen, wie die Flut den Sand überspült. Nach einer Stunde ist der Spaß vorbei und unser Paradies versinkt wieder im Wasser 😉 .

Unser kleines Paradies

Blendet man die Hotelbauten auf der Halbinsel von Laredo aus, gibt es auch hier einen sehr schönen Strand – sichelförmig und ziemlich tief. Hobby der spanischen Badegäste scheint es zu sein, den Strand in voller Länge hin und her zu laufen – und das sind bis Laredo bestimmt 5 Kilometer. Sieht ein bisschen nach Völkerwanderung aus, ist aber bestimmt angenehmer, im Wind zu laufen, als in der Sonne zu braten 😉 .

Am Strand von Laredo

Obwohl für Sonntag gar kein gutes Wetter vorhergesagt ist – es soll tatsächlich regnen 😉  – machen Jens von der SY Tendrel-Aurelie und ich eine schöne Wanderung zum Leuchtturm Faro del Caballo.

Aussichten unterwegs:

Liegeplatz vor Anker

Marschland

Blick auf die Ria de la Santoña

Laredo

Das Wetter hält, wir bekommen nur einen kurzen Schauer ab und die Wanderung entlang der Küste und der Rückweg quer über die Berge durch dichten Wald wäre keine große Herausforderung – wäre da nicht der Abstecher zum Leuchtturm gewesen – der hat es in sich 😉 . Fast 800 steile, feuchte und unterschiedlich hohe Stufen müssen wir zum Leuchtturm absteigen – und nachher natürlich auch wieder rauf 😉 . Absolut lohnenswert und Muskelkater garantiert 🙂 . Alleine der Weg über die steilen Treppenstufen ist schon klasse, hinter jedem Absatz haben wir einen neuen, imposanten Ausblick auf die steil abfallenden, zerklüfteten Kalksteinfelsen mit den tiefen Höhlen, in denen das Wasser dröhnt.

Hier geht’s runter …

Die letzten Stufen

Toller Blick in die Höhle

… und hier wieder rauf

Den Aufstieg zum Wanderweg meistern wir in mehreren Etappen und Pausen zum Luft holen – und befinden uns dabei in guter Gesellschaft 😉 .

Rückweg durch feuchten und urigen Wald

 

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Bilbao – Ria de la Santoña

Mittwoch, den 28.08.2019
NE-NW-NE-E 1-3 Bft – 23sm – 6h 38 min – Ø 3,5kn – gesamt: 1.347 sm

Bilbao – Ria de la Santoña

Marina Santurtzi bei Nacht – hier haben wir gut gelegen

Bevor wir die Leinen loswerfen, machen wir noch einen kurzen Rundgang durch den Stadtteil Santurtzi – hier ist kaum Tourismus, dafür sitzen die Spanier schon morgens früh in den Grünanlagen und auf den Plätzen zwischen den Häusern und Cafés. Hier ist eine richtig fröhliche Stimmung, Jung und Alt unterhalten sich , lachen und die Kinder spielen dazwischen 🙂 .

Die Kreuzfahrtschiffe verschonen auch Bilbao nicht

Das Wetter ist klasse – die Sonne scheint und es ist wieder schön warm, nur der Wind hält nicht das, was die Wettervorhersage verspricht. Aus dem Handelshafen können wir noch prima segeln, als wir auf dem offenen Wasser sind, lässt der Wind immer mehr nach 🙁 . Wir verlassen das spanische Baskenland und sind jetzt in Kantabrien. Mit viel Geduld und ziemlich langsam schleichen wir an der schönen Küste entlang. Leider ist es wie fast immer sehr diesig, so dass die Küste fast im Dunst verschwindet.

Castro Urdiales mit Leuchtturm auf der Burg – schon an der kantrabischen Küste

Auch hier brennt der Wald

Gerade, als wir die Genua geborgen und den Motor angeschmissen haben, verfangen wir uns in einer meterlangen Angelschnur – auf dem Wasser sehen wir in einem Abstand von ungefähr 20 Metern nur ca.10cm große Schwimmkörper. Verbunden sind die Schwimmkörper mit einer dicken Angelschnur, die 1 Meter unter der Wasseroberfläche treibt – was fehlt, sind Markierungsfahnen oder Bojen 🙁 . Glück im Unglück – wir schalten schnell genug in den Leerlauf, setzen die Genua wieder und halten uns segelnd von der recht nahen Küste frei. Die Angelschnur hat sich vermutlich am Kiel verfangen – wir ziehen mehrere Schwimmkörper hinter uns her, bis es uns gelingt, die Angelschnur zu zerschneiden und zum Teil an Bord zu ziehen.

Angelschnur mit Mini-Schwimmkörpern

Nach der ganzen Aufregung ist uns die Lust auf die nahe Ankerbucht vergangen – die ist sowieso sehr ungeschützt und rund um felsig – wir segeln lieber weiter bis nach Laredo.

Eigentlich wollen wir in die Bucht hinter der Landzunge

In Laredo gibt es eine neue Marina, groß, steril und mit wuchtigen Hafenmolen – die lockt nun überhaupt nicht 😉 . Ganz abschreckend ist die Skyline an dem wirklich wunderschönen, sichelförmigen, goldgelben Strand – eine Skyline, wie wir sie von der belgischen Küste kennen 😉 .

Laredo

Direkt gegenüber von Laredo liegt der Fischerort Santoña, die roten Dächer leuchten und locken schon von weitem. Und zwischen dem Ende des Strandes von Laredo, der eigentlich eine Halbinsel ist und Santoña können wir in die Ria de Santoña einlaufen.

Sandstrand von Laredo – die letzten hunderte Meter sind ohne Bebauung

Eine vollkommen andere Welt tut sich hier auf 🙂 . Drei Flussläufe treffen hier zusammen, dazwischen viel flaches Wasser und Marschland und rund herum Berge – auf der östlichen Seite schroffe, felsige Berge, auf der westlichen Seite eher sanfte grüne Hügel – wunderschön und friedlich. Auf der Rückseite der Halbinsel von Laredo ein langer Sandstrand, genauso vor der Promenade von Santoña.

Marschland Ria de la Santoña

Stehrevier für die Segelschule

Wir suchen uns eine Stelle zum Ankern, die weit genug von allen Flachs entfernt ist und stellen schnell fest, dass die Strömung hier durchaus mit 2-2,5kn durchzieht. Alle sechs Stunden schwojen wir um unseren Ankerball und haben immer wieder einen neuen mal mehr, mal weniger schönen Ausblick aus dem Cockpit 😉 .

Blick auf Santoña

Wir liegen hier so ruhig, ohne Schwell, dass wir tatsächlich mal wieder Kerzen und anderen Deko-Kram auf den Salontisch unserer Ruby Tuesday stellen können,  ohne Sorge zu haben, dass alles von dem Schwell runtergekegelt wird 😉 .

Die Ria de Santoña ist unsere erste Ria – und die macht Lust und Vorfreude auf die vielen anderen Rias, die dann noch kommen werden 🙂 .

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Bilbao – eine Stadt mit vielen Gesichtern

Montag, den 26.08.2019 – Dienstag, den 27.08.2019

Montag Morgen verlegen wir uns von der Ankerbucht in die Marina. Sehr freundlich werden wir hier empfangen und sofort mit Infos zu Bilbao und einem Stadtplan von Bilbao versorgt. Nicht weit von der Marina sind eine S-Bahn-Station und eine Metro-Station – innerhalb einer knappen halben Stunde sind wir im Zentrum von Bilbao 🙂 .

Metro – von Norman Forster entworfen

Metrostation – super sauber und modern

Büroturm des spanischen Stromanbieters Iberdrola

Modernes Elektro-Transportfahrrad

Wir haben uns mit Bilbao versöhnt 😉  – es ist eine tolle Stadt mit vielen verschiedenen Gesichtern und einer Geschichte, die man Bilbao auch heute noch an vielen Stellen ansieht. Bilbao ist eine altgediente Metropole für Handel, Schiffsbau und Industrie. Durch die günstige Lage am Fluss Nervión und die Anbindung an’s Meer wuchs Bilbao schon im 16. Jahrhundert zu einem wichtigen Handelszentrum – von hier wurde Wolle und Eisenwaren nach Frankreich, Flandern und England verschifft. Einen weiteren Aufschwung erlebte Bilbao, als Ende des 19. Jahrhunderts die europaweite Nachfrage nach Eisen stieg. Im Spanischen Bürgerkrieg war Bilbao dann als Zentrum des baskisch-republikanischen Widerstandes hart umkämpft.

Wir liegen mit unserer Ruby Tuesday knapp 15 km flussabwärts im Hafengebiet, denn Bilbao hat viel – aber keine direkte Anbindung an den Atlantik mit seinen schönen Stränden 😉 . Auf unserem Weg in’s Zentrum sehen wir entlang des Nervións Lagerhallen, Kräne, Werften, Industrieanlagen und weiträumige Wohnblöcke, die bei uns zu Schrottimmobilien zählen würden. Kaum vorstellbar, dass dort Menschen leben müssen. Je näher wir Bilbao kommen, um so mehr können wir erkennen, dass Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen Erfolg zeigen. Nicht nur in den Vororten Portugalete mit der beeindruckenden Hängebrücke Puente de Bizkaia, Getxo und Santurtzi, die an den Handelshafen angrenzen, gibt es neue, schöne Uferpromenaden mit Spielplätzen für Kinder und Senioren, sondern auch Bilbao hat viele Parks und Grünflächen.

Grünflächen mitten in Bilbao

„Große architektonische und infrastrukturelle Projekte dienen als Motor für eine städtebauliche und wirtschaftliche Regeneration der Stadt. Das Guggenheim-Museum Bilbao, der Kongress- und Musikpalast Euskalduna, die Metro von Norman Foster, der Flughafen von Calatrava, die neue Straßenbahn, die Hochhäuser der Architekten Arata Isozaki und César Pelli und vieles mehr sind Beispiele der überwältigenden Vitalität, von der Bilbao geprägt ist“ – so aus einer Werbung für Bilbao. Konsequent wurden und werden die Altlasten beseitigt – auf dem Stück zwischen Portugalete und Bilbao ist allerdings noch viel zu tun.

Bahnhof von Bilbao

Im der Bahnhofshalle

Seit 1997 das Guggenheim-Museum eingeweiht wurde, erlebt Bilbao einen großen Zuwachs an Besucherzahlen – das Guggenheim-Museum ist aber auch DAS Highlight und DIE Sehenswürdigkeit von Bilbao. Alles andere, wie die Altstadt mit den engen Gassen und den historischen Gebäuden, den Plaza Nuevo, die vielen Kirchen oder die Markthallen haben wir so oder so ähnlich schon in schönerer Umgebung gesehen 😉 . Deshalb muss man nicht nach Bilbao segeln – wir sind hier, weil uns das Guggenheim-Museum interessiert. Und das ist wirklich gigantisch!

Guggenheim-Museum Bilbao

„Puppy“ ein mit tausenden von Blumen bepflanzter Hundewelpe vor dem Eingang zum Guggenheim-Museum

Das Guggenheim-Museum ist ein Gebäude mit einer Hülle aus Titan, Kalkstein und Glas, entworfen von Frank Gehry, gebaut von 1993 bis 1997.

Mittelpunkt des Museums ist das Atrium – unter verglasten Öffnungen im Titandach steht man inmitten von Licht und schaut durch die Fensterfronten zur einen Seite auf den Fluss Nevión, zur anderen Seite auf die Stadt. Transparenz und Einbettung in die Umgebung war eines von Gehrys Anliegen.

Atrium

Über Glasaufzüge, Treppentürme und geschwungene Stahlbrücken erreicht man jeden Winkel der beiden oberen Ausstellungsetagen.

Gezeigt wird im Guggenheim-Museum moderne und zeitgenössische Kunst in Wechselausstellungen und einigen Dauerausstellungen.

„The Matter of Time“ von Richard Serra,
Dauerausstellung

Einige der bekanntesten Exponate stehen außerhalb des Museums und können damit gratis besichtigt werden: die Riesenspinne „Maman“ von Louise Bourgeois, die „Fontaine de Feu“ von Yves Klein oder der Tulpenstrauß „Tulips“ von Jeff Koons. Am spektakulärsten aber ist ohnehin das Gebäude und die gelungene Einbettung in die Umgebung selbst.

Riesenspinne „Maman“ und „Fontaine de Feu“, das sind die fünf Öffnungen im Wasser – im Dunklen sprühen hier Feuerfontänen

„Tulips“

„Tall Tree & The Eye“ von Anish Kapoor und „Fog“ von Fujiko Nakaya

Baldachin über der Terrasse im Außenbereich

Natürlich bummeln wir auch durch die Altstadt mit ihren Siete Calles, den Sieben Straßen, die alle zum Fluss Nervión führen. Die Gassen sind eng, die Häuser hoch, so dass kaum ein Sonnenstrahl seinen Weg dort hinein findet. Das ist bei Temperaturen um 29°C auch gar nicht so schlecht 😉 . Immer wieder beeindruckend sind die schmalen, schmiedeeisernen Balkone mit den vielen Blumen.

Altstadtgasse

Markthalle am Nervión

Ganz fasziniert sind wir von der Öffentlichen Bücherei – die ist in einem historischen Gebäude mit Jugendstilelementen an der Fassade untergebracht. Neben einem Lese- und Computerraum gibt es auch noch einen großen Theater-Saal – alles in nostalgischem Ambiente 😉 .

Treppenaufgang in der Bibliothek

Theater-Saal

Auf der Plaza Nuevo suchen wir uns ein schattiges Plätzchen – hier probieren wir dann auch endlich die Pinchos. Diesmal stehen sie hinter Glas auf der Theke – das macht Appetit und sie schmecken wirklich richtig gut 🙂 .

Plaza Nuevo

Wir beschließen unsere Tour durch Bilbao mit einer Fahrt zum Artxanda-Hügel – diesmal fahren wir mit einer Standseilbahn ;-).  Zum Laufen ist es uns einfach zu heiß. Von hier oben haben wir einen schönen Blick auf Bilbao und die umliegenden Berge 🙂 – eine interessante Stadt!

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Lekeitio – Bilbao

Sonntag, den 25.08.2019
NE 1-4 Bft – 33sm – 7h 33 min – Ø 4,5kn – gesamt: 1.324 sm

Lekeitio – Bilbao

Morgens ist es so still in der Bucht, dass man nur das Rauschen der Brandung am Strand hört. Direkt unter den Felsen der Insel San Nicolás ankert ein kleines Fischerboot, auf den Felsen der gegenüberliegenden Seite der Bucht steht ein Angler und versucht sein Glück. Quer durch die Bucht ist ein Schwimmer unterwegs – Sonntagsmorgenidylle 🙂 . Es ist auch heute wieder mal ein bedeckter Tag, aber es ist mit 24°C nicht kalt.

Auch heute starten wir wieder etwas später, da noch gar kein Wind weht. Die ersten zwei Stunden müssen wir motoren, aber als der Wind mit 5kn aus NE weht, setzen wir die Segel und segeln gemütlich an der phantastischen Küste entlang.

Unterwegs

Die Felsen reichen bis an’s Wasser, sind teils grün bewachsen, teils aber auch schroff. Viele Felsen sehen aus, wie ein Schweizer Käse, so durchlöchert sind sie. Ganz selten schmiegt sich ein kleines Dorf an die Hügel.

Kapelle hoch auf dem Felsen

Ankern kann man hier wirklich nur, wo auch die Dörfer und kleinen Häfen sind und ein bisschen Schutz bieten – das geht sowieso nur bei sehr moderatem Wetter. Weht der Wind stark auflandig, bringt er direkt auch viel Schwell mit – damit ist der Spaß am Ankern dann auch vorbei.

Schon ziemlich spät laufen wir in den großen Handelshafen von Bilbao ein – damit verfliegt jegliche Seefahrerromantik 😉 . Es wird heute wegen des Sonntags wohl nicht gearbeitet, aber die Kulisse ist typisch Hafen. Nicht wirklich schön.

Wir segeln bis an das Ende des Hafenbeckens, dort, wo die drei Marinas sind und lassen unseren Anker mit Blick auf Getxo und die Puente de Bizkaia fallen. Da der Wind leicht auflandig weht, haben wir aus dem Cockpit ein schönes Panorama – der Handelshafen liegt hinter uns 🙂 .

Getxo und die Puente de Bizkaia

Morgen werden wir uns für zwei Tage in eine Marina verlegen und Bilbao ganz unvoreingenommen noch mal auf’s Neue erkunden 😉 .

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Getaria – Leteikio

Samstag, den 24.08.2019
W-NW 3-5 Bft – 22sm – 4h 13 min – Ø 5,2kn – gesamt: 1.291 sm

Getaria – Leteikio

Eigentlich soll schon ab 07:00 Uhr der Wind aus Süd wehen – wenn auch nur für drei Stunden. Tut er aber nicht und wir schlafen noch ein bisschen 🙂 . Wir trödeln so vor uns hin, denn die Winddrehung auf West bis Norwest mit 4 Bft soll erst mittags kommen. Es ist schon um 09:00 Uhr so warm, dass wir den Schatten suchen. Gegen 11:00 Uhr setzt der Wind ein, wir holen den Anker hoch und segeln aus der Bucht von Getaria.

Nach Leteikio wollen wir heute – einem kleinen baskischen Dorf mit nettem Hafen und der vorgelagerten Insel San Nicolás, die bei Niedrigwaser über einen Weg erreichbar ist. Ob wir in dem Hafen einen Platz finden, warten wir erst mal ab 😉 . Auch dieser Hafen ist klein und nicht unbedingt auf Gästeboote eingestellt.  Aber die vorgelagerte Insel San Nicolás bietet Schutz gegen Wind und Wellen aus West und Nordwest – da können wir dann auch ankern, wenn es im Hafen nicht klappt.

Unser Kurs nach Leteikio ist mal wieder ein Kreuzkurs – aber alles ist besser, als ein Kurs mit wenig Wind von hinten 😉 . So genießen wir das Segeln hoch am Wind, wenden, als der Wind mehr auf Nordwest dreht und erfreuen uns an der schönen Landschaft. Berge bis zum Wasser, sattgrüne Wiesen, gelegentlich ein kleines Dorf oder eine Badebucht 🙂 . Ziemlich plötzlich wird aus dem entspannten Segeln ein recht sportliches Segeln. Wind und Wellen nehmen zu, schnell sind wir bei 2 Metern Welle oder auch mehr, die sich auch schon mal brechen. Statt der vorhergesagten knappen 4 Bft haben wir satte 5 Bft. Wir reffen und weiter geht’s 🙂 .

Die Hafeneinfahrt nach Leteikio zwischen dem Festland und der Insel San Nicolás ist nicht gerade sehr groß und tief – wir  entscheiden uns bei dem starken auflandigen Wind und den brechenden Wellen gegen ein Einlaufen und steuern sofort die Ankerbucht an. Die Genua holen wir noch vor Einfahrt in die Ankerbucht ein, aber um das Großsegel zu bergen, ist es uns draußen viel zu wellig. Erst in der Bucht im Schutz der Insel San Nicolás lassen wir das Großsegel fallen. Hier ist es auch nicht wirklich ruhig, aber zum Ankern reicht es gut aus. Ruhige Ankerplätze hatten wir zuletzt im Golf de Morbihan 🙂 – wir sind also Kummer gewohnt 😉 .

In der Bucht sind ein paar Motorboote, eine ziemlich große belgische Segelyacht und mit uns kommt noch ein Holländer. Es ist Platz genug und so findet jeder seinen Ankerplatz. Wie immer lassen wir eher mehr, als weniger Ankerkette raus und kommen beim Schwojen der belgischen Segelyacht ein bisschen nahe. Bevor wir zum gemütlichen Teil übergehen, verlegen wir uns lieber noch mal um ein paar Meter in den inneren Teil der Bucht. Hier liegen wir endlich mal wieder in einer richtigen Bucht und nicht nur an einem Ankerplatz mit Land im Rücken 😉 – schön ist es hier!

Leteikio

Am Strand ist wieder quirliger Badeberieb. Aber auch Sufer haben hier ihren Spaß. Die Wellen, die in die Bucht laufen und sich vor dem Strand brechen, reichen für die Surfer aus. Vielleicht nicht für die Profis, aber die Anfänger kommen auf ihre Kosten.

Wir bleiben an Bord – mit dem Dinghi gibt es wegen der starken Brandung keine Möglichkeit anzulanden, ohne komplett naß zu werden 😉 . Die Belgier schwimmen an Land – in einem wasserdichten Beutel haben sie wohl Handtücher und Garderobe. So weit geht unser Wunsch, den Ort zu besichtigen denn nun doch nicht. Wir begnügen uns mit der Aussicht auf San Nicolás und Lekeitio von Bord unserer Ruby Tuesday 🙂 .

Eigentlich ist das Wetter schön, erst nachmittags zieht es sich zu. Unser Ankermanöver bei viel auflandigem Wind und Welle hat uns wohl doch so in Anspruch genommen, dass wir versäumt haben, Fotos der Gegend im Sonnenschein zu machen. Deshalb gibt’s heute nur Fotos grau in grau 🙁 . Womit dann auch nicht zum ersten Mal dokumentiert ist, dass hier immer nur die Sonne scheint 😉 . Das tut sie oft und heiß, aber zum Glück nicht immer – gelegentlich ein paar schattige und kühlere Tage tun uns sehr gut 😉 .

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San Sebastián – Getaria

Freitag, den 23.08.2019
NW 2 Bft – 10 sm – 2h 05 min – Ø 5,0kn – gesamt: 1.269 sm

San Sebastián – Getaria

Morgens, wenn das sonst so lebhafte und quirlige San Sebastián noch schläft, ist es richtig ruhig in der schönen Bucht. Nur ein paar einsame Schwimmer ziehen ihre Bahnen durch die Bucht oder entlang des abgetrennten Badebereichs. Das ändert sich schnell, je später es wird. Als wir gegen 13:00 Uhr – immer noch auf etwas mehr Wind hoffend – den Anker lichten, ist der Strand und auch die Bucht wieder voller Sommerurlauber.

Wie sagt man so schön: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ 😉  – obwohl wir nur 5kn Wind von hinten haben, versuchen wir zu segeln. Aber die Genua schlägt bei jeder Dünungswelle und auch kreuzen vor dem Wind führt nicht zu ruhigerem Segeln. Jetzt haben wir genau das, worüber ich gestern noch geschrieben habe – bei wenig Wind kreuzen geht fast immer, aber wenig Wind von hinten geht gar nicht 🙁 . Also schmeißen wir den Motor wieder an, rollen die Genua weg und motoren bei gefühlter Windstille in gnadenlosem Sonnenschein die Küste entlang nach Getaria. Gut, dass Getaria nur 10sm von San Sebastián entfernt ist 😉 .

Getaria ist ein kleines Fischerdorf, das sich an einen Hügel schmiegt – nach den großen Städten möchten wir gerne wieder mal in etwas ursprünglichere Regionen 😉 .

Getaria

Der Mausfelsen von Getaria

Aus den roten Dächern der Altstadt ragt nur der Kirchturm hervor, hinter dem Ort kann man auf den grünen Hügeln Weinstöcke sehen. Zum Atlantik hin ist der Hafen durch den „Mausfelsen“ geschützt. Oben drauf thront der Leuchtturm in der hier typischen Bauweise. Macht von weitem alles einen idyllischen Eindruck – wenn es etwas abgekühlt ist, werden wir Getaria und den „Mausfelsen“‚zu Fuß erobern 😉 .

Obwohl Getaria nur ein kleines Fischerdorf ist, ist die Badebucht neben dem Hafen gut besucht. Bunt leuchten die Sonnenschirme – ohne hält man es in der sengenden Sonne auch gar nicht aus. Und auch hier sind die Stand-Up-Paddler und Schwimmer nicht nur im abgetrennten Badebereich, sondern auch im Anker- und Mooringfeld unterwegs.

Mit dem Dinghi machen wir uns auf den Weg in den Hafen – kommen dort aber nicht von den Stegen, da die Tore zu den Stegen nur mit einem Schlüssel zu öffnen sind. Also paddeln wir weiter in den Fischerhafen. Dort steigen wir an einer Treppe aus und binden unser Dinghi dort auch fest. Kein guter, schon gar kein sicherer Platz für unser Dinghi.

Mit einem unguten Gefühl laufen wir zur Altstadt, die sich über dem Hafen auf einem Hügel erhebt. In der Altstadt ist viel Betrieb – die Spanier bereiten sich auf das Abendessen vor. Aus den Restaurants duftet es verlockend 🙂 . Vor mehreren Restaurants werden riesige Grills angefacht -wir können noch nicht sehen, was dort wohl gegrillt wird.

Abendlicher Betrieb in der Altstadt mit einem unglaublichen Geräuschpegel

Mitten in der Altstadt steht auch die Kirche San Salvador, deren Bau den Felsen angepasst ist und dadurch einen ziemlich unregelmäßigen Grundriss hat. In der Kirche probt gerade der Kirchenchor – unglaublich schöner Gesang mit einer perfekten Akustik 🙂 . Ein Lied können wir mithören, dann ist die Probe zu Ende.

Kirche San Salvador

Ankerbucht von Getaria

Immer noch unruhig gehen wir zu unserem Dinghi zurück – es liegt noch an der Treppe 🙂 . Lange sitzen wir im Cockpit und bewundern die beleuchtete Altstadt und Kirche. Jetzt können wir es hier gut aushalten – es sind nachts immer noch 24°C .

Getaria

 

 

 

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Hendaye – San Sebastián

Donnerstag, den 22.08.2019
SW-WNW 3 Bft – 18 sm – 4h 03 min – Ø 4,4kn – gesamt: 1.259 sm

Hendaye – San Sebastián

So schön, wie unsere Touren durch die nähere und weitere Umgebung sind, so sehr freuen wir uns danach auch immer wieder auf’s Segeln 🙂 . In den nächsten Tagen werden wir die spanische Küste Richtung Westen entlang bummeln – es gibt größere interessante Städte, wie San Sebastián, Bilbao, Santander und Gijón, aber auch kleine Fischerhäfen, die wir bei passenden Bedingungen anlaufen können.

Heute wollen wir nur bis San Sebastián segeln, das wir uns gestern ja schon „auf dem Trockenen“ angesehen haben. Uns gefällt die muschelförmige Bucht, um die sich San Sebastián erstreckt so gut, dass wir gerne dort für eine Nacht liegen möchten, um abends und nachts das beleuchtete San Sebastian zu bestaunen 😉 .

Wind und Wetter sind klasse – Sonnenschein, um 25°C und Wind erst aus Südwest, gegen 12:00 Uhr auf Nordwest drehend – so die Vorhersage 🙂 . Auch heute weht der Wind nur mit drei Bft – da können wir ganz gut gegenan segeln – besser, als so wenig Wind von hinten – da kommen wir unter Segeln nicht voran.

Unser Start beginnt heute allerdings etwas holperig 🙁 . Wie immer kontrollieren wir den Wasseraustritt des Kühlwassers aus dem Auspuff – in der Box hört sich alles gut an. Nach dem Ablegen fallen mir „dröhnende“ Motorengeräusche auf. Mein erster Gedanke: „Mmmm, wer hat denn da so einen röhrenden Motor“? Immer, wenn ich das Gas etwas wegnehme, werden die Geräusche leiser. Mein zweiter Gedanke: „Sind wir das etwa“? Und dann fällt endlich der Groschen 😉 . Peter guckt noch mal nach dem Kühlwasseraustritt und stellt fest, dass nur sehr wenig Wasser und sonst Abgase aus dem Auspuff kommen 🙁 . Wir machen sofort längsseits an dem nächsten freien Steg fest. Vermutlich hat eine Plastiktüte oder irgend etwas ähnliches die Ansaugöffnungen des Saildrives verstopft. Nachdem wir den Ansaugkanal von innen nach außen mit Hilfe einer Pumpe durchgespült haben, ist alles wieder o.k. 🙂 . So ein Schrecken in der Morgenstunde.

Hafenausfahrt von Hendaye

Zum zweiten mal legen wir ab, schlängeln uns durch das enge Fahrwasser und setzen dann die Segel. Heute ist nicht so viel Dünung, wie vor ein paar Tagen. Bei 3 Bft aus Südwest segeln wir hoch am Wind – gemütlich ist es. Die Küste verschwindet in leichtem Dunst. Als der Wind wie vorhergesagt mehr auf West dreht, wenden wir. Je mehr der Wind auf West-Nord-West dreht, können wir San Sebastián anlegen. Unsere Kurslinie macht einen richtigen Bogen 😉 .

Schon von weitem können wir die große Jesus-Statue auf dem Monte-Urgull sehen. Sieht ein bisschen aus, wie in Rio de Janeiro 😉 .

San Sebastián voraus

Mehr und mehr öffnet sich die Bucht, nur geschützt von der kleinen Insel Isla de Santa Clara.

Bahia del Concha

Bahia de la Concha

Auf der Richtfeuerlinie fahren wir in die Bucht und lassen den Anker hinter dem westlichen Mooringfeld fallen. Hier sind wir in guter Gesellschaft – es liegen noch einige Segler hier vor Anker. Das Panorama ist beeindruckend – rund um Berge, Prachtbauten, und ein tiefer, goldgelber Strand. Natürlich sind auch viele Badegäste am Strand, Stand-Up-Paddler, Schwimmer, Kanufahrer und Opti-Segler sind in der Bucht unterwegs – San Sabastián ist eben doch einer der größeren und elitäreren spanischen Badeorte 😉 .

Abends erstrahlt San Sebastian wunderschön – am schönsten ist allerdings der Sonnenuntergang, der die ganze Bucht in rotes Licht taucht 🙂 .

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San Sebastián und Bilbao

Mittwoch, den 21.08.2019

Für heute haben wir kein großes Ausflugsprogramm auf dem Plan. Wir wollen unser Auto nach Bilbao bringen und dort vielleicht noch ein bisschen von der Stadt besichtigen, wenn noch genügend Zeit bleibt. Die Fahrt von Bilbao zurück nach Hendaye mit verschiedenen Bussen ist wesentlich aufwendiger, als die bisherigen Zugfahrten 🙁 . Aber bevor es nach Bilbao geht, fahren wir erst mal nach San Sebastián.

Wir sind schon früh dort – es geht noch ziemlich beschaulich zu. San Sebastián zählt zu den schönsten und vermutlich auch teuersten Seebädern Spaniens. Der Glanz der vergangenen Zeiten spiegelt sich noch in den schönen Villen, der Promenade rund um die Badebucht Bahía de la Concha mit den ausgefallenen Laternen und dem Spielcasino wider. Eingerahmt ist die Bahía de la Concha von den beiden Bergen Monte Urgull mit der riesigen Christusstatue und Monte Igueldo. Gegen den Atlantikschwell bietet die kleine vorgelagerte Insel Isla de Santa Clara ein bisschen Schutz. Das ist schon ein tolles Panorama!

Bahía de la Concha

Als erstes gehen wir natürlich zum Hafen 😉  – der Fischerhafen ist winzig und ziemlich voll. Viel größer ist die Marina auch nicht, aber es passen immerhin ein paar Segelboote rein.

Nur ein paar Schritte vom Hafen entfernt – die Altstadt von San Sebastian

Die Lage der Marina ist erstklassig – direkt am Eingang zur Altstadt mit den kopfsteingepflasterten Gassen und den viele Bars und Restaurants. Diese locken die Besucher schon am frühen Morgen mit Pinchos bzw. Pintox, den Appetithäppchen an. Obwohl es noch relativ früh ist und die Altstadt noch von den Feiern der letzten Nacht gesäubert wird, sehen wir in jeder Bar auf den Tresen jede Menge Platten mit unterschiedlichen Häppchen. So richtig appetitlich ist das nicht – jeder Besucher, der sich einen Kaffee oder ein Bier bestellt, greift über die Platten mit den Pinchos nach seinem Getränk. In nicht nur einer Bar sehen wir frühe Gäste, die ihr Bierglas zwischen die Pincho-Platten stellen und vor dem Tresen mit den Platten sitzen.

Tresen voll mit Pincho-Platten

Altstadtgasse mit Kirche Santa Maria

Santa Maria

Wir bummeln durch die Gassen ohne von den Pinchos probiert zu haben 😉 . Herzstück der Altstadt ist die Plaza de la Constitución, die in früheren Zeiten Schauplatz von Stierkämpfen war. An den Balkonen kann man noch heute Nummern sehen – das waren damals die Logen für die Zuschauer. Auffällig sind nicht nur hier an den Balkonen, sondern auch in der ganzen Altstadt die Fahnen der ETA – offensichtlich werden hier Terrorsympatisanten geduldet. Der Freiheitskampf der Basken ist hier ebenso präsent, wie der immer noch währende Konflikt in Nordirland.

Plaza de la Constitución – hier wird gerade alles für den Tag vorbereitet

Aber eigentlich merken wir von diesen Freiheitsbestrebungen nichts – die Stimmung in San Sebastián ist entspannt, je später es wird, um so voller wird es in der Stadt und am Strand. Wir bummeln noch ein bisschen über die Promenade, dann machen wir uns auf den Weg nach Bilbao.

Viel Betrieb am Badestrand

Prächtige Villen an der Promenade

Die Fahrt über die Autobahn geht schnell, wir fahren erst mal zu den Marinas, die in Bilbaos großem Handelshafen liegen. Die Getxo Marina liegt direkt am Handelshafen, die beiden anderen Marinas liegen in freundlicherer Umgebung in den Vororten Getxo und Santurtzi – auf jeden Fall aber ziemlich weit von der Altstadt von Bilbao entfernt. Dorthin gibt es eine Metro oder eine Bahn, so dass man problemlos in’s Zentrum kommt.

In Getxo spannt sich die Puente de Bizkaia über den Rio Nervión – eine der noch erhaltenen Hängebrücken. In Rochefort haben wir ja schon eine Hängebrücke gesehen, in Rendsburg gibt es auch eine. Wir lassen uns den Spaß nicht nehmen, uns mit unserem Auto über den Rio Nervión übersetzen zu lassen 🙂 .

Puente de Bizkaia

Puente de Bizkaia

Damit hat der Spaß für uns in Bilbao aber auch schon ein Ende 🙁 . Bilbao ist eine Großstadt mit rund 400.000 Einwohnern im Kerngebiet und 800.000 Einwohnern in Groß-Bilbao. Durch die Stadt führen Autoschnellstraßen mit begrenzten Abbiegemöglichkeiten. Die Vororte sind über ebensolche Schnellstraßen mit dem Zentrum verbunden. Das Fahrverhalten der Spanier ist gelinde gesagt rücksichtslos – vor allem in den vielen Kreisverkehren fahren viele Auto- und Motorradfahrer ohne Sinn und Verstand.

Eigentlich wollen wir heute noch zum Guggenheimmuseum – wir kommen auch tatsächlich bis dahin, aber es gibt weder ein freies Parkhaus noch freie Parkplätze in der Nähe. Entnervt geben wir auf und fahren zurück Richtung Hafen, um uns dort in einer der Vorstädte einen längerfristigen Parkplatz für unser Auto zu suchen. Mehr durch Zufall als geplant finden wir tatsächlich in Bahnhofsnähe einen kostenlosen Parkplatz.

Zurück im Zentrum von Bilbao kämpfen wir uns durch nicht funktionierende Ticketautomaten für den Bus nach San Sebastian. Das geht uns allerdings nicht alleine so – das System der unterschiedlichen Busse (Fernbusse, Innerstädtische Busse und verschiedene Busgesellschaften) mit den dazu passenden unterschiedlichen Ticketautomaten ist nicht nur für uns verwirrend. Letztlich können wir in einem Ticketbüro unser Busticket kaufen – im Fernbus gibt es keinen Ticketverkauf. Ähnlich chaotisch ist es in San Sebastian – dort finden wir erst im zweiten Anlauf die Bushaltestelle. Tickets gibt’s dort zum Glück im Bus 😉 . Der Bus bringt uns dann bis nach Hondarribia. Dort nehmen wir die kleine Fähre über den Bidasoa-Fluss und sind direkt in unserem Hafen 🙂 . Das ist dann noch der einfachste Teil unserer Rückreise 😉 .

Jetzt sehen wir auch noch etwas von Hondarribia

Fischer in Hondarribia mit Hendaye im Hintergrund

Zurück in Hendaye – diesmal im Sonnenschein

Bisher war es in Frankreich kein Problem, unser Auto zu parken und Stadt oder Hafen mit dem Zug zu erreichen. Das sieht in Spanien zumindest in den großen Städten doch anders aus. Hätten wir nur annähernd geahnt, wie groß und unübersichtlich Bilbao ist, hätten wir unser Auto dort sicherlich nicht hingebracht. Nun ja, unsere Reise ist ja ohnehin bald zu Ende – Mitte September wollen wir in Avilés sein, wo unsere Ruby Tuesday den hoffentlich nicht kalten Winter verbringen wird. Dorthin werden wir unser Auto irgendwann noch bringen – natürlich verbunden mit einem Landausflug in die spanischen Berge 🙂 . Auch Bilbao werden wir noch mit unserer Ruby Tuesday anlaufen, gesehen haben wir von Bilbao ja noch nicht viel 😉  – und irgendwie wollen wir den negativen Eindruck, den Bilbao bei uns hinterlassen hat, doch noch gerade rücken 😉 .

San Sebastian und Bilbao mit Auto und Zug

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Die Pyrenäen und ihre Ausläufer

Dienstag, den 20.08.2019

Leider schwächelt das Wetter heute wieder ein bisschen – die Sonne versucht sich durch die Wolken zu kämpfen, ist aber im Moment noch eher auf der Verliererseite 🙁 . Na ja, besser, als wenn es regnet 😉 .

Mit dem Auto fahren wir in die Berge, die uns hier schon die ganze Zeit so anlachen. Um möglichst schnell und möglichst einfach ohne Anstrengung 😉  einen schönen Überblick über die Landschaft zu bekommen, wollen wir mit der antiquierten Zahnradbahn „La petit train de la Rhune“ auf den Berg Rhune fahren. Die versieht ihren Dienst schon seit 1924. Schon der Weg dahin ist wunderschön 🙂 . Je weiter wir in die Vorpyrenäen kommen, um so grüner wird die Landschaft. Wiesenteppiche breiten sich aus, Berge und Täler werden immer gewaltiger. In dieser wunderschönen Landschaft findet sich hier und da mal ein kleines Dorf, Land- und Viehwirtschaft bestimmen das Bild und immer wieder sehen wir die weißgekälkten, ziegelgedeckten Häuser mit den roten Fensterläden.

Mit der in die Jahre gekommenen Zahnradbahn fahren wir im Schneckentempo auf den 905 Meter hohen La Rhune, der schon zu den Pyrenäen gehört.

La petit train de la Rhune

Antrieb der Zahnradbahn

Trotz der Wolken, die zwischen den Bergen hängen, ist die Aussicht beeindruckend 🙂 . Die Auffahrt zum Gipfel dauert ca. 40 Minuten – kurzweilige Minuten, weil es immer etwas anderes zu sehen gibt. Die Strecke führt vorbei an Farnen und Felsblöcken, reichlich Schafe sind auch unterwegs. Zwischen den Wolken läßt sich der Antlantik sehen, die Bucht von Saint Jean-de-Luz ist gut zu erkennen.

Atlantik mit Bucht von Saint Jean-de-Luz

Oben angekommen haben wir ein tolles Panorama. Über den Grat des Berges La Rhune verläuft die französisch-spanische Grenze – allerdings nicht sichtbar 😉 . Ganz zutraulich sind die Pottok-Ponys, halbwilde, baskische kleine Pferde, die auf dem Grat grasen.

Ausblick von Berg La Rhune

Durch wunderschöne Natur fahren wir weiter nach Saint Jean-Pied-de-Port. Es ist nicht nur eines der malerischsten Städtchen im französischen Baskenland, sondern hier beginnt auch der Jakobsweg nach Santiago de Compostela mit einem nicht ganz leichten Aufstieg in die Pyrenäen zum Ibeñata-Pass. Der kleine Ort hat sich voll auf die Jakobspilger eingestellt – Vermarktung, Unterkünfte und Ausstattung inklusive 😉 . Das tut der schönen Atmosphäre in diesem Ort aber keinen Abbruch.

Saint Jean-Pied-de-Port

Hier bekommen Pilger alles, was sie brauchen – oder auch nicht

Mit ein bisschen sehnsüchtigen Augen verfolge ich die Rucksack bepackten Pilger mit den dicken Wanderschuhen  – 2013 wollte ich im Herbst von hier den Jakobsweg nach Santiago de Compostela wandern. Nach mehr als 7 Monaten Segeln habe ich mich damals aber so auf zu Hause, Familie und Freunde gefreut, dass ich dann den Absprung für eine 6-wöchige Wanderung nicht mehr geschafft habe. Sieht man heute hier die Kommerzialisierung des Pilger-Wanderns, stellt sich schnell die Frage, ob es tatsächlich der Jakobsweg sein muss, oder ob es nicht mindestens ebenso schöne, aber nicht so volle Wanderwege gibt. Über diese Frage denke ich dann mal nach, wenn das Segeln nicht mehr so viel Zeit und Raum einnimmt, wie jetzt 😉 .

In Saint Jean-Pied-de-Port sehen wir den ersten – und einzigen – Franzosen mit Baskenmütze

Statt auf den 1.057 Meter hohen Ibeñata-Pass zu wandern, fahren wir die kleine Straße mit den unendlich vielen Haarnadelkurven hoch. Das Sträßchen windet sich durch dichten Kastanien- und Buchenwald mit tollen Ausblicken in die Umgebung. Bis fast auf den Pass ist die Sicht gut – dann verschlucken Wolken den Pass und den Ausblick auf die Pyrenäen 🙁 . Schade, aber das Wetter kann man leider nicht beeinflussen oder mitbuchen 😉 .

Nebel und Wolken auf dem Ibeñata-Pass

Auf der anderen Seite des Passes fahren wir noch das kurze Stück bis zum Kloster Roncesvalles, das aber im Moment viel von seiner Ausstrahlung durch Bauarbeiten verliert. Zum Kloster gehören Kreuzgang und Kapitelsaal, Kirche Santa Maria, Krypta, Museum mit Klosterschatz und die beiden Kapellen Santiago und Sancti Spiritus. Allerdings muss man für den ganzen Komplex bis auf die Kirche Santa Maria Eintritt zahlen – dafür ist unsere Zeit heute zu knapp.

Im Kloster Roncesvalles,

Durch fast unberührte Natur fahren wir auf einer eher holperigen Straße zurück Richtung Hendaye. Dabei passieren wir den Eugui-Stausee, der von sanften, grünen Hügeln eingerahmt ist. Mitten durch das Landschaftsschutzgebiet Quinto Real mit Buchen-Eichen- und Eibenbeständen verläuft die Straße weiter. Wir sind schlicht begeistert von den Bergen, der Landschaft, der Natur und der Einsamkeit – das ist doch eher unsere Welt, als große Seebäder mit vielen Menschen 😉 . Nicht ohne Grund sind wir in den letzten Jahren in eher einsamen Gegenden im hohen Norden gesegelt 🙂 .

Straße durch fast unberührte Natur

Durch das grüne Tal von Baztán und durch das Tal des Bidasoa-Flusses fahren wir zurück zu unserer Ruby Tuesday 🙂 .

In den Pyrenäen unterwegs

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Bayonne und Biarritz

Montag, den 19.08.2019

Bis wir mit dem Verlegen von der Ankerbucht in den Hafen, den Hafenformalitäten und allem anderen fertig sind, ist es schon später Vormittag. Genau richtig, um Bayonne und Biarritz zu besichtigen. Das Wetter ist so solala – es ist trocken, mit 20°C angenehm kühl, aber der Himmel ist bedeckt. Für die Städtetouren, die wir heute vorhaben, eigentlich ganz gute Bedingungen, aber für die Fotos wäre Sonne schon schöner 😉 .

Bayonne liegt nicht direkt am Atlantik, sondern einige Kilometer im Landesinneren. Sehenswert ist die historische Altstadt mit engen, verwinkelten Gassen, mit den typischen baskischen Häusern mit Holzbalkonen und Fensterläden in grün, rot und blau.

Die Kathedrale Sainte-Marie mit dem sehr schönen Kreuzgang liegt mitten in der historischen Altstadt. Leider ist in dieser Woche ein Kunstgewerbebasar im Kreuzgang – wo er unserer Meinung nach schlicht nicht hingehört.

Wahrzeichen von Bayonne – Kathedrale Sainte-Marie

Bekannt ist Bayonne für den Bayonner Schinken. Ganz angenehm ist, dass Bayonne nicht nur aus Souvenierläden besteht – ganz im Gegenteil, die haben wir fast gar nicht gesehen. In den Gassen der Fußgängerzone gibt es schöne, kleine Läden, die zum Shoppen einladen. Und da Bayonne nun auch kein Seebad ist, fehlen hier die Strandurlauber 😉 .

Natürlich schauen wir uns auch noch den Hafen von Bayonne an, der einige Kilometer von der Stadt entfernt ist. Erinnert sehr an Ijmuiden – viel Industrie und Qualm.

Nicht wirklich schön – Marina von Bayonne

Wie Capbreton aussieht wissen wir nicht, aber wenn man den langen Schlag von La Rochelle, der Gironde-Mündung oder von Arcachon nach Süden segelt, ist Saint-Jean-de-Luz als erster Hafen keine schlechte Wahl – wenn man denn überhaupt in die ganz süd-östlichste Ecke der Biskaya möchte.

Surf-Spot in Anglet

Auf dem Weg nach Biarritz kommen wir mehr durch Zufall an dem Surf-Spot Anglet vorbei. Hier brechen sich die meterhohen Wellen vor dem Strand 🙂 . Gerade wird hier ein Surf-Wettbewerb ausgetragen und wir bekommen eine ganze Menge Surf-Akrobatik geboten!

Auch Biarritz ist bekannt für seine Surfmöglichkeiten – hier gibt es nicht nur die Schönen und Reichen 😉 . Eigentlich sehen wir hier mehr junges Publikum. Natürlich beeindrucken die Villen an der Promenade, ganz besonders der ehemalige Kaiserpalast, der jetzt das Hôtel du Palais beherbergt.

Biarritz – Strand, Bay-Watch, Aussichtspunkt und -promenade Rocher de la Vierge

Hôtel du Palais

Biarritz steht in diesen Tagen ganz im Zeichen des kommenden G7 Gipfels. Viele Bereiche sind abgesperrt und überall sind schwerbewaffnete Polizisten unterwegs. Dennoch ist viel Betrieb auf der Promenade und in den Einkaufsstraßen. Wir begnügen uns mit einem Blick von der Küste auf die Felsen vor dem Strand und auf die brechenden Wellen. Ein imposantes Bild.

Aussicht bis in die Bucht von Saint Jean-de-Luz

Wir sind erst ziemlich spät wieder zurück im Hafen auf unserer Ruby Tuesday und irgendwie auch ziemlich geschafft 😉 . Den Abend lassen wir dann gemütlich im Cockpit ausklingen und bewundern das tolle Panorama rund um die Bucht von Hondarribia und Hendaye. Ein bisschen haben wir die Berge auf unseren Törn entlang der französischen Küste ja doch vermisst! Und weil das so ist, geht’s morgen dann auch in die Berge 🙂 .

Bayonne und Biarritz mit Zug und Auto

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Saint-Jean-de-Luz – Hondarribia(E)/Hendaye(F)

Sonntag, den 18.08.2019
WSW 3 Bft – 11 sm – 2h 29 min – Ø 4,3kn – gesamt: 1.241 sm

Saint-Jean-de-Luz – Hondarribia(E)/Hendaye(F)

Nach unserer Landtour verlegen wir uns noch für eine Nacht in die Bucht von Saint-Jean-de-Luz – es ist heiß und im Hafen können wir nicht mehr bleiben. Wir müssen die vielen Eindrücken erst mal verarbeiten 😉 , Fotos sortieren, Blog schreiben und die nächsten Landausflüge planen. Und da nicht viel Wind ist, geht das in der Bucht ganz gut.

Heute segeln wir dann ein kleines Stück weiter nach Westen – die Sonne scheint noch, es soll sich aber ab heute Nachmittag zuziehen und ein bisschen Regen für heute Abend und heute Nacht ist auch angesagt.

Obwohl nicht viel Wind ist, läuft um die östliche Hafenmole ein ziemlich hoher Schwell in die Bucht. Die Wellen brechen sich innen an der Mole. Surfer und Stand-Up-Paddler haben ihren Spaß 🙂 . Auch außen brechen sich die Wellen – manche sind so hoch, dass die Brandung über die Mole schwappt.

Eigentlich unvorstellbar bei dem wenigen Wind, aber Dünung ist hier offensichtlich immer. Genau das haben wir in unseren Törnführern gelesen und genau davor wird bei den Hafeneinfahrten auch immer wieder gewarnt – aber so richtig vorstellen konnten wir uns das bis jetzt nicht.

Kurz hinter den Wellenbrechern

Bei Wind aus Südwest sind wir einen Kreuzkurs bis nach Hondarribia(E)/Hendaye(F) gesegelt. Tolles Segeln bei warmem Wind und Sonnenschein und relativ hoher Dünung. Die Dünung ist beeindruckend, es scheint, der Atlantik atmet. Andere Segelschiffe verschwinden bis fast zum Baum hinter den Wellen, um gleich darauf wieder aufzutauchen. Manchmal gucken wir auch ein bisschen skeptisch der Dünung entgegen – so hoch, ob das gut geht? Es geht – unsere Ruby Tuesday wird sanft angehoben und ebenso sanft gleitet sie wieder in’s Wellental. Und so geht das immer weiter, immer weiter ….. Wir könnten gut noch weiter segeln, wollen aber den letzten französischen Hafen Hendaye anlaufen, um dort noch mal drei Nächte zu bleiben. Die bieten ganz günstige Liegegebühren an – drei Nächte bleiben, zwei bezahlen. Das passt gut zu unseren Ausflugsplänen, die wir noch so im Kopf haben 🙂 .

Als wir in der Bucht von Hondarribia(E)/Hendaye(F) ankommen, ist gerade Niedrigwasser und die Einfahrt laut Hafenhandbuch zu flach. So werfen wir erst mal den Anker vor Hondarribia.

Hondarribia – kurzer Abstecher nach Spanien

Hondarribia – wo sind die schönen baskischen Fachwerkhäuser?

Genau zwischen den beiden Städten Hondarribia und Hendaye verläuft die spanisch-französische Grenze. So sind wir also in Spanien angekommen – vorsichtshalber holen wir die französische Gastlandflagge runter, hissen aber die spanische noch nicht. Auch wieder aus unseren Törnführern wissen wir, dass im spanischen Baskenland nur die baskische Gastlandflagge geführt werden soll, nicht auch noch die spanische. Und die baskische Flagge müssen wir erst noch kaufen 😉 . In Saint-Jean-de-Luz, unserem ersten baskischen Hafen, haben wir sie nicht bekommen. Es hat sich aber auch niemand daran gestört, dass wir dort nur die französische Gastlandflagge geführt haben. In der Bretagne haben wir unter der französischen auch noch die bretonische Flagge unter der Steuerbordsaling gehisst. So würde es in Frankreich auch mit der baskischen Flagge funktionieren – die französischen Basken sehen das nicht so eng, die spanischen schon 😉 . Wir sehen aber auch alle möglichen anderen Kombinationen bei französischen wie auch englischen oder holländischen Schiffen hier. Die Franzosen fahren gerne die baskische Flagge unter der einen, die spanische Flagge unter der anderen Saling – egal, ob steuerbord oder backbord 😉 . Die Engländer, die es ja eigentlich wissen sollten, haben häufig die Gastlandflagge unter der Backbord-Saling – geht gar nicht 🙁 . Also eigentlich kann man hier alles oder auch nichts falsch machen. Wir entschließen uns letztlich dazu, die spanische Gastlandflagge unter der Steuerbord-Saling zu hissen und die baskische darunter. Wir sind schließlich in Spanien in der Region Baskenland – sollten wir nur die baskische Flagge führen, wäre das auch ein politisches Statement, nämlich die Anerkennung des Baskenlandes als eigenständige Nation, das wir so nicht abgeben wollen. Ganz schön kompliziert 😉 . Diese Gedankenspiele und die Bedenken, irgendjemandem auf die Füße zu treten, hatten wir im letzten Jahr in Nordirland auch.

Das Wetter wird schlechter und wir bleiben vor Anker liegen. Erst am nächsten Morgen verlegen wir uns kurz nach Hochwasser in den Hafen von Hendaye – nicht ohne vorher noch schnell wieder die französische Gastlandflagge zu hissen ;-).

Die Marina von Hendaye hinter Palmen

Landschaftlich ist es hier ganz anders, als wir Frankreich bisher kennengelernt haben. Hier reichen die grünen Ausläufer der Pyrenäen bis an’s Wasser. Weiter im Hinterland sehen wir die Pyrenäen – hohe Berge, schroff und weite Täler dazwischen. Und überall die baskischen Fachwerkhäuser mit ihren Holzbalkonen und Holzfensterläden in rot, blau und grün – richtig schön! Wir freuen uns auf die nächsten Ausflüge, denn dann wollen wir ein bisschen vom französischen und spanischen Baskenland näher kennenlernen 🙂 .

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Mit dem Auto unterwegs

Mittwoch, den 14.08.2019 – Freitag, den 16.08.2019

Um kein mögliches Wetterfenster von La Rochelle nach Saint-Jean-de-Luz zu verpassen, haben wir unser Auto erst mal noch in La Rochelle stehen lassen und sind mit unserer Ruby Tuesday nach Saint-Jean-de-Luz gesegelt. Jetzt wollen wir unser Auto nicht nur schnell nachholen, sondern auf diesem Weg noch ein bisschen Sightseeing machen 🙂 . Nicht nur auf dem Weg von La Rochelle hierher gibt’s viel zu sehen, auch rund um Saint-Jean-de-Luz reizen schon noch die einen oder anderen Sehenswürdigkeiten.

Auf dem Weg zum Bahnhof bummeln wir noch ein bisschen durch die Straßen von Ciboure, den Stadtteil von Saint-Jean-de-Luz, in dem die kleine Marina liegt. Die Häuser erinnern ein bisschen an den Schwarzwald oder das Voralpenland 😉 , sind aber typisch für das französische Baskenland. Beschaulich geht es hier zu, ganz anders als in Saint-Jean-de-Luz.

Ciboure

Ciboure

Quirlig ist es in der Altstadt von Saint-Jean-de-Luz, unglaublich lebendig, es herrscht Ferienstimmung. Das für Frankreich so typische savoir-vivre wird hier in Vollendung praktiziert 🙂 . Die Restaurants, Bars und Cafés sind voll! Die Menschen lassen es sich gut gehen 🙂 .

Süßes ohne Ende …

Auch in der Badebucht tobt das sommerliche Strandleben – es ist ja auch fantastisch, die Sommerferien bei sonnigem, warmen oder heißen Wetter am Strand zu verbringen. Kein Problem mit Kälte oder Regen – so soll es in den Sommerferien sein 🙂 .

Strand, Wasser und Menschen in der einen Richtung …

… und in der anderen Richtung

… und dazwischen auch noch Wasser, Sand und Sommerurlauber

Obwohl viel Betrieb am Strand ist, ist er nicht überfüllt – es gibt tatsächlich auch mehr, als nur einen Stehplatz im Wasser 😉 . Die Franzosen genießen ihre Strände – wir sind ganz zufrieden, dem Treiben nur aus der Entfernung zuzusehen.

Bahnhof in Saint-Jean-de-Luc

Die Fahrt mit dem Zug läuft wieder mal vollkommen unkompliziert – kurz bevor es losgeht, buche ich über die App die Fahrkarten. Der Zug ist nicht überfüllt, kommt pünktlich, das Umsteigen in Bordeaux funktioniert stressfrei und nach fünf Stunden sind wir in La Rochelle. Unterwegs buche ich noch schnell ein kleines Hotel in der Nähe von Rochfort, ca. 50 km südlich von La Rochelle, damit wir die Nacht nicht im Auto verbringen müssen 😉 .

Auf dem Weg dorthin überqueren wir bei Rochefort die Charente und fühlen uns nach Rendsburg versetzt – auch hier gibt es eine ähnliche Hochbrücke mit Schwebefähre, die gerade allerdings repariert wird und keine Schwebefähre hat 🙂 .

Navigationsfehler?

Es könnte auch die Hochbrücke mit der Schwebefähre in Rendsburg sein

Kurzentschlossen folgen wir den Wegweisern zur Brücke und lesen dort, dass der Erbauer dieser Brücke auch die in Rendsburg sowie noch 5 oder sechs andere erhaltene Hochbrücken weltweit konstruiert hat. Eine davon werden wir noch in Bilbao sehen 🙂  – die anderen sind dann doch etwas zu weit entfernt.

Das Hotel La Roseraie ist ein Volltreffer! Umgeben von einem üppig blühenden Garten liegt das kleine Haus vollkommen ländlich in dem winzigen Ort Trizay. Wir werden freundlich begrüßt und bekommen ein wunderschönes Zimmer – erinnert alles ein bisschen an das Edwardianische Haus, in dem wir im letzten Jahr in Irland für eine Nacht gewohnt haben.

 

Das kleine Hotel ist liebevoll ausgestattet und dekoriert, morgens gibt’s Frühstück mit selbstgemachter Marmelade und selbstgebackenem Kuchen. Einzig ist schade, dass wir uns mit Elaine, der Besitzerin kaum verständigen können – sie spricht überhaupt kein Englisch und meine drei Brocken Französisch reichen für eine richtige Unterhaltung nicht aus. So verständigen wir uns mehr oder weniger mit Händen und Füßen 🙂 .

Unsere Tour nach Bordeaux führt uns entlang des östlichen Gironde-Ufers durch das Weinanbaugebiet der Bordeaux-Weine mit Stopps in Marennes, Talmont-sur-Gironde und Blaye.

Unser erstes Ziel für heute ist die Stadt Marennes, die Austern-Hauptstadt der Region. Entlang des Cayenne-Flusses ziehen sich die diversen Austern-Produktionen, Besucher können sich im Cité de l’Huître über alles rund um die Austern informieren. Probieren und kaufen kann man Austern hier natürlich auch – doch so bald nach dem guten Frühstück haben wir darauf keinen Appetit 😉 .

Viel faszinierender finden wir den kleinen Fluss Cayenne, der jetzt kurz vor Niedrigwasser nicht mehr viel Wasser führt. Die Schiffe versinken im Schlamm, absolut abenteuerlich sind die Konstruktionen, über die die Segler und Motorbootfahrer an ihre Boote kommen.

Weiter geht es zur Gironde nach Royan, einer absoluten Urlaubshochburg mit allem was dazu gehört – Kirmes am Strand und am Fährhafen, große Marina, viele Restaurants und Hotels, Strände und viel Entertainment für Jung und Alt. Es ist so viel Betrieb, als wir durch Royan fahren, dass wir dort keinen Parkplatz finden.

Macht nichts – wir fahren nur ein paar Kilometer weiter nach Talmont-sur Gironde, einem denkmalgschützten, autofreien und malerischen Ort auf einer Halbinsel in der Gironde-Mündung. Die Häuser in den winzigen Gassen sind weiß gekälkt, üppige Rosenstöcke stehen davor und auf einem Felsplateau über der Gironde thront die Romanische Kirche Saint Radegonde.

Auch hier ist viel Betrieb, vor allem auf der Hauptstraße Rue de Port wechseln sich die Kunstgewerbeläden mit Restaurants, Cafés und Souvenierläden ab.

In den kleinen Querstraßen verlaufen sich die Besucher, so dass trotz der vielen Touristen die Atmosphäre dieses schönen alten Pilgerortes spürbar bleibt.

Hafen von Talmont-sur-Gironde

Fahrwasser mit Fischerhütten

Fischerhütten von Talmont-sur-Gironde

Einige Zeit fahren wir noch an der Gironde mit ihrem schlammbraunen Wasser entlang, dann verläuft die Straße durch seichtes Hügelland mit den vielen Weingärten. Das eine oder andere Weingut kann man zwischen den Weinreben sehen.

Das berühmte Châteaux Lafite Rothschild liegt allerdings auf der westlichen Seite der Gironde und ist somit für uns in jedem Sinne unerreichbar 😉 .

Auf dem fruchtbaren Boden gedeihen neben Wein aber auch Mais und Sonnenblumen – die Blütezeit scheint fast vorbei zu sein. Oder sollte es an dem bedeckten Himmel heute liegen, dass sich die Sonnenblumen nicht der Sonne entgegenstrecken können 😉 .

Sonnenblumenfelder soweit das Auge reicht

In Blaye besuchen wir die Citadelle de Vauban, eine der vielen Zitadellen, die die Handschrift des berühmten Festungsbaumeisters Vauban trägt. Sie wurde zwischen 1685 und 1689 erbaut und formte zusammen mit dem Fort Pâté und dem Fort Médoc am gegenüberliegenden Ufer ein ausgeklügeltes Verteidigungssystem der Gironde. Die Zitadelle ist sehr gut erhalten, im Inneren ist ein richtiges kleines Dorf entstanden, das von einer handvoll Menschen ganzjährig bewohnt wird. Wir schlendern über die Festungsmauern, durch die Festungstore und haben immer wieder eine gute Aussicht auf die Gironde. Mitten in der Zitadelle gibt es ein Hotel, einen Mini-Campingplatz, ein Ausstellungszentrum und Künstlerateliers – alles weit entfernt von kriegerischen Zeiten.

Über eine ziemlich kleine, schmale Straße fahren wir direkt an der Gironde entlang weiter Richtung Süden. Durch winzige Dörfer mit teils sehr schönen, herrschaftlichen oder gut erhaltenen aber auch mit verfallenen Häusern führt uns dieser Weg. Bürgersteige gibt’s hier nicht – die Menschen treten aus der Haustüre auf die Straße – oder in einen schönen Garten!

Welch ein Gegensatz dazu ist die Universitätsstadt Bordeaux als politisches, wissenschaftliches und kulturelles Zentrum im Südwesten Frankreichs an der Garonne – Großstadtflair inmitten schönster alter Gebäude 🙂 . Leider ist auch das Hotel, das wir unterwegs gebucht haben, der absolute Gegensatz zu dem kleinen Hotel La Roseraie 🙁 .

Obwohl wir heute doch schon einiges gesehen haben, stürzen wir uns in das touristische Treiben und bekommen einen ersten Eindruck von Bordeaux.

Tor mit einer 7.800kg schweren Glocke

Abteikirche Sainte-Croix

Saint Michel

Kirchturm von Saint Michel – steht neben der Kirche

Multi-Kulti-Atmosphäre spüren wir im Quartier Saint Michel. Wir sehen auffallend viele enge Straßen mit alten, zum Teil ziemlich vernachlässigten Häusern, aber mit tollen schmiedeeisernen Balkonen und egal, wie groß oder klein sie sind, werden sie liebevoll bepflanzt.

Die Kathedrale wird von Polizisten mit Maschinengewehr im Anschlag bewacht – es ist gerade Messe, deshalb können wir sie leider nicht von innen ansehen.

Kathedrale und Rathaus im Hintergrund

Wohl fühlen wir uns hier nicht und laufen durch die historische Altstadt mit den vielen Boutiquen und kleinen Läden zur Opera und weiter zum Herzstück von Bordeaux, dem Place de La Bourse mit dem Wasserspiegel davor. Hier ist auch abends noch viel los – nicht nur Kinder haben Spaß auf dem Wasserspiegel. Über die Uferpromenade laufen wir langsam zurück zum Hotel.

Opera

Place de la Bourse

Hier wird gerade neues Wasser für den Wasserspiegel versprüht

Abendstimmung in Bordeaux

Mit Bus und Straßenbahn fahren wir am nächsten Morgen bis zur La Cité du Vin, einem futuristischen Gebäude, in dem man alles über die Bordeaux-Weine erfahren kann.

La Cité du Vin

Hier ist auch die spektakuläre Brücke Jaques Chaban-Delmas mit ihren vier auffälligen Pfeilern.

Brücke Jaques Chaban-Delmas

Über die Uferpromenade geht’s noch zum Quartier Chatron, dem alten Weinhändlerviertel. Auch hier gibt es Häuser mit schönen Fassaden, vor allem aber mit tollen Bepflanzungen.

Nördliche Uferpromenade

Im Quartier Chatron

Noch mal lassen wir uns durch die Altstadt treiben – hier ist heute schon viel mehr los, gestern war ja Sonntag und die Geschäfte geschlossen. Schön ist es in Bordeaux, eine lebendige Großstadt mit vielen jungen Leuten und noch mehr alten Gebäuden 🙂 .

Bevor wir zu unserer Ruby Tuesday fahren, machen wir noch einen Abstecher zum Becken von Arcachon, das wir ja mit unserem Schiff nicht angelaufen sind. Schon auf den Straßen ist viel Betrieb, wir kommen nur langsam voran. Die Marina von Arcachon ist ziemlich groß und voll, hier werden sogar die Motorboote auf dem Trockenen in mehreren Etagen gestapelt.

Marina von Arcachon

Parkplatz für Motorboote

An der Promenade reihen sich schöne und weniger schöne Häuser aneinander 😉 .

Der Strand ist unglaublich tief, aber nicht überfüllt. Dafür liegen vor dem Strand jede Menge Moorings aus – schade um die schönen Ankerplätze.

Am meisten interessiert uns das Treiben auf dem Wasser, aber viele Segler sind nicht unterwegs. Vielleicht ist es die falsche Zeit – wir haben kurz nach Niedrigwasser. Mit dem Auto versuchen wir, zur Düne Pilat zu fahren – auf den Aufstieg verzichten wir wegen des heißen Wetters. Aber wir kommen erst gar nicht bis dahin – die Straßen sind verstopft 🙁 . Wir biegen vorher in eine Sackgasse ein und können zu Fuß zum Strand mit Blick auf die Düne gehen. Die sieht von Weitem schon faszinierend aus 🙂 . Schrecklich ist hier das Treiben am Strand und im Wasser – Hauptsaison halt.

Strand und Düne Pilat im Hintergrund

Das Becken von Arcachon – wegen Überfüllung geschlossen?

So richtig erschließt sich uns das Becken von Arcachon und die Begeisterung dafür nicht, aber wir sind ja auch nicht mittendrin, sondern gucken nur vom Rand aus kurz mal drauf. Und Hauptsaison ist hier bestimmt auch nicht der richtige Zeitpunkt, um sich wirklich wohlzufühlen, wenn man es eher ein bisschen beschaulich mag 😉 .

Die Kilometer nach Saint-Jean-de-Luz ziehen sich und wir verzichten dann doch auf einen Besuch von Bayonne und Biarritz. Stattdessen füllen wir unseren Kühlschrank und die Obstschale wieder – mit dem Auto doch ganz schön bequem 🙂 .  Ich war ja anfangs doch ganz schön skeptisch, ob das Reisen mit Schiff und Auto so praktikabel ist. Aber es geht viel besser, als erwartet und gibt uns die Möglichkeit, viel vom Landesinneren zu sehen 🙂 .

Mit Zug und Auto unterwegs

 

 

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